Berlin

Auf den Spuren von Tom Hanks

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Emina Benalia

Der Verein Historische S-Bahn öffnet am Wochenende die Tore und zeigt seine Schätze

„Genau hier saß Tom Hanks“, sagt Christoph Schneider und zeigt auf die Vierer-Sitzgruppe im historischen S-Bahnwagen. Er selbst setzt sich fürs Foto an diese Stelle auf der Holzbank im dritte Klasse Abteil und schaut wie der Hollywoodstar in Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ aus dem Fenster. Später wurde die Szene als Plakatmotiv international bekannt. Gedreht wurde sie hier, im S-Bahnwerk Erkner.

Für die Mitglieder des Vereins Historische S-Bahn war dies nicht die erste Filmproduktion. Auch deutsche Regisseure greifen gern auf die historischen Züge als Drehlocation zurück. 2012 entstanden hier im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) Szenen für eine Dokumentation über den sogenannten S-Bahn-Mörder, der um 1940 sein Unwesen im Bereich der heutigen S3 trieb. Auch die ARD wählte für das Ost-West-Drama „Die Klasse“ die historische S-Bahn als Kulisse.

„Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die historischen Berliner S-Bahnfahrzeuge instand zu halten“, erzählt Schneider. Natürlich will man die zum Teil aufwendig aufgearbeiteten Modelle nicht der Öffentlichkeit vorenthalten. In Zusammenarbeit mit der S-Bahn Berlin veranstaltet der Verein deshalb einmal im Jahr den „Tag der offenen Tore“. Unter dem diesjährigen Motto „Hollywood zu Gast in Erkner“ haben die Besucher am 4. und 5. Juni die Möglichkeit eine Reise durch die Berliner S-Bahngeschichte zu unternehmen. Mit einem abwechslungsreichen Programm und Rundfahrten mit den historischen Zügen will der Verein Geschichte lebendig machen.

„Heute gehören die Filmproduktionen zu unserer stärksten Einnahmequelle“, sagt Schneider. Er ist studierter Maschinenbauingenieur und seit 14 Jahren Vereinsmitglied. Die Berliner S-Bahnzüge sind seine Leidenschaft und er kennt die Geschichten der 30 historischen Waggons in der Triebwagenhalle in Erkner. Besonders beliebt seien bei Filmschaffenden die Züge aus dem Baujahr 1927. Dieser Fahrzeugtyp ging in die Geschichte ein, weil es von dem Modell so viele Bestellungen gab wie nie zuvor und auch nicht danach. 1276 S-Bahnen wurden innerhalb von fünf Jahren gebaut. Diese Wagen fuhren noch ziemlich lange, bis 2003. „Lediglich die Innenausstattung wurde modernisiert und angepasst“, erzählt Christoph Schneider.

Ein neues Modell ist das Panoramafahrzeug der S-Bahn. Designt in den traditionellen Farben rot-gelb unterscheidet sich dieses Modell von der klassischen S-Bahn durch seine deckenhohen, abgerundeten Fenster. Diese ermöglichen einen Panoramablick. Auch die Innenausstattung ist besonders. Die rotfarbenen Sessel sind größer als die üblichen Sitze – außerdem lassen sie sich drehen. So schaut der Mitreisende immer in Fahrtrichtung. Der prominenteste Fahrgast war wohl Queen Elizabeth II. bei ihrem Berlin-Besuch im November 2004.

S-Bahnwerk Erkner, Bahnhofstraße 10, 15537 Erkner; Tag der offenen Tore am 4. und 5. Juni von 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 2 Euro für Erwachsene, 1 Euro für Kinder