Abgase

Bei der Berliner Feuerwehr herrscht dicke Luft

Feuerwehrleute stehen vor ihren Einsätzen im Dieselqualm. In den meisten Wachen fehlen Abgasabsauganlagen.

Berlins Feuerwehrleute stehen in den Hallen oft in Abgasen. Hier eine Wache an der Pankower Grunowstraße

Berlins Feuerwehrleute stehen in den Hallen oft in Abgasen. Hier eine Wache an der Pankower Grunowstraße

Foto: ullstein bild

Fast jedes Mal, wenn Berlins Feuerwehrleute zum Einsatz ausrücken müssen, stehen sie erst einmal in einer dicken Abgaswolke. „Die Luft in der Fahrzeughalle ist blau, wenn wir mit dem dieselgetriebenen Drehleiterfahrzeug zu einem Brand alarmiert werden“, sagt ein Oberbrandmeister aus der Feuerwache Weißensee. Das Fahrzeug steht vor dem Ausrücken bis zu einer halben Minute lang mit laufendem Motor in der Halle.

„Das ist notwendig, um das Bremssystem der Fahrzeuge aufzuladen“, sagt der Oberbrandmeister. „Aber es kümmert sich niemand darum, wie hoch die Abgaswerte sind, die wir einatmen“, klagt der Beamte.

Nur 74 Fahrzeuge entsprechen „Euro 6 Norm“

Die Berliner Feuerwehr verfügt über 675 Fahrzeuge. 674 von ihnen haben einen Dieselmotor. 74 davon entsprechen der „Euro 6 Norm“ und verfügen über eine Abgasreinigungsanlage. 26 solcher Fahrzeuge sollen noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden. Abgesehen davon, dass dann nur ein Siebtel der Flotte über moderne Dieselmotoren verfügt, haben auch die ihre Tücken. „Bei der Euro 6 Norm haben wir eine hohe Feinstaubbelastung“, sagt Oliver Mertens, Vorstandsmitglied der Berliner Gewerkschaft der Polizei, und dort für die Feuerwehr zuständig.

Doch es gibt keine Untersuchungen, was mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf die Beamten angeht. Und egal, ob Feinstaub oder Rußpartikel, in 91 Feuerwachen in der Stadt wurden die Abgassauganlagen abmontiert. Nur die Wachen Prenzlauer Berg, Tiergarten, Zehlendorf und Schöneberg sowie die Freiwillige Feuerwehr Karow haben noch solche Anlagen. „Bei Neubauten werden erst gar keine mehr eingebaut“ sagt Oliver Mertens. Das widerspreche den Vorschriften der Unfallkasse.

Senatsinnenverwaltung sieht keine Notwendigkeit

In vielen Gebäuden der Feuerwehr sei es aber so, dass es keine Schleusen zu Aufenthaltsräumen, Küchen und den Sanitärbereichen gebe, sagt Martens. „Das heißt, nach jedem Anlassen der Motoren ziehen die Abgaswolken dort im Zweifel durch das ganze Gebäude.“ Auch weil viele Kollegen über Atemwegserkrankungen klagen, müsse es dringend neue Untersuchungen geben, die analysieren, wie und wo sich die Emissionen ablagern, fordert Mertens.

Doch bei der zuständigen Senatsinnenverwaltung sieht man dafür keine Notwendigkeit. In einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux heißt es: Untersuchungen von Feuerwachen mit und ohne Absauganlagen im Jahr 2008 ergaben bei Dieselruß und Feinstaub „keine Überschreitung der jeweiligen Grenzwerte“. Und weiter: „Kurzzeitige Konzentrationserhöhungen wurden durch den Luftaustausch beim Öffnen der Hallentore schnell abgesenkt.“ Also lüftet die Feuerwehr nicht richtig? Andere Städte gehen andere Wege – beispielsweise München, wo alle Hallen nachgerüstet werden beziehungsweise wurden. Gleiches gilt in Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Ausrüstung mit Absauganlagen kostet 23 Millionen Euro

Der wahre Grund, warum die Innenverwaltung keinen Handlungsbedarf sieht, dürfte in den Kosten liegen. Würden alle Feuerwachen wieder mit Absauganlagen ausgerüstet, so entstünden laut Innenstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) Kosten in Höhe von 23 Millionen Euro.

Benedikt Lux von den Grünen hält es dagegen für unverantwortlich, dass der Senat so leichtfertig mit der Gefahr durch Dieselmotoremissionen umgeht. Der Senat gefährde die Gesundheit der betroffenen Feuerwehrleute: „Gerade angesichts des dramatisch überalterten Fuhrparks muss die Innenverwaltung von Senator Henkel einen Fahrplan erstellen, wie die Hallen schnellstmöglich mit Absauganlagen nachgerüstet werden können.“