Neue WLAN-Hotspots

Hier können Berliner jetzt kostenlos ins Internet

In Berlin sind am Mittwoch die ersten 100 WLAN-Hotspots an den Start gegangen. Bis zum Ende des Sommers sollen es 650 Antennen sein.

Die Access Points sind an öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Einrichtungen wie etwa Rathäusern, Bürgerämtern, Bibliotheken oder Volkshochschulen installiert. Für die genauen Orte klicken Sie bitte auf den Link im Text.

Die Access Points sind an öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Einrichtungen wie etwa Rathäusern, Bürgerämtern, Bibliotheken oder Volkshochschulen installiert. Für die genauen Orte klicken Sie bitte auf den Link im Text.

Foto: Screenshot/Audible

Acht Jahre nach dem Beschluss, ein kostenloses öffentliches WLAN-Netz in der Stadt einzurichten, sind die ersten 100 Sendeantennen angeschlossen worden. Weitere 30 sollen bis zum Start der Fußball-Europameisterschaft folgen, bis zum Ende des Sommers sollen es 650 Sendeantennen sein. Der Startschuss erfolgte am Mittwoch vor dem Brandenburger Tor. Da das Projekt in den vergangenen Jahren mehrfach scheiterte und sich wegen behördeninternen Streitigkeiten verzögert hatte, schickte der Senat Vize-Senatssprecher Bernhard Schodrowski zum Eröffnungsakt am Vormittag in den strömenden Regen Berlins.

„Ein funktionierendes WLAN-Netz an zentralen Orten, das für alle gratis und immer zugänglich ist, macht Berlin noch mehr als ohnehin schon zu der digitalen Hauptstadt. Es ist ein tolles Angebot für Berlinerinnen und Berliner, für Touristen und nicht zuletzt die digitale Wirtschaft“, erklärte Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei per Pressemitteilung. „Wir sind nicht die erste deutsche Stadt mit einem freien WLAN, aber Free WiFi Berlin ist mit seiner Dimension einzigartig in Deutschland. Ich danke allen Projektpartnern für die Zusammenarbeit.“

Die Zugangspunkte sind sowohl an öffentlichen Plätzen als auch in öffentlichen Einrichtungen wie etwa Rathäusern, Bürgerämtern, Bibliotheken oder Volkshochschulen installiert. Eine vollständige Liste der Sendeantennen kann unter www.audible.de/freewifiberlin abgerufen werden.

Das Berliner Unternehmen Audible unterstütze laut der Senatskanzlei das Projekt „Free WiFi Berlin“ nicht nur finanziell, sondern überzeuge auch als Content-Partner: Eigens für das Projekt wurde die Interviewreihe „Typisch Berlin“ produziert, in der interessante Berliner Persönlichkeiten (u.a. Gründer, Designer, Autoren, Kreative) erzählen, was für sie die deutsche Hauptstadt ausmacht.

Die meisten Stationen in der Innenstadt

Die meisten der ersten 100 Sendeantennen befinden sich entlang der touristischen Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt. Aber auch am Union-Stadion an der Alten Försterei stehen zwei Sendemasten - das Olympiastadion bleibt dagegen vorläufig offline. Auch am Kurfürstendamm fehlt die Möglichkeit, per „Free Wifi Berlin“ kostenlos ins Netz zu gehen. Hier bietet allerdings der Stadtmöblierer Wall bereits kostenfreies WLAN an.

Im Gegensatz zu anderen Hotspot-Lösungen wie zum Beispiel am Flughafen Tegel oder in den Zügen der Deutschen Bahn ist beim Berliner Netz keine Anmeldung erforderlich. Auch nach persönlichen Daten wird nicht gefragt. Lediglich eine zehnsekündige Werbeeinspielung muss abgewartet werden, dann steht das Internet kostenfrei zur Verfügung. Es besteht keine zeitliche Beschränkung. Insgesamt 170.000 Euro gibt Berlin in diesem und im kommenden Jahr dafür aus. Die restlichen Kosten werden durch Werbung gegenfinanziert.

Nicht der erste Versuch in Berlin

Das freie Internet der Stadt ist derweil längst nicht der erste Versuch, kostenfreies WLAN in Berlin anzubieten. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) testen derzeit ein WLAN-Angebot auf ihren Bahnhöfen. Nach einem ersten Probelauf im Bahnhof Osloer Straße will die BVG schrittweise ihre U-Bahnhöfe mit freien Internetzugängen ausstatten, derzeit erarbeitet sie ein Finanzierungsmodell. Und auch die Kirchen in Berlin und Brandenburg bekommen sogenannte "godspots". Mit kostenlosem WLAN können Gläubige in den Gotteshäusern surfen. Außerdem gibt es private Initiativen für ein freies WLAN-Netz.

WLAN steht für „Wireless Local Area Network“, also „kabelloses, lokales Netzwerk“. Dies meint ein lokales Funknetz, das es ermöglicht, kabellos im Internet zu surfen. Entsprechende Angebote bestehen bereits in Heidelberg und im Ruhrgebiet. In Heidelberg ist der Zugang allerdings auf 60 Minuten beschränkt.

Zum Start gibt es auch Kritik

Nicht alle sind mit dem neuen Angebot so zufrieden wie Böhning und Schodrowski. "Freies WLAN in Berlin ist schön, aber es kommt zehn Jahre zu spät", kritisiert der Berliner Ex-Pirat Christopher Lauer. "Heute besitzt fast jeder Smartphones, die mit LTE drei mal schneller sind als durchschnittliche DSL-Leitungen." Aus seiner Sicht würde WLAN in Berlin vor allem dort Sinn ergeben, wo die Netzabdeckung oft schlecht ist: nämlich in den U-Bahnen und -Bahnhöfen. "Im Internationalen Vergleich werden wir auch mit den WLAN-Hotspots, die jetzt kommen, dort nachhinken", sagte er der Berliner Morgenpost.