Kinderpressekonferenz

Was Kinderreporter von Manuela Schwesig wissen wollten

150 Mädchen und Jungen befragten Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) bei der Kinderpressekonferenz der Berliner Morgenpost.

Zum Internationalen Kindertag stellte sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig den Fragen von 150 Kinderreportern

Zum Internationalen Kindertag stellte sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig den Fragen von 150 Kinderreportern

Foto: Joerg Krauthoefer

Um die Rechte von Kindern geht es am Internationalen Kindertag, der am Mittwoch gefeiert wird: „Ein wichtiger Tag“, findet Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Am Dienstag stellte sich die SPD-Politikerin, die seit Anfang Mai zurück aus der Babypause und wieder im Amt ist, den Fragen von rund 150 jungen Reportern zwischen sechs und 15 Jahren: bei der Kinderpressekonferenz der Berliner Morgenpost im Zoo Palast. Zu den Kinderrechten wollten die Nachwuchsreporter bei der von Chefredakteur Carsten Erdmann moderierten Fragerunde viel wissen. Die jungen Journalisten sehen durchaus Handlungsbedarf.

Marc, 14, Hennigsdorf: Frau Schwesig, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Manuela Schwesig: Ich bin im Osten des Landes groß geworden, und als die Mauer fiel, war ich 16 Jahre alt. Damals wollte ich eigentlich Erzieherin werden und etwas mit Kindern machen. Aber als die Mauer fiel, gab es die Ausbildung in der Form nicht mehr. Und da ich immer gut in Mathe war, habe ich dann nach der Schule Steuerrecht studiert. Mir war aber klar: Ich wollte beruflich nichts mit Zahlen machen. Ich fing an, mich in meiner neuen Heimat Schwerin politisch für Kinder einzusetzen. Und so hat sich für mich heute mit meinem Amt ein Kreis geschlossen.

Rabia, 8, Kladow: Sie arbeiten ja viel. Wie viel Zeit haben Sie für Ihre Kinder?

Das ist immer ein Spagat. Das kennt ihr ja sicher auch von Euren Eltern. Ich habe das für meine Familie und mich so organisiert, dass ich von Montag bis Mittwoch in Berlin arbeite und dann auch deutschlandweit Termine habe. Den Rest der Woche pendele ich, wir wohnen ja in Schwerin. Den Mittwochnachmittag versuche ich mir immer frei zu nehmen und den Sonntag auch. Dann schlafen wir gern aus, frühstücken lang und machen schöne Dinge – Radtouren mag ich am liebsten.

Viktoria, 15, Steglitz: Welche Perspektive haben geflüchtete Jugendliche in unserem Land?

Alle Jugendlichen in unserem Land haben die gleiche Chance verdient. Egal, woher sie kommen. Die Größeren sollen bei uns auch eine Ausbildung machen können. Viele Kinder und Jugendlichen kommen allein zu uns, um die kümmern wir uns natürlich besonders. Ich selbst habe auch eine Patenschaft für eine geflüchtete Familie mit fünf Kindern. Und Ihr könnt auch helfen: Habt Ihr Willkommensklassen bei Euch an den Schulen? Ihr könnt für diese Kinder da sein, ihnen helfen. Ihr könnt das sogar besser als wir Erwachsenen. Wir nehmen da gerne Eure Unterstützung an.

Lara, 9, Kladow: Gibt es Flüchtlinge, die auf der Straße leben müssen, weil sie keine Wohnung bekommen?

Nein, auf der Straße müssen die Flüchtlinge nicht leben. Aber es gibt viele, die zunächst in Notunterkünften untergebracht werden, wo viele Menschen in großen Hallen leben müssen. Meine Patenfamilie mit fünf Kindern wohnt in einer Ein-Raum-Wohnung. Wir müssen dafür sorgen, dass es mehr Wohnungen gibt, nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle Menschen.

Yakup, 6, Kladow: Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag so?

Das ist immer ganz unterschiedlich. Heute habe ich mich schon mit einer italienischen Ministerin getroffen, danach hatte ich eine Beratung über Medienschutz. Da ging es unter anderem darum, wie wir Euch vor Mobbing im Netz und Ähnlichem besser schützen können. Dann hatte ich noch ein Treffen, in dem es darum ging, wie man die Lohnsituation für Frauen verbessern kann. Denn Frauen verdienen ja leider immer noch weniger als die Männer in gleichen Berufen. Jetzt bin ich hier bei Euch, und heute Nachmittag habe ich noch andere Termine. Aber das mag ich so an meinem Beruf: Er ist schön bunt und abwechslungsreich.

Hannah, 13, Reinickendorf: Und was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Bundesministerin?

Mich für Kinder und Jugendliche hier im Land einzusetzen und dafür zu sorgen, dass Familien gut unterstützt werden. Aber unter anderem natürlich auch die Gleichstellung von Männern und Frauen.

Leonie, 13, Reinickendorf: Gibt es ein Recht für Kinder und Jugendliche, für das Sie sich besonders einsetzen?

Ja, da gibt es zwei: Da wäre zum einen das Recht auf Schutz vor Gewalt. Es bedrückt mich, dass Kinder Gewalt erleben müssen, auch hier bei uns in Deutschland, zu Hause. Und dann wäre da das Recht auf Bildung. Ich weiß, Ihr geht sicher nicht jeden Tag gern zur Schule. Aber Bildung ist wichtig, unverzichtbar. Und nicht in jedem Land selbstverständlich.

Lea, 14, Wedding: Ab welchem Alter hat man eigentlich wie viele Mitbestimmungsrecht?

Ich finde es wichtig, dass jeder Mensch von Geburt an ein Recht auf Mitbestimmung hat. So sollte es sein. Auch Kindern sollte man immer auf Augenhöhe begegnen. In der Kita sollten sie mitbestimmen, in der Schule gibt es auch die Chance, sich einzubringen: Im Schulrat, als Klassensprecher. Das ist gut und richtig: Zeigt Euch und Eure Wünsche. Das Wahlrecht gibt es in einigen Bundesländern schon ab 16 Jahren – das finde ich sehr gut, und das wünsche ich mir für ganz Deutschland.

Sonja, 13, Reinickendorf: Sie haben eben gesagt, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer. Warum ist das so?

Das ist schwierig. Frauen arbeiten schon immer viel in sozialen Berufen und irgendwie hat sich da so eine Meinung eingeschlichen: Ach, das machen doch die Frauen eh, die Kinder und die Alten pflegen... Aber es ist nicht nur das. Frauen bekommen auch einen schlechteren Lohn als die Männer bei genau gleicher Arbeit. Und dafür gibt es einfach keine Rechtfertigung.

Klara, 14, Reinickendorf: Was haben Sie schon erreicht als Ministerin? Worauf sind Sie stolz?

Als ich noch Landesministerin war, da haben wir ein Bildungspaket für Eltern auf den Weg gebracht, die nicht so viel Geld haben. Denn egal, ob eine Familie viel oder wenig Geld hat: Den Kindern sollte das gleiche Angebot zur Verfügung stehen. Außerdem haben wir jetzt mehr Geld für den Ausbau von Kitaplätzen bereit gestellt. Was aber immer noch besser werden muss: Es gibt zu wenig Frauen als Chefinnen.

Leon, 15, Friedrichshain: Sind Regenbogenfamilien eigentlich gesetzlich gleichgestellt, zum Beispiel bei den Steuern?

Noch nicht ganz. Sie sind zwar bei den Steuern gleichgestellt, und sie bekommen auch das gleiche Kindergeld, aber ein Punkt, über den gerade gestritten wird: Regenbogenfamilien, also zwei Männer oder zwei Frauen, die zusammen leben, können keine Kinder adoptieren, sie können nur Pflegekinder bei sich aufnehmen. Das finde ich ungerecht. Auch, weil Adoptivkinder mehr Rechte haben als Pflegekinder. Ich finde, jedes Kind muss gut aufwachsen dürfen. Egal wie, Hauptsache es ist genug Liebe da.

Anna, 13, Pankow: Ist es möglich, in einer Regenbogenfamilie ein Kind zu adoptieren, wenn eine Mutter zum Beispiel ein Kind mitbringt und dann mit einer Partnerin zusammen zieht?

Ja, das ist möglich. Nur die Volladoption eines Kindes aus dem Kinderheim zum Beispiel ist noch nicht möglich.

Zoe, 7, Gatow: Wie viele Kinder haben Sie?

Ich habe zwei Kinder. Mein Sohn Julian ist neun Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Meine Tochter Julia ist noch ein Baby, noch nicht ganz drei Monate alt.

Sarah, 9, Kladow: Wie lange arbeiten Sie täglich?

Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich in Berlin bin, sehr, sehr viel, damit ich freie Zeit für meine Kinder und meinen Mann habe, wenn ich in Schwerin bin.

Dijana, 13, Steglitz: Finden Sie, es fehlt noch ein Gesetz zum besseren Schutz von Kindern und Familien?

Ja, ich finde, es fehlen die Kinderrechte im Grundgesetz. Mir ist es ganz wichtig, diese Rechte im Grundgesetz zu verankern, damit sie mehr Gewicht bekommen. Um für dieses Ziel zu werben, haben wir auch eine Kampagne mit Schauspielern und Sängern gestartet. Aber in der Politik muss alles ausdiskutiert werden, man muss eine Mehrheit schmieden. Politik funktioniert leider nicht so: Ich will das – dann klappt das!

Lea, 14, Wedding: In den Schulen werden Kinder aus Regenbogenfamilien häufig gemobbt. Was wollen Sie tun, um das zu verhindern und Kinder besser aufzuklären?

Mir ist es wichtig, dass wir alle Familien so akzeptieren, wie sie zusammenleben. Ob sich Eltern trennen oder einen neuen Partner wählen, sollen die Familien für sich entscheiden. Wichtig ist, ob es den Kindern gut geht. Dafür bieten wir den Familien Unterstützung. In Berlin gibt es zum Beispiel eine Extra-Beratungsstelle für Regenbogenfamilien.

Greta, 11, Köpenick: Aber was halten Sie davon, wenn Kinder wegen ihrer Eltern ausgelacht werden?

Jeder sollte sich selbst die Frage stellen, ob er so behandelt werden möchte. Ihr als Schüler solltet auf jeden Fall etwas dagegen sagen, wenn so etwas vorkommt. Das ist eine Form von Mobbing.

Leonie, 13, Reinickendorf: Was wollen Sie gegen Mobbing in sozialen Netzwerken tun?

Ich habe da zwei Strategien. Zum einen müssen sich die Schulen mit dem Thema befassen, und dann möchte ich ein neues Gesetz zum Jugendmedienschutz durchsetzen. Darin soll vereinbart werden, dass die Plattformen für soziale Netzwerke einen Button einführen, unter dem sich die Kinder melden können, wenn sie Probleme mit Mobbing haben oder beim Chatten schräg angesprochen werden.

Viktoria, 15, Steglitz: Wie helfen Sie Kindern, die von ihren Eltern schlecht behandelt werden?

Wenn Eltern zum Beispiel sehr jung sind, können sie Schwierigkeiten haben, ein Kind groß zu ziehen, denn das kann sehr anstrengend sein. In diesen Fällen gibt es Familienhebammen, die nach der Geburt in die Familie kommen und die Eltern länger unterstützen. Außerdem gibt es Beratungsstellen – etwa für Eltern, die alkoholabhängig sind. Für Kinder, die Kummer haben, gibt es eine Telefonnummer, wo sie selbst anrufen und sich Hilfe holen können. Wenn Gewalt vorkommt, müssen wir die Kinder schützen. Manchmal müssen wir dann die Kinder auch aus der Familie rausnehmen. Sie kommen dann in ein Kinderheim und später in eine Pflegefamilie. Dann schauen wir, wie sich die Eltern entwickeln und ob die Kinder wieder zu ihnen zurückkommen können oder ob es besser für sie ist, wenn sie in der Pflegefamilie bleiben.

Pia, 13, Hennigsdorf: Bekommt ein Kind, das adoptiert ist oder in einer Pflegefamilie lebt, genau so viel Kindergeld wie bei den leiblichen Eltern?

Für alle Kinder gilt das gleiche Kindergeld, egal, ob sie mit den leiblichen Eltern oder mit Adoptiveltern leben. Bei dem ersten Kind sind das 190 Euro monatlich, für Eltern, die sehr niedrige Löhne haben, legen wir da noch 160 Euro drauf.

Sonja, 13, Reinickendorf: Es gibt viele Jugendliche, die rechtsradikal sind. Wie wollen Sie das verhindern?

Ich unterstütze Schulprojekte, die sich mit diesem Thema befassen, wie zum Beispiel das Projekt „Schule ohne Rassismus“. Mehr als eine Million Schüler nehmen an diesem Projekt in ganz Deutschland teil. Auch in Berlin sind viele Schulen dabei.

Rabia, 8, Kladow: Was können Sie tun, damit an den Schulen nicht so viele Lehrer fehlen?

Nach Berlin ziehen immer mehr Familien mit Kindern. Deshalb werden mehr Schulen benötigt und natürlich auch mehr Lehrer. Ich freue mich, dass Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller angekündigt hat, dass neue Schulen gebaut werden und 2000 Lehrer zusätzlich eingestellt werden sollen.

Yakup, 6, Kladow: Warum gibt es überhaupt Kinder, die adoptiert werden?

Nicht alle Kinder wachsen bei ihren Eltern gut auf. Es gibt Kinder, die von ihren Eltern misshandelt werden. Dann fragen wir andere Paare, ob sie bereit sind, dieses Kind bei sich aufzunehmen. Eine Adoption geht aber nur, wenn die leiblichen Eltern damit einverstanden sind.

Yakup: Und was ist, wenn sie nicht einverstanden sind und ihre Kinder weiter schlagen?

Dann kommen die Kinder in eine Pflegefamilie. Dort haben sie allerdings nicht so viele Rechte wie adoptierte Kinder. Deshalb will ich die Rechte der Kinder in Pflegefamilien stärken.

Lilly, 9, Kladow: Kommt es vor, dass Sie beschimpft werden, wenn Sie ein Kind aus der Familie raus holen?

Das mache ich ja nicht persönlich als Ministerin. Darum kümmert sich das Jugendamt, manchmal auch zusammen mit der Polizei. Meine Hebamme zum Beispiel hatte eine Familie betreut, in der es dem Baby nicht gut ging. Die Hebamme hat das Jugendamt verständigt. Natürlich kommt es vor, dass die Eltern dann die Mitarbeiter des Jugendamtes beschimpfen. Es gibt aber auch viele, die froh sind und selbst sagen, dass sie überfordert sind und wollen, dass es ihrem Kind besser geht.

Marc, 14, Hennigsdorf: Was wollen Sie gerade politisch erreichen?

Aktuell beschäftigt mich das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit. Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer, das ist eine der größten Ungerechtigkeiten in unserem Land, finde ich. Das ist ein ganz wichtiges Gesetz, über das gerade viel gestritten wird.