Wohnungsbau

Zitterpartie beendet: Banken retten Möckernkiez-Projekt

Vorstand der Kreuzberger Genossenschaft bestätigt: Baustopp wird aufgehoben, die Arbeiten gehen in spätestens drei Wochen weiter.

Die Simulation zeigt einige der geplanten Wohnungsbauten an der Yorckstraße und links den Gastronomiepavillon an den Yorckbrücken

Die Simulation zeigt einige der geplanten Wohnungsbauten an der Yorckstraße und links den Gastronomiepavillon an den Yorckbrücken

Foto: Möckernkiez e.G.

Die jahrelange Zitterpartie hat ein Ende: Die Finanzierung der ambitionierten Möckernkiez Genossenschaft ist auf den letzten Meter doch noch gesichert. In spätestens drei Wochen sollen die Arbeiten auf der Kreuzberger Baustelle am Gleisdreieckpark wieder aufgenommen werden. „Wir haben die schriftliche Zusage eines Bankenkonsortiums und werden noch im Juni weiterbauen“, bestätigte Vorstand Franz Nitzsche am Dienstag der Berliner Morgenpost. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich bei den Geldgebern um die in Bochum beheimatete GLS- und eine weitere Bank, die ihren Hauptsitz ebenfalls in Nordrhein-Westfalen hat.

Finanzierungszusage an Verkauf von Teilflächen gebunden

„Ich bin sehr erleichtert, dass wir es jetzt doch noch gewuppt haben und freue mich, denn viele haben uns das nicht mehr zugetraut. Besonders freue ich mich natürlich für die Mitglieder, die sich seit Jahren für das Projekt engagieren“, betonte Nitzsche am Dienstag.

Die Finanzierungszusage beruht im Wesentlichen auf der Bedingung, dass der bereits von den Mitgliedern abgesegnete Verkauf von Teilflächen auf dem drei Hektar großen Areal erfolgt. „Die Auszahlung der ersten Kreditrate ist an die Vorlage des notariell beurkundeten Kaufvertrags der Flächen für Hotel, Gastronomie und einen geplanten Biosupermarkt gebunden“, erläuterte Nitzsche. Der Verkauf der Flächen für Hoitel und Gastronomiepavillon werde dereit beim Notar vorbereitet.

Berliner Hotelbetreiber steht in den Startlöchern

Wie berichtet steht ein Berliner Hotelbetreiber bereits in den Startlöchern. Er soll an der Ecke Yorck-/Möckernstraße ein 3-Sterne-Hotel realisieren und auf dem Grundstück nahe der Yorckbrücken einen Gastronomiepavillon errichten und betreiben. Der Supermarkt „einer bekannten Biokette“ ist in Gebäuden an der Yorckstraße geplant.

Wie Nitzsche am Dienstag erläuterte erfolgt die Fremdfinanzierung durch einen Mix von Bankdarlehen, zinsgünstigen KfW-Förderdarlehen, Nachrangdarlehen und Förderdarlehen von Mitgliedern der Genossenschaft. So haben die Genossenschaftler über Laufzeiten von fünf, zehn oder 15 Jahren Förderdarlehen von insgesamt 2,6 Millionen Euro finanziert. Ein Unterstützer, der nicht genannt werden wolle, habe zudem ein beachtliches Nachrangdarlehen gewährt. Hinzu kämen ein jknappes Drittel Eigenkapital aus von den Genossenschaftsmitgliedern eingezahlten Geschäftsguthaben und den Erlösen aus den Grundstücksverkäufen.

Vorstand gesteht Fehler der anfänglichen Planung ein

Angesprochen auf die langwierige und schwierige Suche nach den Kreditgebern sagte Nitsche gestern. „Aus heutiger Sicht wäre es damnals sicher sinnvoller gewesen, wenn die Genossenschaft erst einmal kleiner und vielleicht in einem ersten Schritt mit dem Neubau von hundert Wohnungen angefangen hätte.“ Schließlich hätten die Genossenschaftler anfangs über keine Expertise in solch großen Projekten verfügt. Nitzsche betonte aber auch: „Das ist Vergangenheit. Jetzt ist entscheidend, wo wir heute stehen und dass das Projekt gerettet ist.“

Nitzsche hat als Immobilienexperte mit der Architektin Karoline Scharpf, seit Januar 2015 offiziell den Vorstand der Genossenschaft übernommen, die sich bereits 2009 aus einer 2007 entstandenen Initiative heraus gegründet hatte. Wie berichtet, herrscht bereits seit Herbst 2014 Baustopp auf dem drei Hektar großen Areal in Kreuzberg zwischen Yorck- und Möckernstraße am Gleisdreieckpark.

Von den zuletzt 14 geplanten Wohnhäusern mit 471 barrierefreien Wohnungen stehen erst vier Rohbauten. Allein die Sicherung der Gebäudeteile und der Baustelle kostete bislang jeden Monat 45.000 Euro. Die Genossenschaft hatte das Filetgrundstück in Kreuzberg 2010 noch aus Eigenmitteln erworben und dann 2014 ohne Finanzierungssicherung einer Bank mit dem Bau des großen Projekts begonnen. Als das Geld dann nicht mehr reichte, mussten die Bauarbeiten eingestellt werden. Der Vorstand wurde ausgewechselt. Der Immoblienfachmann Frank Nitzsche und die Architektin Karoline Scharpf wurden als Retter ins sinkende Boot geholt.

Unter ihrer Ägíde wurden dann auch die Vergaberichtlinien modifiziert und die veranschlagten Nettokaltmieten erhöht. Mittlerweile müssen die Mitglieder der des als Modellprojekt angetretenen Genossenschaft zwei Anteile je 500 Euro zeichnen. Pro Quadratmeter fällt dann noch eine Einlage von jeweils 920 Euro an. Hinzu kommt dann noch die unterdessen bereits zum zweiten Mal auf jetzt durchschnittlich 11,08 Euro erhöhte Nettokaltmiete.

Durchschnittsmiete bruttowarm 13,28 Euro pro Quadratmeter

Je nach Standort, Ausrichtung und Stockwerk liegen die Quadratmeterpreise zwischen 8,62 (Wohnhäuser an der Yorckstraße) und 13,04 Euro (Dachgeschoss am Gleisdreieckpark mit Blick ins Grün und bis zum Potsdamer Platz). Betriebskosten von mindestens 2,20 Euro pro Quadratmeter hinzugerechnet, ergibt das bislang eine Durchschnittsmiete von immerhin 13,28 Euro.

Doch das Interesse scheint dessen ungeachtet groß: Derzeit stehen noch 79 Wohnungen sowie sechs Studio-WG’s mit je vier Wohneinheiten plus Gemeinschaftsräumen für die Bewerbung von Mitgliedern oder neuen Wohnungsinteressenten zur Verfügung. „Die Nachfrage ist spürbar angestiegen“, sagte Nitzsche am Dienstag. Schon kurze Zeit nach der Bekanntgabe der Rettung des Projektes seien viele Bewerbungen eingegangen