Straßenverkehr

Ampel in Tegel ist seit elf Monaten kaputt

Die Anlage an der Ecke Gorki- und Buddestraße ist seit elf Monaten defekt. Verkehrslenkung und Bahn sind mit der Reparatur überfordert.

Anwohnerin Hannelore Klingeberg beschwert sich über eine seit Monaten defekte Ampelführung an der Buddestraße Ecke Gorkistraße in Tegel.

Anwohnerin Hannelore Klingeberg beschwert sich über eine seit Monaten defekte Ampelführung an der Buddestraße Ecke Gorkistraße in Tegel.

Foto: Joerg Krauthoefer

Sie ist die vielleicht am längsten defekte Ampel von Berlin. Bereits seit knapp einem Jahr ist die Lichtsignalanlage an der stark befahrenen Kreuzung Gorki- und Buddestraße in Tegel schon außer Betrieb. Vor allem für Fußgänger und Fahrradfahrer ist das Überqueren der Buddestraße dadurch zu einer gefährlichen Mutprobe geworden. Denn sie können sich nicht darauf verlassen, dass ein Autofahrer für sie stoppt.

„Ich habe hier schon etliche brenzlige Situationen gesehen, bei denen es beinahe zu Unfällen gekommen ist“, sagt Hannelore Klingeberg, die den Weg regelmäßig zum Einkaufen nimmt. Seit Monaten kämpft sie nun darum, dass die Ampelanlage endlich repariert wird. Zahllose E-Mail-Nachrichten sind gewechselt worden, sogar ein Ortstermin fand statt. Repariert wurde die Ampel jedoch bis heute nicht.

Bereits im Juni 2015 hat Hannelore Klingeberg per E-Mail die Verkehrslenkung Berlin (VLB) auf den Komplettausfall der Ampel aufmerksam gemacht. Die der Senatsverkehrsverwaltung unterstellte Behörde teilte daraufhin am 25. Juni mit, dass Bauteile zur Kopplung der Bahnübergangssteuerung mit der Lichtsignalanlage ausgefallen sind. „Eine Reparatur dieser älteren Technik ist laut der Wartungsfirma nicht mehr möglich, so dass eine umfangreiche Erneuerung der Technik erfolgen muss“, teilte ein VLB-Mitarbeiter mit. Und wegen der Komplexität der Technik werde die Erneuerung „leider noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen“.

Anlage mit der Sicherungstechnik am Bahnübergang gekoppelt

Das war vor mehr als elf Monaten. Passiert ist seither nichts. Die Ampellichter sind noch immer blind, die Schalter mit Klebeband verhüllt. Dabei wird der Übergang täglich von Tausenden Menschen genutzt. Viele sind auf dem Weg zum S-Bahnhof oder zum Einkaufen ins Tegel-Center. „Gerade wenn die Schran- ke nach einer Zugdurchfahrt wieder aufgeht, gehen viele auf den Übergang zu und müssen sehen, wie sie heil über die Straße kommen“, berichtet Hannelore Klingeberg.

Und gleich hinter der Schranke befindet sich auch noch das Humboldt-Gymnasium. „In den Pausen gehen viele Schüler raus, um sich im Tegel-Center etwas zu Essen zu holen.“

Die VLB verweist in ihren Antworten stets auf eine technische Besonderheit: Denn die Lichtsignalanlage an der Buddestraße ist mit dem Haltesignal am Bahnübergang Gorkistraße gekoppelt. Gehen dort die Schranken für einen Zug der S25 (Hennigsdorf – Teltow Stadt) herunter, werden gleichzeitig die Abbiegespuren von der Buddestraße in die Gorkistraße gesperrt. Damit solle verhindert werden, dass „haltende Fahrzeuge den Bahnübergang in der Gorki­straße überstauen“.

Die Kopplung der Lichtsignalanlage mit der Sicherungstechnik am Bahnübergang führt indes dazu, dass auch die Deutsche Bahn mit im Spiel ist. Was die Lösung des Problems bislang nicht unbedingt beschleunigt hat. Die Bahn teilte auf Nachfrage mit, dass die Bahnübergangslage in Tegel „in der dortigen Ausführung einmalig in Berlin“ ist. Die Technologie der Bauart „Büstra“ stamme aus den frühen 90er-Jahren, wichtige Ersatzteile seien nicht mehr erhältlich, sagte ein Bahnsprecher. Da sich eine Reparatur als nicht mehr möglich erwies, einigte sich die für die Infrastruktur zuständige Bahntochter DB Netz mit der Verkehrslenkung Berlin auf eine Erneuerung der Bahnübergangsanlage – einschließlich einer neuen Verbindung zu der Ampelanlage.

Für die Bahn-Verantwortlichen scheint diese Arbeitsaufgabe allerdings aus dem Gebiet der Raketenwissenschaft zu kommen. So könnte man als Außenstehender zumindest die wortreichen Erklärungen interpretieren, mit denen begründet wird, warum bisher faktisch nichts geschehen ist. So heißt es in der Stellungnahme der Bahn, dass eine Kombination von Bahnübergangs- und Ampelanlage – wie sie in Tegel realisiert ist – „eine besonders anspruchsvolle Anpassung an die örtlichen Erfordernisse des Bahnverkehrs und Straßenverkehrs“ notwendig mache. Und die örtlichen Gegebenheiten würden in diesem konkreten Fall „eine Sonderlösung, die ein schnelles schematisches Vorgehen nicht zulässt“, erfordern.

Lösung erst im August in Sicht – 14 Monate nach dem Ausfall

Inzwischen gibt es hoffnungsvolle Signale für die Signalanlage. Wie die Bahn und Senatsverkehrsverwaltung auf Nachfrage mitteilten, ist nun eine technische Lösung gefunden und die Planung für das Vorhaben abgestimmt. Gebaut wird voraussichtlich vom 10. bis 20. August, also „nur“ 14 Monate nach Ausfall der Anlage. In dieser Zeit werden nur noch Fußgänger den Bahnübergang passieren können, teilt die Bahn mit.

Der Senat will seinen Teil der Ampelanlage immerhin „zeitgleich mit der Baumaßnahme der DB Netz AG“ im August ausführen lassen. Kosten „nach vorläufiger Schätzung“: 140.000 Euro.

Hannelore Klingeberg übt sich derweil in Sarkasmus. „Dieser sich seit Juni 2015 hinziehende Prozess erinnert mich sehr stark an Nachkriegszeiten, wo die Materialbeschaffung in fast allen Lebensbereichen äußerst schwierig oder manchmal unmöglich war.“