Blitzraub am Kudamm

Touristin beobachtete Täter bei Überfall auf Juwelier

Plötzlich ein lauter Knall, dann die Flucht: Eine Touristin beobachtete die Täter vor und nach dem Blitzüberfall auf das Uhrengeschäft.

Kriminaltechniker der Berliner Polizei vor dem Juweliergeschäft am Kurfürstendamm in Berlin.

Kriminaltechniker der Berliner Polizei vor dem Juweliergeschäft am Kurfürstendamm in Berlin.

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Gerade war es noch friedlich auf dem Kurfürstendamm. Die Geschäfte öffneten nach und nach, erste Touristen flanierten an den Luxusgeschäften vorbei. Ein lauter Knall zerriss die Ruhe. Ein Wagen rammte die Schaufenster des Hublot-Uhrengeschäfts. Räuber überfielen den Laden. Ein Sonnabendmorgen in der City West.

Geschäftsleute und Passanten reagierten entsetzt und schockiert auf den Raubüberfall auf Berlins beliebtem Einkaufsboulevard. „Furchtbar. Ich habe nur noch Gänsehaut. Am Freitag erst der Brand bei Joop in der Schlüterstraße, nur eine Straße weiter und nun das“, sagte Siegfried Böhnisch.

Böhnisch ist Inhaber der Boutique Harveys in der Wielandstraße, direkt neben dem beraubten Luxusuhrenshop. Der Geschäftsmann wurde, wie die Mitarbeiter mehrerer benachbarter Edelboutiquen und Schmuckgeschäfte auch, von der Polizei befragt. Er habe jedoch nichts zur Aufklärung des Überfalls beisteuern können, da er erst später öffne. Der Geschäftsführer eines Juweliergeschäfts unweit des Tatorts zeigte sich ebenso bestürzt. Er fragte sich, ob der Zugang seines Geschäfts einem solchen Angriff Stand gehalten hätte und kam zu dem Schluss. „Unser Panzerglas ist zu stark und der Eingang befindet sich zwei Stufen höher, als der Gehweg.“ Dennoch empfinde er es als beunruhigend, mit welcher Entschlossenheit die Täter bei den wiederkehrenden Raubtaten jeweils vorgingen.

Berlinbesucherin Elena Antoniadis hatte sich zum Zeitpunkt des Überfalls unweit der Kreuzung Kurfürstendamm und Wielandstraße aufgehalten. Sie hatte gesehen, wie der violette VW Golf mit dem auffällig weiß lackierten Kotflügel vor dem Uhrengeschäft anhielt. Gleich nebenan, vor dem Louis-Vuitton-Geschäft, fegte gerade ein Mann den Bürgersteig, erinnert sich die Frau. „Es war ungefähr 10 Uhr. Ich sah zwei junge Männer in dem alten Auto, die sich angeregt unterhielten und gar keine Anstalten machten, irgendwie wieder weiterzufahren“, berichtete die 60-Jährige, die in München lebt und in Berlin ihre Schwester besucht. Kurz darauf schreckte sie durch einen lauten Knall auf. Der VW stand plötzlich am Eingang des Uhrengeschäfts, die Tür war aufgebrochen. „Dann fielen einen Moment später Schüsse, zweimal, es war unheimlich laut“, so Antoniadis. Nur Augenblicke nach den Schüssen habe sie dann einen Mann mit einer Schusswaffe in Händen gesehen, der „in einem irrwitzigen Tempo die Straße hinunter in Richtung Savignyplatz“ lief. Die Waffe habe eher einem Gewehr oder einer abgesägten Schrotflinte geähnelt. Die Polizei schließt nicht aus, dass der als Fluchtwagen genutzte Audi in der Wielandstraße, zwischen Kurfürstendamm und Savignyplatz geparkt worden war.

Den Kriminalbeamten beschrieb die Touristin später die beiden jungen Männer, die ihr in dem Golf aufgefallen waren. Sie seien ungefähr Mitte 20, also 23 bis 28 Jahre alt gewesen, möglicherweise beide südeuropäischer Herkunft.

Nach der gleichen Methode wurde ebenfalls am Sonnabend ein Luxusjuwelier in der Zürcher Bahnhofstraße überfallen. Unbekannte rammten die Schaufenster von Graff Diamonds mit einem VW Touraeg.