Taschendiebstahl

Mutmaßliche Drahtzieher von Diebesbande gestehen

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Die drei Angeklagten, Mircea A. (r), Somna C. (M) und Vasilie C. (l)

Die drei Angeklagten, Mircea A. (r), Somna C. (M) und Vasilie C. (l)

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Drei Angeklagte haben gestanden, in ihrer Heimat Rumänien Gruppen junge Diebe organisiert und nach Berlin geschickt zu haben.

Im bislang europaweit wohl größten Verfahren gegenorganisierten Taschendiebstahl zeichnet sich ein Erfolg der Ermittler ab: Erstmals haben mutmaßliche Drahtzieher gestanden. Vor dem Berliner Landgericht erklärten drei Angeklagte - ein Paar und sein Sohn - die Vorwürfe am Freitag für zutreffend. Die Verdächtigen sollen in ihrer Heimat in Rumänien Teams mit jugendlichen Dieben – darunter auch eigene Kinder - zusammengestellt, instruiert und nach Berlin zum Stehlen geschickt haben.

Über ihre Verteidiger legten die Angeklagten nun Geständnisse ab. In einer Erklärung der 42-jährigen Mutter hieß es, die Familie sei sehr arm. „Deshalb war ich mit den Diebstählen einverstanden.“ Sie habe früher als Tagelöhnerin auf dem Feld gearbeitet. Inzwischen bekomme sie keine Arbeit mehr. Die Angeklagten, die zur Volksgruppe der Roma gehören und aus der ostrumänischen Stadt Iasi stammen, würden ausgegrenzt in einer Art Ghetto leben, sagten Verteidiger.

Sohn will künftig etwas Vernünftiges machen

Der 41-jährige Vater gab die Vorwürfe pauschal in einem Satz zu. Für den Sohn erklärte dessen Anwalt, der 21-Jährige bereue sehr. Er habe einerseits Geld für eine Fahrerlaubnis einnehmen, andererseits die „ärmlichen Lebensverhältnisse in der Heimat“ lindern wollen. Weil der Sohn ein „Angstpatient“ sei, habe er von sich aus mit den Diebstählen aufgehört und wolle künftig „etwas Vernünftiges machen“.

Die Angeklagten hatten zuvor am dritten Prozess-Tag einen sogenannten Verständigungsvorschlag des Gerichts angenommen. Bei Geständnissen wurde dem Vater eine Haftstrafe von maximal drei Jahren und acht Monaten zugesichert, der Mutter höchstens zwei Jahre und acht Monate. Der Sohn kann auf eine Bewährungsstrafe hoffen. „Wir sehen das Dilemma, dass er als Kind dieser Eltern gar keine andere Chance hatte“, sagte die Vorsitzende Richterin in einer Einschätzung nach Aktenlage.

„Drohungen und ständiges Auffordern“

Durch „Drohungen und ständiges Auffordern“ sollen die Angeklagten die jungen Diebe zum Stehlen gebracht haben. Zu den Taten sei es vor allem auf Rolltreppen in U- und S-Bahnhöfen gekommen. Ferner hätten die Angeklagten für Unterkunft in kleinen Hotels und den Transfer der Beute nach Rumänien gesorgt. 21 Fälle von Oktober 2013 bis Februar 2014 sind angeklagt. Eltern und Sohn waren Ende 2015 in Rumänien und Spanien verhaftet worden. Der Prozess wird am 7. Juni fortgesetzt.

( dpa )