Bildungsverwaltung

Berlin bekommt 6600 neue Schulplätze

Die Zahl der Kinder in Berlin steigt in den nächsten Jahren deutlich. Bildungssenatorin will darum die Bauzeit für Schulen verkürzen.

Das Pilotprojekt der Bildungsverwaltung umfasst elf Schulbauten in sieben Bezirken.

Das Pilotprojekt der Bildungsverwaltung umfasst elf Schulbauten in sieben Bezirken.

Foto: Arno Burgi / dpa

Berlin.  Berlin braucht in den kommenden acht Jahren insgesamt 75.000 zusätzliche Plätze an Schulen. Das sind doppelt so viele, wie bisher angenommen. Hinzu kommen 11.000 zusätzliche Plätze, die an Berufsschulen geschaffen werden müssen. Hintergrund sind die stark steigenden Schülerzahlen durch den wachsenden Zuzug nach Berlin sowie die große Zahl von Flüchtlingen in der Stadt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will deshalb jetzt den Bau von neuen Schulen und Sporthallen beschleunigen. "Wir wollen die Bauzeit um die Hälfte verkürzen", sagte Scheeres am Montag.

Bisher hatte es durchschnittlich acht bis neun Jahre gedauert, bis ein Schulneubau fertiggestellt worden war. Nun soll es nur noch vier bis fünf Jahre dauern. Damit das klappt, hat Scheeres jetzt ein Pilotkonzept vorgelegt. Der Senat wolle die Verwaltungsprozesse optimieren, damit schneller gebaut werden kann. Dazu müssten allerdings Gesetze verändert werden. Das sei frühestens ab Mitte 2017 möglich. So lange könne man aber nicht warten. "Für die Schaffung der dringend benötigten Schulplätze wäre dies zu spät", sagte Scheeres.

Das Pilotprojekt der Bildungsverwaltung umfasst elf Schulbauten in sieben Bezirken – das entspricht in etwa 6600 neuen Schulplätzen – sowie den Bau von sieben Sporthallen in fünf Bezirken. Projekte, für die bereits 250–300 Millionen Euro im Haushalt eingeplant sind. Dazu gehören Vorhaben in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Spandau, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Reinickendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Diese Bauten sollen als Beispiel dafür dienen, wie Schulneubauten künftig realisiert werden sollen.

"Wir werden eine Taskforce bilden, die die Bauvorhaben leiten soll. Der werden Vertreter der Bildungsverwaltung, der Stadtentwicklungs- und der Finanzverwaltung sowie der Bezirke angehören", sagte Scheeres. Außerdem soll es für jedes Bauprojekt ein Planungs- und Bauteam geben, dem Mitarbeiter verschiedener Behörden sowie Eltern und Schulleitungen angehören. Ziel sei es, so Scheeres, dass in kürzester Zeit alle notwendigen Absprachen getroffen werden können. "Dann kann der Bezirk bauen oder aber das Land beauftragen, die Baumaßnahmen zen­tral umzusetzen."

Scheeres will das Modellvorhaben am 31. Mai in den Senat einbringen, im Juni soll sich der Hauptausschuss damit befassen. Läuft alles nach Plan, könnte mit dem Bau bereits Ende 2017 oder Anfang 2018 begonnen werden. In diesem Fall könnten die neuen Gebäude 2020 oder 2021 dann fertig sein. Scheeres' Konzept umfasst unter anderem zwei Bauprojekte in Pankow, die beschleunigt werden sollen. Dabei geht es um einen Erweiterungsbau für die Jeanne-Barez-Schule sowie den Bau einer Sporthalle für die Tesla-Gemeinschaftsschule.

Pankow sei ein Beispiel dafür, wie stark der Bedarf an Schulplätzen zugenommen habe, so Scheeres. "2014 und 2015 sind wir auf Basis der Bevölkerungsprognose und der Schulentwicklungsplanung davon ausgegangen, dass wir bis 2022/23 rund 3000 zusätzliche Schulplätze schaffen müssen", so die Senatorin. Umfangreicher Wohnungsbau und höhere Zuzugszahlen hätten nun aber dazu geführt, dass weitere 1300 Schulplätze benötigt werden.

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, sagte der Morgenpost: "Wir hoffen sehr, dass mit dem Pilotprojekt eine dramatische Verkürzung der Bauzeit möglich ist." Sollte das der Fall sein, müsse das Modell schnell ausgeweitet werden, um mit dem rasant steigenden Schulplatzbedarf mithalten zu können.

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