Bauprojekt der Charité

Im 18. Stock sind die Zimmer schon fertig

Die Baustelle des Bettenhochhauses der Charité in Mitte liegt im Zeit- und Kostenplan. Der Regierende Bürgermeister besichtigte sie.

Charité-Chef Karl Max Einhäupl, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (v.l.) beim Rundgang durchs Bettenhochhaus

Charité-Chef Karl Max Einhäupl, Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (v.l.) beim Rundgang durchs Bettenhochhaus

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Die Menge der Kabel, die von der Decke des künftigen Operationssaals im Neubau der Charité in Mitte herunterhängt, ist beeindruckend. Sie sollen nicht nur Licht und medizinische Gase in den OP bringen, sondern dienen vor allem dem Datentransfer und der Informationstechnologie. So kann der Operateur zum Beispiel auf großen Bildschirmen CT-Bilder kontrollieren, wenn er den Eingriff vornimmt. Die Latte ist hoch gelegt: Die technische Ausrüstung soll einen zeitgemäßen und störungsfreien Standard für die nächsten 20 bis 30 Jahre gewährleisten. Nicht nur der Neubau für Rettungsstelle, Intensivstationen und OPs sei komplett digitalisiert, erklärte Charité-Vorstandsvorsitzender Karl Max Einhäupl, das gelte auch für das sanierte Bettenhochhaus.

Müller genießt erstmal den Blick über die Stadt

Am Montag besichtigten der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (beide SPD), zugleich Aufsichtsratschefin des Universitätsklinikums, die Baustelle an der Luisenstraße. Einhäupl, der Ärztliche Direktor Ulrich Frei und Christian Kilz, Bauchef der Charité, erläuterten ihnen den Stand der Arbeiten. Der Rundgang begann in der 18. Etage, in einem Zweibettzimmer einer Normalstation.

Zielstrebig läuft Müller auf die Fenster zu und genießt erst einmal den grandiosen Ausblick über die Stadt. Im Vergleich zum alten Bettenhochhaus wurden die Fenster weit heruntergezogen. Sie haben einen innenliegenden, elektrisch einstellbaren Sonnenschutz. Über den niedrigen Heizkörpern ist eine Fensterbank angebracht, auf der Patienten und Besucher auch sitzen können. 25 Quadratmeter ist so ein Zweibettzimmer groß, die Einbettzimmer messen 13 bis 17 Quadratmeter.

Die Patientenschränke und die Fensterbank sind im hellen Holz-Look gestaltet, die Wände weiß gestrichen. An den Wänden der Flure dominiert ein freundlicher Grünton. Alle Zimmer verfügen über ein Bad, alle Betten über ein Multimedia-Desk. „Kein übertriebener Standard, aber modern“, sagt der Bauchef.

Entkernt bis auf den Rohbau

Was denn gemacht werden musste, möchte der Regierende Bürgermeister wissen. „Wir haben alles entkernt bis auf den Rohbau“, erläutert Kilz. Die Technik sei komplett erneuert, der Beton umfassend saniert. „Die Nasszellen wurden vorgefertigt und komplett per Kran ins Hochhaus gehoben, nachdem die alte Fassade demontiert war“, fügt Kilz an. Müller ist beeindruckt.

Der Ausbauzustand im Hochhaus nimmt von oben nach unten ab. Während die 18. Etage schon wirkt, als ob in wenigen Wochen die Patienten einziehen könnten, ist die Halle unten noch im Rohbauzustand. Dafür lässt sich dort an den unzähligen Markierungen in der Decke ermessen, dass die Betonsanierung aufwendiger war als die Bauleute ursprünglich gehofft hatten. Die Fassaden des Bettenturms und des Neubaus sind nahezu fertig, das Hochhaus strahlt silbrig, der Sockel ist in einem etwas dunkleren Grauton gestaltet.

„Wir liegen mit Bettenhochhaus und Neubau im Zeit- und Kostenplan“, betont Karl Max Einhäupl. Beide Gebäude würden noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, der Umzug werde sich aber über mehrere Monate hinziehen. 202,5 Millionen Euro sind für das gesamte Projekt veranschlagt. Die Arbeiten hatten im Januar 2014 begonnen.

Täglich sind 500 Arbeiter auf der Baustelle

Rund 500 Arbeiter seien derzeit auf der Baustelle, erzählt Christian Kilz. Und vergisst nicht zu erwähnen, was auch wichtig ist, um den Zeitplan einzuhalten. Man habe sich an das Konzept gehalten und nicht während der Arbeiten umgeplant. Prompt wird Müller unsanft an den unvollendeten Großflughafen erinnert und von Journalisten gefragt, ob er daraus etwas für künftige Berliner Großbauprojekte ableite. Man habe am BER auf neue Sicherheitsstandards und juristische Entscheidungen reagieren müssen, kontert der Regierende Bürgermeister, der auch Aufsichtsratschef beim BER ist.

Der Neubau ist schon weiter vorangeschritten als die Sanierung des Hochhauses. Dort werden 15 OP-Säle eingerichtet, davon drei für ambulante Eingriffe. Alle sind weitgehend multifunktional, also von Operateuren verschiedener Fachrichtungen nutzbar. Die Wände sind nicht gefliest, sondern mit blauen Fertigwänden verkleidet, hinter denen sich weitere Technik verbirgt. Die Rettungsstelle bekommt eine neue Auffahrt. Statt sechs kleiner Intensivstationen werde es an der Charité Mitte künftig drei größere geben, erläutert Ulrich Frei. Die Bettenzahl bleibe mit insgesamt 62 im Vergleich zum Ist-Zustand etwa gleich. Größere Intensivstationen seien aber hinsichtlich der Ausstattung mit Fachärzten und Pflegepersonal besser zu managen.

Alte Rettungsstelle noch in Betrieb

Bis der Neubau bezogen werden kann, müssen Rettungsstelle, OPs und Intensivstationen natürlich am alten Standort in Betrieb bleiben. Anschließend wird dieser Gebäudeteil, der jetzt noch den alten Look aus den achtziger Jahren trägt, saniert. Dann ziehen dort Ambulanzen, Forschungsbereiche und die Zentrale des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) ein.

Die Charité sei als Wissenschaftszentrum und Gesundheitsversorger wichtig für Berlin, sagt Müller zum Abschluss. „Es ist uns wichtig, zu sehen, wie weit der Baufortschritt ist. Es ist beeindruckend, was in der Kürze der Zeit alles gelungen ist“, so Müller. Er sei zuversichtlich, dass es mit der pünktlichen Fertigstellung klappt. Aber man sei auf einer Baustelle nie vor Überraschungen sicher.

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