Berlin

Randale im Zug: Zerstörte Decken, beschmierte Fenster

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Peter Oldenburger

Polizei ermittelt gegen Hooligans des 1. FC Union nach Rückreise aus Rostock

Die von der Bundespolizei verbreiteten Fotos machen einfach nur sprachlos. Eingeschlagene Deckenverkleidungen und heruntergerissene Sonnenjalousien, Graffiti an den Fensterscheiben, die Fußböden übersät von Bierflaschen, Müll und Papierschnipseln. Ein kleiner Teil von insgesamt 600 Anhängern des Berliner Fußball-Zweitligisten 1. FC Union hat am späten Sonnabendabend in drei Waggons eines Regionalexpresses der Linie R5 eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Die Bundespolizei hat noch in der Nacht zu Sonntag Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und besonders schwerem Diebstahl aufgenommen. Die Auswertung der Videoaufnahmen aus dem betroffenen Zug dauerten noch an. Einsatzkräfte der Berliner Polizei kontrollierten im Verlauf der Nacht in Friedrichshain nahe dem S-Bahnhof Ostkreuz eine größere Gruppe von Verdächtigen. Dabei konnten Beamte eine Videokamera sicherstellen, die vermutlich aus dem demolierten Zug stammt und während der Randale gestohlen wurde.

Nach Angaben der Bundespolizeidirektion Berlin-Brandenburg hatten etwa 400 Union-Anhänger den aus Rostock kommenden Zug gegen 23.45 Uhr im Bahnhof Gesundbrunnen verlassen. Der Berliner Profi-Klub hatte am Nachmittag beim Drittligisten Hansa Rostock ein Auswärtsspiel mit 3:1 Toren gewonnen. Anlass des Freundschaftsspiels war die 50-Jahr-Feier des Ostsee-Klubs.

„Die übrigen 200 Fußballreisenden – ­Fans möchte ich sie nicht nennen – stiegen kurz darauf am Hauptbahnhof aus“, sagte Polizeisprecher Jens Schobranski der Berliner Morgenpost. Als das Ausmaß der Schäden erkennbar wurde, begannen Beamte der Bundespolizei noch im Hauptbahnhof mit den Ermittlungen. „Eine solch massive Zerstörung ist selten“, fügte der Sprecher an. Angaben zur Höhe des im Regionalzug entstandenen Sachschadens lagen zunächst nicht vor.

Bereits die Abreise aus Berlin war von Bundespolizisten beobachtet worden. Ein großer Teil sei, als Fußballfans kaum zu erkennen, am Sonnabend gegen Mittag vom Bahnhof Gesundbrunnen aus per Bahn in Richtung Ostsee aufgebrochen. Die Anfahrt nach Gesundbrunnen sei zum Teil recht konspirativ mit U-Bahnen erfolgt. Es sei nicht selten, dass gerade gewaltbereite „Problem-Fans“ nicht durch Trikots und Fan-Schals auffielen, sondern sich eher neutral kleideten, erläuterte Jens Schobranski. Da die Anhänger des FC Union und des FC Hansa „nicht gerade freundschaftlich verbunden“ seien, hätten Bundespolizisten in zivil schon die Anreise begleitet. Hintergrund: Ein Zusammentreffen von Hansa-Fans auf gewaltbereite „Unioner“ sollte vermieden werden.

Nächtliche Razzia der Polizeiin Friedrichshain

Umso schockierender erscheinen die Ausmaße der nächtlichen Zerstörungswut. Das hat mit Fan-Kultur überhaupt nichts zu tun, hieß es seitens der Bundespolizei.

Inzwischen gebe es aus Sicht der Bundespolizei „vielversprechende Ermittlungsansätze“ zur Aufklärung der Straftaten, so Polizeisprecher Jens Schobranski. Diese verdankt die Bundespolizei nicht zuletzt einer Kontrolle durch Kollegen der Landespolizei in und vor dem Lokal „Transit“ in der Sonntagstraße in Friedrichshain. Die Berliner Beamten hatten zuvor von der Bundespolizei die Information erhalten, dass Anhänger des 1. FC Union bei ihrer Rückkehr von einem Spiel gegen Hansa Rostock einen Regionalzug demoliert hatten. „Als dann gegen 2 Uhr eine Gruppe von teilweise vermummten Personen gemeldet wurde, kamen knapp 80 Beamte, darunter Einsatzhundertschaften, dort zum Einsatz“, sagte ein Polizeisprecher. Von etwa 50 Personen seien die Identitäten erfasst worden. Dabei wurde auch die Videokamera beschlagnahmt, die aus dem Zug stammen dürfte. Zudem seien Gegenstände sichergestellt worden, die zur Vermummung geeignet seien.

Insgesamt schrieben die Polizisten während der zweistündigen Kontrollaktion drei Anzeigen wegen besonders schweren Diebstahls, Sachbeschädigung – und auch wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Denn es wurden bei den Kontrollierten auch Drogen entdeckt. Festnahmen gab es nicht. Nach der Identitätsfeststellung vor Ort wurden die Union-Anhänger wieder entlassen.