Serienmörder

Berliner Sexualpsychologe erklärt Fantasien von Manfred S.

Wie tickt ein mutmaßlicher Serienmörder wie Manfred S.? Ein Berliner Experte erklärt wie aus einem normalen Mann ein Täter wurde.

Ein vom hessischen Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden veröffentlichtes Foto zeigt des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S.

Ein vom hessischen Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden veröffentlichtes Foto zeigt des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S.

Foto: - / dpa

Die Polizei bringt den 2014 verstorbenen Manfred S. aus Schwalbach am Taunus mit bis zu zehn Tötungsdelikten in Verbindung, darunter auch mit dem Mord an dem Jungen Tristan aus Frankfurt-Höchst im Jahr 1998.

Als ziemlich sicher gilt, dass S. die Prostituierte Britta D. tötete. Die Tochter hatte deren zerstückelte Leiche in einem Fass in der Garage des Vaters entdeckt, als sie nach dessen Tod aufräumte. Die Frau war vermutlich seit zehn Jahren tot.

Der Sexualwissenschaftler Christoph Joseph Ahlers hält es nicht für überraschend, dass die vermutlich sadistischen sexuellen Neigungen des mutmaßlichen Serienmörders aus dem Raum Frankfurt nicht aufgefallen sind. Fast alle Menschen behielten ihre sexuellen Neigungen und Vorlieben weitgehend für sich.

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"Wir wissen von der Sexualpräferenz der Menschen in unserer Umgebung herzlich wenig, sogar von der unserer Partnerin oder unseres Partners", sagte der Mitbegründer und wissenschaftliche Leiter des Instituts für Sexualpsychologie in Berlin. "Viele Menschen mit ungewöhnlichen oder abweichenden Sexualpräferenzen leben in Fassaden-Ehen."

Bis zu ein Viertel aller Männer

Eine leichte Ausprägung von sexuellem Sadismus hätten viele Menschen. "Da geht es um Dominanz und Unterwerfung, um `Shades of Grey`, Fessel- und Rollenspielchen", erklärte Ahlers. Es gebe auch Leute, für die das ein "richtiges sexuelles Reizmuster" sei, das sie brauchten, um sexuell erregt zu werden. Wenn aber aus destruktiven Fantasien verletzende Handlungen würden, lasse sich sexueller Sadismus nicht mehr einvernehmlich ausleben.

Bis zu einem Viertel aller Männer hätten Untersuchungen zufolge Vorstellungen und Fantasien, bei denen es um Macht, Dominanz, Ausgeliefertsein und Unterwerfung eines anderen gehe. "Damit stellt sexueller Sadismus nach Voyeurismus und Fetischismus die dritthäufigste abweichende Sexualfantasie dar", sagte der Experte.

Allerdings entscheide nicht die sexuelle Präferenz darüber, ob jemand zum Täter wird, sondern die Persönlichkeit. Am ehesten könnten Männer, die mangelndes Selbstwertgefühl mit solchen Fantasien kompensierten, zu Tätern werden. "Vor allem wenn eine akute Bedrohung oder eine chronische Kränkung des Selbstwertgefühls vorliegt, kann es zu Impulsdurchbrüchen bis hin zu Tötungsdelikten kommen", sagte Ahlers.