Radfahren

Verkehrsschulen in Reinickendorf fehlen Mitarbeiter

Unterricht fällt aus. Eltern haben keine Möglichkeit, mit den Kindern Fahrradfahren zu üben. Probleme auch in anderen Bezirken

Kinder zwischen 10 und 14 Jahren verunglücken laut ADAC häufig mit dem Fahrrad

Kinder zwischen 10 und 14 Jahren verunglücken laut ADAC häufig mit dem Fahrrad

Foto: ADAC / obs

Berlin.  Reinickendorfer Eltern ärgern sich seit Wochen darüber, dass es mit der Verkehrserziehung ihrer Kinder nicht klappt. Nina Brzezinski, Elternvertreterin der Grundschule am Schäfersee, sagte der Berliner Morgenpost, dass die Jugendverkehrsschule an der Aroser Allee in Reinickendorf seit Monaten nur sehr eingeschränkt geöffnet ist. „Nachmittags hatten Eltern keine Möglichkeit, mit den Kindern dort Fahrradfahren zu üben.“ Dabei sei das kostenlose Angebot zur Verkehrserziehung sehr wichtig, vor allem auch für sozial schwache Familien.

Auch vormittags seien nicht genug Mitarbeiter am Standort Aroser Allee vor Ort. „Gegenwärtig sind dort nur zwei Mitarbeiter, das ist viel zu wenig“, sagte Nina Brzezinski. Schulklassen könnten zum Beispiel die Fahrradprüfungen nur durchführen, wenn mehrere Eltern in der Lage seien, die Klasse in die Verkehrsschule zu begleiten. Dieser Zustand sei unhaltbar.

Zusätzliches Geld soll die aktuellen Probleme lösen

Katrin Schultze-Berndt, CDU-Bildungsstadträtin in Reinickendorf, bestätigte, dass es Probleme am Standort Aroser Allee gegeben hat. Zum 1. Mai habe das Bezirksamt aber wieder insgesamt sechs Ein-Euro-Jobber einstellen können, die das Jobcenter vermittelt habe. „Es ist jedes Jahr aufs Neue sehr schwierig, Mitarbeiter zu finden“, sagte Schultze-Berndt. Viele der über das Jobcenter vermittelten Kräfte seien für die Arbeit mit Kindern einfach nicht geeignet.

Björn Eggert, jugendpolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, sagte der Berliner Morgenpost, dass die Bezirke unterschiedliche Prioritäten setzen würden. „In einigen Bezirken klappt es mit den Jugendverkehrsschulen gut, in anderen nicht.“ Der Senat werde den Bezirken künftig zusätzliches Geld für die Jugendverkehrsschulen zur Verfügung stellen. Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus will die außerschulischen Lernorte, zu denen neben den Jugendverkehrsschulen auch die Jugendkunstschulen und die Gartenarbeitsschulen gehören, deshalb im Schulgesetz verankern, um sie besser gegen mögliche Schließungsabsichten zu schützen. Auch zusätzliches Personal will die Bildungsverwaltung bereitstellen. Jede Jugendverkehrsschule soll einen pädagogischen Mitarbeiter zugewiesen bekommen. Jährlich sind dafür zwei Millionen Euro zusätzlich im Haushalt eingeplant. Das Parlament soll in der kommenden Woche darüber abstimmen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte: „Von Sicherheitstrainings und Bewegungsparcours über Wahrnehmungsspiele und Geschicklichkeitsübungen bis hin zur Reparaturwerkstatt bieten die Verkehrsschulen ein abwechslungsreiches Programmangebot.“ Auch in anderen Bezirken sucht man nach Lösungen. Thomas Zentgraf, Vorsitzender des Fördervereins der Jugendverkehrsschule Neukölln, findet es richtig, dass der Senat die außerschulischen Lernorte stärken will. Der Förderverein sei 2005 gegründet worden, sagte Zentgraf. Damals habe sich die Polizei als Träger der Jugendverkehrsschulen zurückgezogen. Der Verein fungiert deshalb seit 2005 als Träger. Die Mitarbeiter für die Jugendverkehrsschulen stellt das Jobcenter.