Kanu-Weltcup

Berliner qualifiziert sich für Olympischen Spiele

Beim Weltcup in Duisburg holten die deutschen Kanuten zwei Siege und zweimal Bronze. Marcus Gross hat einen Startplatz in Rio sicher.

Die Deutschen Max Rendschmidt (l) und Marcus Gross paddeln zum zweiten Platz im Männer K2 1000 Meter Rennen.

Die Deutschen Max Rendschmidt (l) und Marcus Gross paddeln zum zweiten Platz im Männer K2 1000 Meter Rennen.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Manchmal ist im Sport vom undankbaren vierten Platz die Rede. Gemeint ist damit: gut gekämpft, fast aufs Podest gekommen, nur leider knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt. Marcus Gross konnte sich beim Kanu-Weltcup in Duisburg über Rang vier dennoch freuen, obwohl er als amtierender Weltmeister bessere Platzierungen gewohnt ist.

Gemeinsam mit dem Essener Max Rendschmidt musste er sich im Finale des Kajak-Zweiers über 1000 Meter zwar geschlagen geben, doch der Abstand zu den siegreichen Weißrussen Vitali Bialko und Raman Piatruschenka war mit einer halben Sekunde so gering, dass die Leistung reichte, um sich für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im August zu qualifizieren.

Marcus Gross fühlt sich noch nicht in Topform

„Die Quali ist geschafft“, freute sich der Berliner, „wir können uns jetzt erleichtert und ruhigen Gewissens ins Bett legen. Aber wir wissen auch, dass noch viel zu tun ist.“ Den Quotenplatz für Rio hatte der Zweier bereits im vergangenen Jahr bei der WM in Mailand geholt; nun ist erst die persönliche Qualifikation perfekt. Das Erfolgs-Duo war geschwächt ins Rennen gegangen.

„Ich bin noch nicht in meiner Topform“, sagte der 26-jährige Gross, „aber die Kurve zeigt nach oben.“ Zudem hatte sein Partner Rendschmidt fast eine Woche mit dem Training aussetzen müssen wegen einer fiebrigen Grippe. So gesehen, ist die Erleichterung noch besser zu verstehen. Und bis zu den Olympischen Spielen ist ja noch etwas Zeit.

Zwei andere deutsche Boote schafften am Sonnabend den Sprung nach ganz oben auf dem Podest. Der Kajak-Zweier der Frauen mit Tina Dietze/Franziska Weber (Leipzig/Potsdam) siegte über 500 Meter vor zwei Polinnen und Sabrina Hering/Steffi Kriegerstein (Hannover/Dresden) auf Rang drei. Aus diesen beiden Besatzungen im kleinen Boot könnte in Rio zugleich ein schlagkräftiger Vierer gebildet werden. In beiden Disziplinen gehören die Deutschen zu den Gold-Anwärterinnen.

Ein anderer Favorit auf Olympia-Gold ist Sebastian Brendel, der in Duisburg im Canadier-Einer auf der 1000-Meter-Strecke einmal mehr unschlagbar war. Dem Olympiasieger von London 2012 und amtierenden Weltmeister schlägt allerdings auf die Stimmung, dass er im August in Brasilien der einzige deutsche Canadier-Fahrer sein wird. Im Zweier verpassten Peter Kretschmer/Michael Müller (Leipzig/Magdeburg) nämlich die Qualifikation. In London hatten beide gemeinsam noch Gold gewonnen.

Potsdamer Ronny Rauhe und sein Dresdner Partner Tom Liebscher wenig zufrieden

Diese Medaille fehlt dem Kajakfahrer Max Hoff noch. In London landete er im Einer über 1000 Meter auf dem Bronzerang, und diese Platzierung stellte den Essener auch in Duisburg ganz zufrieden. „Vielleicht ist es gar nicht schlecht, mal nicht der Gejagte zu sein“, sagte er, „der Druck, sich qualifizieren zu müssen, war schon groß. Aber jetzt ist der weg, und ich weiß, dass alles noch ausbaufähig ist.“

Weniger zufrieden waren im Kajak-Zweier über 200 Meter der Potsdamer Ronny Rauhe und sein Dresdner Partner Tom Liebscher, die nur Fünfte wurden und um ihren Olympia-Start noch ein bisschen zittern müssen. Wenngleich Bundestrainer Reiner Gießler durchblicken ließ, er rechne „schon damit, dass beide in Rio am Start sein werden“.

Auch hier hatte Rauhe eine Woche lang mit einer Grippe zu kämpfen. „Ich bin nicht auf einem richtig guten Niveau“, gab der 36-Jährige zu, der seine fünften Olympischen Spiele anstrebt, „auf dieser kurzen Distanz kommt es eben auf jedes Quäntchen an.“ Gießler blickte schon auf den Weltcup nächste Woche in Racice/Tschechien: „Dort eine Platzierung unter den ersten Dreien, dann sollte alles klar sein.“ Nur nicht Vierter werden, wenn es geht.