Morgenpost-Ratgeber

Erbrecht: Mehr Rente nach dem Tod des Ex-Ehemannes?

Entscheidend für die Rente ist, was bei der Scheidung vereinbart wurde. Nach dem Tod können Bezüge von den Erben eingefordert werden.

In der Scheidungsurkunde werden die Unterhalts- und Versorgungsansprüche der beiden Geschiedenen geregelt. Sie sind bindend.

In der Scheidungsurkunde werden die Unterhalts- und Versorgungsansprüche der beiden Geschiedenen geregelt. Sie sind bindend.

Foto: CHROMORANGE / Bilderbox / picture alliance

Ein Ehepaar wurde nach 23 Ehejahren geschieden. Nun ist der Mann im Dezember 2015 gestorben. Es gibt einen Gerichtsbeschluss, wonach er seiner geschiedenen Frau 220 Euro monatlich Unterhalt bezahlen muss beziehungsweise musste. Der Versorgungsausgleich ist sehr niedrig, der Ex-Mann hat gut verdient, sagt die Ex-Ehefrau. Es gibt drei gemeinsame Kinder, die nicht mehr zu Hause leben. Die Ex-Frau fragt nun: Hat sie eine Möglichkeit, jetzt eine höhere Rente von ihm zu bekommen?

Max Braeuer, Experte für Erb- und Familienrecht, beantwortet die Frage: Mit der rechtskräftigen Scheidung sind die rechtlichen Bindungen zu dem Mann endgültig beendet worden. Was im Zusammenhang mit der Scheidung nicht geregelt worden ist, kann die Geschiedene nachträglich auch nicht mehr geltend machen. Das gilt insbesondere für den Versorgungsausgleich. Zusammen mit der Scheidung hat das Familiengericht die Rentenansprüche aufgeteilt, die beide Eheleute während der Ehe erwirtschaftet haben.

Die Ehefrau hat dadurch zu Lasten der Rentenansprüche ihres früheren Mannes einen eigenen Rentenanspruch bekommen. Dadurch bezieht sie, seit sie selbst in Rente sind, eine zusätzliche Rente, die zu der selbst erarbeiteten hinzukommt. Allerdings ist der Versorgungsausgleich auch endgültig. Die Rechte aus dem Versorgungsausgleich ersetzen das, was die Frau sonst als Witwenrente bekommen hätte, wenn sie beim Tode Ihres Mannes noch mit ihm verheiratet gewesen wären. Den Versorgungsausgleich und die Witwenrente kann es nicht nebeneinander geben.

Die Unterhaltspflicht gegenüber der Ex-Frau geht auf die Erben des Verstorbenen über

Die Geschiedene berichtet, dass ihr Mann gut verdient habe, und dass sie 23 Jahre miteinander verheiratet waren. Dann ist es erstaunlich, dass der Versorgungsausgleich sehr niedrig ist. Wenn der Mann immer gut verdient hat, hat er auch eine gute Rente angespart, und die hätte er mit seiner geschiedenen Frau teilen müssen. Möglicherweise hat diese selbst aber auch gut verdient, so dass ihre eigene Rente auch recht hoch ist. Das führt dann dazu, dass durch den Versorgungsausgleich nicht mehr viel übertragen werden kann.

Die überlebende Ex-Frau ist trotzdem nicht ohne Rechte. Ihr Mann musste bis zu seinem Tod an sie monatlich 220 Euro als Unterhalt zahlen. Diese Unterhaltspflicht hat er nicht mit ins Grab genommen. Den monatlichen Unterhalt kann sie auch weiterhin verlangen. Statt des verstorbenen Mannes müssen den Unterhalt nun dessen Erben zahlen. Die Ex-Frau wird ihren früheren Mann als geschiedene Frau nicht beerbt haben.

Die Erben sind aber nur zahlungspflichtig, wenn etwas hinterlassen wurde

Seine Erben sind vermutlich deshalb die drei gemeinsamen Kinder. Die Ex-Frau kann also an ihre Kinder herantreten und sie darum bitten, die monatlichen Zahlungen fortzusetzen. Der Anspruch ist allerdings nicht unbeschränkt. Die Kinder müssen den Unterhalt nur dann zahlen, wenn der Vater überhaupt etwas hinterlassen hat. Insgesamt müssen sie auch nicht mehr zahlen als ein Achtel des hinterlassenen Vermögens.

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