Karneval der Kulturen

Sexuelle Belästigung: Neuntes Opfer erstattet Anzeige

Eine 24-Jährige ist beim Karneval der Kulturen sexuell belästigt worden. Die Zahl der Opfer steigt damit auf neun.

Im Gedränge des Karnevals wurden Frauen belästigt

Im Gedränge des Karnevals wurden Frauen belästigt

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Beim Karneval der Kulturen ist eine weitere Frau von einer Männergruppe bedrängt und sexuell belästigt worden. Nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Neuendorf handelt es sich um eine 24 Jahre alte Berlin-Besucherin aus Nordrhein-Westfalen.

"Die Frau hat angegeben, in der Nacht von Sonntag auf Montag auf dem Blücherplatz von mehreren Männern umringt und - ähnlich wie in anderen Fällen auch - dann an Busen und im Schritt angefasst worden zu sein", sagte Neuendorf am Dienstag.

>> Sexuelle Belästigungen auch im Boulevard Berlin in Steglitz

Damit sind bei dem Straßenfest am Pfingstwochenende mindestens neun Frauen von Männergruppen bedrängt oder sexuell belästigt worden.

"Wir wollen wissen, welche Dimensionen die Sache hat"

Die 24-Jährige erstattete am Dienstagabend Anzeige über das Internet, so Neuendorf.

Die Ermittlungen zu allen bekannte Fällen liefen weiter auf Hochtouren, sagte der Sprecher. Es sei weiter nicht auszuschließen, dass sich weitere Frauen meldeten.

Schon am Montag hatte die Berliner Polizei potenziell Betroffene ermutigt, sich bei der Polizei zu melden. "Wir wollen wissen, was passiert ist, und welche Dimensionen die Sache hat", so Neuendorf.

Taten erinnern an die Ereignisse der Kölner Silvesternacht

Bislang bekannt war, dass eine 17-Jährige und eine 18-Jährige am Samstagabend bei dem Straßenfest in Kreuzberg von mehreren Männern sexuell belästigt und bestohlen worden waren. Die Polizei nahm einen 14-Jährigen und zwei 17-Jährige kurzzeitig fest. Bereits am Freitagabend war eine 16-Jährige von einer Männergruppe umringt und bedrängt worden. "Ein Zeuge hat sich eingemischt und ist sehr resolut dazwischen gegangen und hat gesagt: 'Ich rufe die Polizei' und so die Situation gerettet", berichtete ein Polizeisprecher. Die Mutter des Mädchens habe den Vorfall am Sonnabend angezeigt. Dieser Fall wurde erst am Montag bekannt.

Die Taten erinnern an die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht. Dort waren über Stunden hinweg zahlreiche Frauen von Männern, die zumeist aus Nordafrika stammten, sexuell belästigt und bedrängt und auch bestohlen worden.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte zu den Vorfällen: "Dieses erniedrigende und frauenverachtende Vorgehen ist ebenso abstoßend wie kriminell. Zum Glück hat es mutige Personen gegeben, die Zivilcourage bewiesen haben. In mehreren Fällen konnte den Opfern durch dieses beherzte Einschreiten geholfen werden. Ich danke auch der Polizei, die präsent war und entschlossen gehandelt hat. Dadurch konnte sie mehrere Tatverdächtige festnehmen. Sollte es weitere Vorfälle gegeben haben, appelliere ich dringend an die Betroffenen, sich bei der Polizei zu melden."

Im Fall möglicher sexueller Belästigungen von Frauen am Einkaufszen­trum Boulevard Berlin an der Steglitzer Schloßstraße liegen nach Angaben der Polizei bislang keine Anzeigen vor. Die Berliner Morgenpost hatte berichtet, dass sich dort seit mehreren Wochen bis zu 35 Jugendliche in der zweiten Etage des Einkaufszentrums treffen. Aus Einsatzdokumenten geht hervor, dass es mehrfach zu sexuellen Belästigungen von Kunden und Personal gekommen sein soll.

"Diesbezügliche Anzeigen liegen dem Abschnitt nicht vor", sagte am Mittwoch eine Sprecherin der Berliner Polizei. Sie bestätigte aber, dass es im Zeitraum 1. April bis 16. Mai 2016 fünf Einsätze der Polizei im Einkaufscenter gegeben habe. Bei einem Einsatz am 11. Mai gegen Jugendliche seien Strafanzeigen wegen Beleidigung, versuchter Gefangenenbefreiung, Landfriedensbruchs, Hausfriedensbruchs sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gefertigt worden. Das Management des Centers wollte zu den Vorfällen keine Stellungnahme abgeben.

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