Berliner Landgericht

Prozess in Berlin: Frauen brutal gewürgt und ausgeraubt

Ein 28-Jähriger soll mehrere Frauen auf brutalste Weise überfallen werden. Zum Prozessauftakt am Mittwoch schwieg er zu den Vorwürfen.

In Berlin muss sich seit Mittwoch ein Mann wegen des Verdachts auf Raubüberfälle auf junge Frauen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-jährigen Miloud Ch. vor, dabei außerordentlich brutal vorgegangen sein.

Um jedes Risiko für sich zu vermeiden, jegliche Gegenwehr zu brechen und Hilferufe zu verhindern würgte der aus Algerien stammende Mann die Opfer bis zur Bewusstlosigkeit, um ihnen anschließend Geld und Wertsachen abzunehmen. So jedenfalls steht es in der Anklage, die am Mittwoch zum Prozessauftakt verlesen wurde.

Danach soll Ch. zwischen August und Dezember 2015 fünfmal zugeschlagen haben, jeweils am späten Abend oder nachts. Die ersten beiden Taten wurden in Braunschweig verübt. Danach kam der Angeklagte nach Berlin, wo er in einem Flüchtlingswohnheim in Marzahn untergebracht wurde. Von dort aus soll er nach Überzeugung der Ermittler drei weitere Taten in Moabit und Mitte begangen haben.

Bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt

Die Taten in Braunschweig soll er noch gemeinsam mit Komplizen verübt haben. Die Täter gingen dabei arbeitsteilig vor. Ein Komplize sicherte den Tatort, ein zweiter lenkte das ausgewählte Opfer ab, indem er es nach der Urzeit fragte. Den Moment der Ablenkung soll der Angeklagte genutzt haben, um von hinten an die Frauen heranzutreten und sie bis zur Bewusstlosigkeit zu würgen.

In Berlin soll Ch. die Taten allein verübt haben. Die Opfer erlitten dabei schier endlos scheinende Momente der Todesangst und wurden zum Teil erheblich verletzt. Die Beute aus den Taten war dagegen eher spärlich. Neben Handys wurden den Frauen geringe Geldbeträge zwischen 30 und 70 Euro entwendet, nur einmal waren es 150 Euro.

Staatsanwaltschaft und Polizei haben eine Reihe von Indizien zusammengetragen, die den 28-Jährigen jetzt auf die Anklagebank des Landgerichts Moabit brachten. Auf die Spur des Algeriers gelangten die Ermittler durch eines der geraubten Handys. Weiterhin wurden an den Tatorten Spuren gesichert.

Opfer im fünften Monat schwanger

Ein Opfer, eine im fünften Monat schwangere Frau, wurde überfallen, als sie in Moabit gerade den Aufzug in ihrem Wohnhaus betrat. Im Spiegel des Aufzugs will die Frau den Täter erkannt haben. In Braunschweig wurden einer Zeugin von der Polizei mehrere Fotos vorgelegt. Zu einem Bild des Angeklagten bemerkte die Zeugin, der "könnte dabei gewesen sein".

Ob die Indizien und Zeugenaussagen am Ende für einen Schuldspruch reichen, muss der weitere Prozessverlauf zeigen, sechs Verhandlungstage sind angesetzt. Zum Auftakt tat Miloud Ch. das, was viele Angeklagte in Indizienprozesse tun: Er schwieg. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.