Übergriffe

Sexuelle Belästigungen auch im Boulevard Berlin in Steglitz

Nicht nur beim Karneval der Kulturen gab es sexuelle Übergriffe. Seit einigen Wochen attackieren Jugendliche Kunden und Personal.

Probleme mit Übrgriffen von Jugendlichen gibt es seit einiger Zeit auch im Boulvard Berlin an der Steglitzer Schloßstraße.

Probleme mit Übrgriffen von Jugendlichen gibt es seit einiger Zeit auch im Boulvard Berlin an der Steglitzer Schloßstraße.

Foto: Steffen Pletl

Sexuelle Übergriffe oder Belästigungen hat es nicht nur zum Karneval der Kulturen in Kreuzberg gegeben. Nach Informationen der Berliner Morgenpost kommt es seit einiger Zeit auch im Einkaufszentrum Boulevard Berlin an der Schloßstraße in Steglitz zu Pöbeleien oder sexuellen Belästigungen gegenüber Kunden des Einkaufszentrums. Das geht aus Dokumenten hervor, die der Morgenpost vorliegen.

Demnach treffen sich seit mehreren Wochen zum Teil bis zu 35 Jugendliche in der zweiten Etage des Einkaufszentrums. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Nach Augenzeugenberichten sollen sich die Jugendlichen unter anderem deshalb dort aufhalten, weil es einen freien Internetzugang gibt.

Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es vor diesem Hintergrund zu einem Treffen mit einer Sicherheitsfirma und der Polizei. Bei einem Ortstermin in dem Einkaufszentrum wurden die Beteiligten auf zwei junge Männer aufmerksam, die bereits aufgefallen waren und Hausverbot hatten. Als die beiden jungen Männer mit türkischem Hintergrund von den Polizeibeamten, einem Kaufhausdetektiv und dem Chef der Sicherheitsfirma des Einkaufszentrums aus dem Haus gebeten wurden, kam es zu verbalen Auseinandersetzungen.

Der Polizei liegen bislang keine Anzeigen vor.

Beamter musst mit dem Einsatz von Pfefferspray drohen

Erst sollen die 15 und 17 Jahre alten Jugendlichen die Beamten beleidigt haben. In einem Telefonat soll einer der beiden dann Freunde über "Probleme mit den Bullen" informiert haben. Im Verlauf der Anzeigenaufnahme kamen immer mehr Jugendliche dazu, die die Beamten bedrängten, beleidigten und anpöbelten. Die Bedrohungen wurden so massiv, dass ein Beamter mit dem Einsatz von, Pfefferspray drohen musste. Er alarmierte weitere Einsatzkräfte.

Später kam es auf den Gängen im Erdgeschoss des Einkaufszentrums zu einer versuchten Gefangenenbefreiung, Widerstand und dem Verdacht des Landfriedensbruch. Ob Anzeigen von Frauen wegen sexueller Belästigung vorliegen, konnte die Polizei am Dienstag nicht sagen.

Für den Karneval der Kulturen liegen derzeit sieben Anzeigen von acht Frauen vor. Die Frauen sind nach Angaben der Polizei zwischen 16 und 48 Jahren alt. Alle hätten ihre Peiniger als junge Männer mit südländischem Aussehen beschrieben. Alle hätten ihre Peiniger als junge Männer mit südländischem Aussehen beschrieben. Die Frauen wurden demnach beim Tanzen vor Bühnen von einer Männergruppe eingekreist und im Intimbereich angefasst – an der Brust, am Gesäß oder im Schritt. Körperliche Verletzungen habe keine Frau erlitten.

Sechsköpfige Ermittlungsgruppe 'Antänzer' gegründet

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte die Übergriffe: "Dieses erniedrigende und frauenverachtende Vorgehen ist ebenso abstoßend wie kriminell", sagte Henkel. Er wies daraufhin, dass die Polizei das Problem der sogenannten Antänzer sehr ernst nehme. "Bereits am 1. April 2016 wurde eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe 'Antänzer' gegründet", sagte Henkel. Ziel der Ermittler sei es, Mehrfachtäter zu überführen.

Nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Neuendorf seien an den vier Tagen in Kreuzberg 29 Diebstähle zur Anzeige gebracht und 22 Tatverdächtige ermittelt worden. Es seien auch vier Antänzertaten mit der Zielrichtung Diebstahl zur Anzeige gebracht worden. "Wir haben sieben Männer festnehmen können, die keinen festen Wohnsitz haben und alle aus nordafrikanischen Staaten kommen", sagte Neuendorf. Drei davon stammen aus Tunesien, zwei aus Marokko, einer aus Algerien, ein weiterer komme aus Libyen. Für alle sieben Personen liegen mittlerweile Haftbefehle vor.

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