Karneval der Kulturen

Mindestens acht Frauen bei Karneval der Kulturen belästigt

Männer haben beim Karneval der Kulturen Frauen bedrängt - ähnlich wie an Silvester in Köln. Senator Henkel verurteilte die Taten scharf.

Die Zahl der sexuellen Übergriffe beim Karneval der Kulturen am Pfingstwochenende in Berlin-Kreuzberg ist deutlich höher als zunächst bekannt. Polizeisprecher Thomas Neuendorf sagte der Berliner Morgenpost zunächst, dass derzeit sieben Anzeigen vorliegen gegen sogenannte Antänzer mit sexueller Motivation.

Wie er später präzisierte, gebe es allerdings acht geschädigte Frauen. Die Zahl der Opfer könne weiter steigen, weil einige Frauen geäußerten hätten, sie seien in Begleitung von Freundinnen oder anderen Frauen unterwegs gewesen, sagte Neuendorf.

Der Polizeisprecher wies daraufhin, dass die Ermittlungen weiter laufen. "Wir können nicht ausschließen, dass sich immer noch Frauen melden und Anzeige erstatten", sagte Neuendorf. Er ermutigte potenziell Betroffene, sich bei der Polizei zu melden. „Wir wollen wissen, was passiert ist, und welche Dimensionen die Sache hat“, so Neuendorf.

Alle Frauen hätten die Täter als junge Männer mit südländischem Aussehen beschrieben. Die Vorfälle hätten sich an allen Abenden von Freitag bis Montag ereignet. Mindestens vier verdächtige Männer seien bisher bekannt. Auch ein 40 Jahre alter türkischer Staatsangehöriger sei festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, bereits am Freitag eine Frau sexuell belästigt zu haben. Der Mann soll die Frau mehrfach am Po berührt haben, sagte Neuendorf, und sei bei der Tat alkoholisiert gewesen.

Weitere Verdächtige wurden vor allem wegen Trickdiebstählen mit Antanzen ohne sexuelle Nötigung festgenommen. Nach Angaben des Polizeisprechers seien während des Festes auch vier solcher Taten angezeigt worden. „Wir haben hier sieben Männer festnehmen können, die keinen festen Wohnsitz haben und alle aus nordafrikanischen Staaten kommen“, sagte Neuendorf. Drei davon stammen aus Tunesien, zwei aus Marokko, einer aus Algerien, ein weiterer aus Libyen.

Mädchen umzingelt

Bislang bekannt war, dass eine 17-Jährige und eine 18-Jährige am Samstagabend bei dem Straßenfest in Kreuzberg von mehreren Männern sexuell belästigt und bestohlen worden waren. Die Polizei nahm einen 14-Jährigen und zwei 17-Jährige kurzzeitig fest. Bereits am Freitagabend war eine 16-Jährige von einer Männergruppe umringt und bedrängt worden. "Ein Zeuge hat sich eingemischt und ist sehr resolut dazwischen gegangen und hat gesagt: 'Ich rufe die Polizei' und so die Situation gerettet", berichtete ein Polizeisprecher. Die Mutter des Mädchens habe den Vorfall am Sonnabend angezeigt. Dieser Fall wurde erst am Montag bekannt.

Die Taten erinnern an die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht. Dort waren über Stunden hinweg zahlreiche Frauen von Männern, die zumeist aus Nordafrika stammten, sexuell belästigt und bedrängt und auch bestohlen worden.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte zu den Vorfällen: "Dieses erniedrigende und frauenverachtende Vorgehen ist ebenso abstoßend wie kriminell. Zum Glück hat es mutige Personen gegeben, die Zivilcourage bewiesen haben. In mehreren Fällen konnte den Opfern durch dieses beherzte Einschreiten geholfen werden. Ich danke auch der Polizei, die präsent war und entschlossen gehandelt hat. Dadurch konnte sie mehrere Tatverdächtige festnehmen. Sollte es weitere Vorfälle gegeben haben, appelliere ich dringend an die Betroffenen, sich bei der Polizei zu melden."

Phänomen der Antänzer nimmt in Deutschland zu

Berlins FDP-Generalsekretär, Sebastian Czaja, kritisierte die Äußerungen Henkels: “Bei den wiederholten sexuellen Übergriffen auf Frauen nützt die Entrüstung des Innensenators den Opfern herzlich wenig! Gerade wenn Herr Henkel bereits im April eine Arbeitsgruppe zu dem Thema eingesetzt hat, wäre es naheliegend gewesen, mit mehr Personal und vor allem Zivilbeamten beim Karneval der Kulturen präsent zu sein und die Bürgerinnen so zu schützen und die Täter auf frischer Tat festzunehmen. Freiheit erfordert Sicherheit und diese will der Innensenator trotz fachkundiger Arbeitsgruppen nicht gewährleisten."


Das Phänomen der sogenannten "Antänzer" nehme in Deutschland seit einiger Zeit zu. Die Berliner Polizei nehme dieses Problem sehr ernst und habe bereits am 1. April 2016 die sechsköpfige Ermittlungsgruppe "Antänzer" gegründet. Ziel sei, vor allem Mehrfachtäter zu überführen, erklärte Henkel.

Zahlreiche Taschendiebe festgenommen

Ein Polizeisprecher wies darauf hin, dass zwischen dem reinen sogenannten Antanztrick von Taschendieben und der sexuellen Belästigung unterschieden werden müsse. Am Sonnabend seien allein 13 Taschendiebe beim Karneval der Kulturen festgenommen worden. Zum Teil hätten diese Täter auch Antanztricks angewendet. Das geschehe aber ohne sexuelle Bedrängung, und es gehe nur um den Diebstahl. Bei dieser Masche werden auch Männer angetanzt. Meist agieren dabei aber nur ein Täter im Vordergrund und ein oder zwei Helfer im Hintergrund.

In Köln wurden hingegen Frauen zum Teil massiv sexuell bedrängt, berührt und angefasst. Obwohl es dabei auch zu Diebstählen kam, ist das Muster ein deutlich anderes als der reine Taschendiebstahl-Trick.

Bei dem Vorfall am Sonnabend tanzten die beiden Mädchen vor einer Bühne. Nach Polizeiangaben wurden sie "von etwa zehn jungen Männern umringt, angetanzt, bedrängt und angefasst". Die Frauen versuchten, vor der Gruppe zu fliehen, wurden aber immer wieder zurückgezogen.

Ein 27 Jahre alter Beobachter sah, wie einer der Täter eine der Frauen von hinten umarmte und die Frau sich anschließend verängstigt auf den Boden setzte. Der Mann filmte und griff ein, obwohl ihn die Täter aggressiv verscheuchen wollten. Kurz darauf traf die Polizei ein und nahm drei bereits polizeibekannte Verdächtige fest.