Auktionen

Fünf kuriose Dinge, die Berliner bei Ebay loswerden wollen

Bei Kleinanzeigen auf Ebay gibt es auch zahlreiche ungewöhnliche Angebote, die aus dem Rahmen fallen. Ein Treffen mit fünf Verkäufern.

Foto: Joerg Krauthoefer

Ein überflüssiges Paar Schuhe, die ausrangierte Kaffeemaschine, der nie benutzte Suppentopf – wie wird man solche Dinge los? Für den Verkauf oder Bummel über den sonntäglichen Flohmarkt fehlt vielen die Zeit. Heute wird kaum noch gemütlich über den Markt geschlendert, sondern online „geebayed“. Der Käufer kann sich so den Artikel ganz bequem zusenden lassen oder holt ihn persönlich beim Anbieter ab.

Mehrere Tausend Artikel werden täglich bei dem Onlineportal Ebay Kleinanzeigen eingestellt – zu verschenken, zum Tausch oder für eine festgelegte Summe. Der Vorteil gegenüber dem Onlineauktionshaus Ebay: Weniger Anonymität, Käufer und Verkäufer können direkt in Kontakt treten und miteinander verhandeln. Knapp eine Million Anzeigen sind allein in Berlin registriert. Darunter sind nicht nur Angebote, sondern auch Gesuche.

Die Kategorien mit den meisten Inseraten in Berlin sind „Familie, Kind und Baby“, „Mode und Beauty“ sowie „Haus und Garten“. Doch unter den Angeboten findet sich neben ganz alltäglichen Dingen auch so manche Antiquität, wenn nicht sogar Skurrilität: Von Baukränen über alte Bananen bis hin zu Speisekarten. Auch zahlreiche Haustiere werden angeboten.

Doch wer steckt eigentlich hinter diesen Anzeigen und warum gibt die Person den Artikel überhaupt ab? Wir haben fünf „Ebayer“ aus Berlin getroffen, die ungewöhnliche Anzeigen aufgegeben haben und uns erzählen, wieso sie den Gegenstand loswerden wollen und was sie damit erlebt haben.

Feuerwehr-Oldtimer mit 140 PS

Er hatte den Traum, einmal mit einem alten Feuerwehrauto durch Europa zu reisen. Doch dann verlief alles ein wenig anders, als geplant. Nachdem Kevin Kutzow bereits sechs Jahre lang mit einem ausgebauten Bus die Atlantikküste entlanggefahren war und als Zimmermann arbeitete, wollte er sich ein neues Gefährt zu legen. Etwas Besonderes sollte es sein. Also kaufte er sich vor vier Jahren ein Feuerwehrauto ohne Motor. Den Dieselmotor wollte er selbst einbauen lassen, außerdem wünschte er sich etwas mehr PS. Dass das ausgewählte Auto dann auch noch dasselbe Baujahr hatte wie er, April 1980, erschien ihm geradezu schicksalhaft. Doch nachdem das Fahrzeug endlich umgebaut war, wurde Kevin Kutzow eine Stelle an der Knobelsdorff-Schule in Spandau angeboten. Er entschied sich für die Sesshaftigkeit, das Auto passte nicht mehr ins Konzept. Nach vier Jahren des Rumstehens will der 36-Jährige nun seinen Feuerwehr-Oldtimer für 9900 Euro verkaufen. Viele Leute würden gucken kommen, doch ernsthafte Interessenten waren noch nicht dabei, sagt Kevin Kutzow.

Hecke zu verschenken

1,25 Meter hoch, 20 Meter lang und 40 Zentimeter breit – Léna und Erik verschenken eine Ligusterhecke bei Ebay Kleinanzeigen. Und tatsächlich meldeten sich innerhalb von wenigen Minuten einige Interessenten. „Uns macht die Hecke einfach zu viel Arbeit und hat dabei zu wenig Nutzen. Deswegen möchten wir sie an jemanden verschenken“, sagt Léna. Der einzige Haken: Die Hecke muss selbst ausgegraben werden. Gemeinsam mit ihrem Partner hat sie vor drei Jahren den Schrebergarten in Wedding gekauft. „Wir mussten uns erst mal um das Haus kümmern, jetzt kommt der Garten“, sagt Léna. Ein Interessent sei spontan abgesprungen, weil er eine bereits ausgegrabene Hecke gefunden habe. Doch der nächste Termin ist vereinbart. „Mal schauen, ob es diesmal klappt“, sagt Léna.

West-Berlin à la carte

Stefan Baron hat in seinem Ikea-Regal etwa 100 Speisekarten. Die Älteste ist fast 50 Jahre alt. Seit seiner Jugend sammelt der ehemalige Koch Speisekarten. Mal sind sie während der Essensbestellung versehentlich in die Tasche gerutscht, manchmal gekauft oder getauscht worden. Nun möchte Stefan Baron seine Sammlung auf Speisekarten aus der ehemaligen DDR spezialisieren und einige West-Berliner Karten verkaufen. Für je fünf Euro bietet er die etwa 35 Jahre alten Karten der „Alt Nürnberg Bierstuben“, der „Drei Bären“ und des „Friesenhofs“ an.

Tasche gegen Sojamilch

Bereits mehrere Male hat Sabine Beger versucht, ihre Hundetragetasche bei Ebay Kleinanzeigen zu verkaufen. Ihr Hund „Chuck“, ein Mix aus Französischer Bulldogge und Yorkshire Terrier, ist mittlerweile zu groß für die Tasche. Doch die Anrufe von Interessenten blieben aus. Nach einigen Wochen und vielfachem Senken des Preises, schaltete die 30-Jährige eine neue Anzeige: „Verschenke diese Welpen-Tragetasche gegen einen Liter Sojamilch.“ Innerhalb von wenigen Minuten bekam Sabine Beger zahlreiche Nachrichten. Warum ausgerechnet Sojamilch? „Ganz einfach, wir leben vegan und haben einen riesigen Milchverbrauch“, sagt Sabine Beger. Und tatsächlich: Bereits einen Tag nach der Inserierung hat ein Hundebesitzer die Tasche aus Lichterfelde Ost abgeholt. Und es gab sogar zwei Sojamilchtüten.

Dachboden-Fund

Beim Aufräumen des Dachbodens machten die Zwillinge Patrick und Fabian Weiss eine besondere Entdeckung: Eine Holzfigur des Hundes Wum aus der Sendung „Der große Preis“. Das Maskottchen der Show ist von Loriot selbst bemalt und signiert. Seine Mutter habe mal eine Karte für die Sendung geschenkt bekommen, erzählt Patrick Weiss. „Und dann hatten wir irgendwann dieses Unikat im Kinderzimmer stehen“. Wie viel die Figur genau wert ist, wissen die Brüder nicht. „Aber wir warten auf Angebote“, sagt Patrick Weiss.