Bildung in Berlin

An den Berliner Grundschulen wird es eng

Rund 33.000 Schulanfänger müssen im neuen Schuljahr an Grundschulen untergebracht werden - 2500 mehr als im vergangenen Jahr.

Erstklässler in einer Grundschule

Erstklässler in einer Grundschule

Foto: dpa Picture-Alliance / Frank Leonhardt / picture alliance / dpa

Berlin.  In diesen Tagen erhalten die Eltern der angehenden Erstklässler die Amtsbriefe, in denen ihnen der künftige Schulplatz zugewiesen wird. Insgesamt müssen nach einer Umfrage der Berliner Morgenpost in den Bezirken voraussichtlich 32.900 Schulanfänger an den Grundschulen untergebracht werden. Das sind etwa 2500 mehr als im vergangenen Jahr. An vielen Schulen wird es daher eng.

Mehr als 50 zusätzliche Klassen müssen an den Grundschulen nach dem jetzigen Planungsstand eingerichtet werden, um allen angemeldeten Schülern in ihrem Einzugsgebiet einen Platz zu sichern. Am größten ist die Platznot in Pankow. Hier müssen nach Auskunft des Schulamtes an 13 Schulen insgesamt 15 zusätzliche Klassen für Erstklässler starten.

Räume, die bisher für den Hort oder für den Unterricht in kleinen Gruppen genutzt wurden, müssen zu Klassenräumen umfunktioniert werden. Dabei gibt es kaum noch Freiräume an den Schulen, denn schon in den vergangenen Jahren mussten viele Schulen mehr Kinder aufnehmen als zuvor. „Es sind alle Schulen im Bezirk hoch ausgelastet“, sagte Jugendstadträtin Christine Keil (Linke). Klassen mit mehr als der maximal vorgeschriebenen Zahl von 26 Kindern werde es aber nicht geben, versicherte die Stadträtin.

Containerbauten sollen für Entlastung sorgen

Eng wird es auch in Pankows Nachbarbezirk Mitte. Vor allem in Alt-Mitte gab es schon in den vergangenen Jahren zu viele Anmeldungen. Für etwas Entlastung soll nun ein Containerbau an der Papageno-Grundschule sorgen, im Jahr darauf soll der dann durch einen mobilen Schulergänzungsbau ersetzt werden, sagte Bildungsstadträtin Sabine Smentek (SPD). „Wir richten uns darauf ein, dass wir zusätzlich zur maximalen Kapazität unserer Grundschulen bis zu drei erste Klassen mehr einrichten müssen“, sagte die Bildungsstadträtin der Berliner Morgenpost.

Anders als bei Oberschülern steht Schulanfängern generell ein wohnortnaher Schulplatz zu. Dadurch wird es auch in Neukölln in einigen Regionen schwierig. Vor allem rund um die Sonnenallee und in Britz gebe es laut Schulamt zu viele Anmeldungen. Deshalb müssten in diesen Kiezen voraussichtlich drei zusätzliche Klassenzüge eröffnet werden. Eltern, die nicht im Einzugsgebiet wohnen, sich aber aufgrund eines besonderen Profils eine bestimmte Schule für ihr Kind wünschen, haben deshalb kaum eine Chance. Insgesamt wurden in Neukölln 150 solcher Wechselwünsche abgelehnt.

Alle Bezirke leiden unter steigenden Schülerzahlen

Waren es in den vergangenen Jahren vor allem die Innenstadtbezirke, die unter der Platznot an Grundschulen litten, ist nun kaum ein Bezirk ausgespart von der wachsenden Zahl der Schulanfänger. Auch in Spandau müssen voraussichtlich an fünf Grundschulen mehr Klassen Platz finden als im Vorjahr.

In Steglitz-Zehlendorf werden laut Bezirksamt an der Kronach-Grundschule und an der Conrad-Grundschule mehr Klassen als ursprünglich geplant eingerichtet. In Treptow-Köpenick müssen ebenfalls mehr Erstklässler aufgenommen werden als im Vorjahr. Bildungsstadtrat Michael Vogel (CDU) sagte, dass man zwar noch nicht ganz genau wisse, wie viele Kinder eingeschult werden, trotzdem sei bereits klar, dass etwa 100 bis 150 Kinder mehr an den Schulen eingeschult werden müssen, als das Schulamt erwartet habe.

An drei Schulen wird es deshalb zusätzliche Klassen geben. Zusammenrücken müssen auch die Grundschüler in Tempelhof-Schöneberg. Hier werden vermutlich sieben Grundschulen mehr Kinder aus dem Einzugsbereich aufnehmen als im Vorjahr, unter anderem die Teltow-Grundschule und die Havelland-Grundschule. In Marzahn-Hellersdorf sind zum kommenden Schuljahr an sechs Schulen acht zusätzliche erste Klassen geplant, darunter auch an der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule, die erst jüngst mit einem Brief über Gewaltprobleme für Aufsehen gesorgt hatte.

„Für die Kinder an den Schulen bedeutet die wachsende Zahl der Klassenzüge Einschränkungen. Freizeiträume werden wegfallen, und Klassenstärken werden erhöht“, sagte Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Die Kinder müssten nun die verschlafene Schulentwicklungsplanung des Landes ausbaden.