Stadtentwicklung

Kudamm und Tauentzienstraße sollen attraktiver werden

Hauseigentümer und Geschäftsleute wollen Millionen investieren, um den Boulevard der City West schöner zu machen.

 Der Boulevard bei Nacht: Der Mittelstreifen von Tauentzienstraße und Kudamm zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße soll umgestaltet werden

Der Boulevard bei Nacht: Der Mittelstreifen von Tauentzienstraße und Kudamm zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße soll umgestaltet werden

Kurfürstendamm und Tauentzienstraße sollen attraktiver werden. Dazu haben sich Grundstückseigentümer und Geschäftsleute zu einer Standortgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie wollen aus eigenen Mitteln mehrere Millionen Euro investieren, um den Boulevard der City West vom Wittenbergplatz bis zur Uhlandstraße aufzuwerten. Die ersten Projekte sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Geplant ist zunächst, den Mittelstreifen in diesem Bereich umzugestalten. Die umstrittene Eibenbepflanzung werde beseitigt, erklärten Klaus-Jürgen Meier und Gottfried Kupsch vom Vorstand der AG City. Die Blumenkübel sollen das ganze Jahr über mit wechselnden Pflanzen bestückt werden.

„Die Grundstruktur des Mittelstreifens wird bleiben. Wir werden nicht alles umbuddeln, aber wir werden neue Akzente setzen, die den Anspruch des internationalen Boulevards erfüllen“, sagte Kupsch. Allein dafür werde, verteilt auf fünf Jahre, ein mutmaßlich siebenstelliger Betrag fällig, der auch die Pflege des Grüns beinhaltet.

City Guides für Service und Sicherheit

Das zweite Projekt sind sogenannte City Guides. Diese Servicekräfte sollen, stets im Zweierteam unterwegs, zum einen als Fremdenführer wirken, aber auch für mehr Sicherheit sorgen. Sie sollen freundlich und in mehreren Sprachen Fragen beantworten können, aber auch eingreifen, wenn aggressive Bettler oder Rosenverkäufer Passanten und Café-Gäste belästigen.

Sie sollen verhindern, dass Hütchenspieler ihre Ausrüstung ausbreiten, um ahnungslose Touristen abzuzocken, die Lieferzonen von Falschparkern freihalten und der Stadtreinigung Dreckecken melden. Bei alledem sollen die City Guides nicht als „Sheriffs“ daherkommen, sie sollen auch keine Uniform tragen, wohl aber einheitlich gekleidet sein. Der AG City schwebt vor, dass die Berliner mitentscheiden, in welchem Outfit das Servicepersonal seinen Dienst verrichtet und plant einen Design-Wettbewerb.

Berliner Gesetz ermöglicht Standortgemeinschaften

Wie viele City Guides eingesetzt werden können, entscheidet sich, wenn genau klar ist, wie viel Geld die in der Standortgemeinschaft zusammengeschlossenen Grundstückseigentümer investieren wollen. Die Möglichkeit, sich zu einer solchen Gemeinschaft zu verbünden, besteht in Berlin erst seit eineinhalb Jahren. Das Abgeordnetenhaus verabschiedete im Oktober 2014 ein entsprechendes Gesetz, um Geschäftsstraßen zu stärken. In anderen deutschen Großstädten, etwa in Hamburg, wird das Modell der „Business Improvement Districts“ (BID) schon seit etlichen Jahren erfolgreich praktiziert.

Es sieht vor, dass Grundstückseigentümer und Gewerbetreibende die Aufwertung ihrer Einkaufsstraße in die eigene Hand nehmen. Die Ziele sind dabei nicht festgelegt. Ob es lediglich um die Anschaffung einer gemeinsamen Weihnachtsbeleuchtung geht oder umfassende Umgestaltungen im Erscheinungsbild der Straße, bleibt den Gemeinschaften selbst überlassen. Das Besondere: Die Finanzierung übernehmen alle Grundstückseigentümer in diesem Bereich, die Abgabe ist verpflichtend. Das verhindert, dass „Trittbrettfahrer“ von den Investitionen profitieren.

Mindestens 15 Prozent der Grundstückseigner müssen zustimmen

Allerdings müssen etliche Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Standortgemeinschaft Projekte realisieren kann. Mindestens 15 Prozent der Grundstückseigner, denen gleichzeitig mindestens 15 Prozent der Grundstücksfläche gehört, müssen dem Projektantrag zustimmen, der beim Bezirksamt gestellt wird. Ziele und Aufgaben müssen öffentlich erörtert werden. Das Projekt scheitert, wenn mehr als ein Drittel der Eigentümer dagegen stimmt.

Die Standortgemeinschaft für Tauentzien und Kudamm hat eine wesentliche Hürde in dem aufwendigen Verfahren genommen: Vor wenigen Tagen reichten die Verantwortlichen beim Bezirk die Einverständniserklärung von Hauseigentümern ein. Das Quorum von 15 Prozent konnten sie dabei locker erfüllen, erzielten nach eigenen Angaben sogar 25 Prozent. Der Erörterungstermin ist für Mitte Juli vorgesehen. Erst danach kann das auf fünf Jahre ausgelegte Budget des gesamten Projekts festgelegt werden. Klar ist, dass es um mehrere Millionen Euro geht.

Zwei Pavillons für die Tauentzienstraße beantragt

Neben dem umgestalteten Mittelstreifen und den City Guides ist vorgesehen, zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße flächendeckend ein kostenloses W-Lan-Netz anzubieten und die auf vier Durchgänge pro Tag ausgeweitete Straßenreinigung fortzusetzen. Schließlich ist ein Workshop geplant, in dem ein Veranstaltungskonzept für den Boulevard entwickelt werden soll.

Unabhängig vom Projekt der Standortgemeinschaft hat die AG City beim Bezirksamt beantragt, zwei Pavillons auf dem Mittelstreifen der Tauentzienstraße zu errichten. Dort soll, so wie Unter den Linden, Café-Gastronomie eingerichtet werden. Als Standorte sind die Ecke Marburger Straße und ein Platz nahe dem KaDeWe geplant. „Wir müssen die Aufenthaltsqualität am Kurfürstendamm verbessern“, begründete Klaus-Jürgen Meier bei einem Gespräch mit Florian Graf, CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, und Fraktionsvize Stefan Evers, die Pläne.

CDU will Standortgemeinschaft unterstützen

Das sehen auch andere Handelsexperten so und sprechen von stagnierenden Umsätzen an der Lebensader der City West. Angesprochen werden müssten insbesondere Berlin-Besucher, die bereits heute für 60 Prozent der Umsätze sorgten, so Meier. Graf und Evers sicherten der Standortgemeinschaft und der AG City ihre Unterstützung zu. Die geplante Neugestaltung des Mittelstreifens bezeichnete Graf als „Quantensprung“. Evers betonte, das vom Abgeordnetenhaus verabschiedete Gesetz zu den „Business Improvement Districts“ (BID) sei eines der zentralen Gesetze dieser Legislaturperiode und vorbildlich in Deutschland.