Strafprozess

Prügeln aus Langeweile - Junge Männer stehen vor Gericht

Drei junge Männer schlugen und traten einen Passanten und raubten ihn aus. Jetzt stehen sie wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Die drei Angeklagten Murat E., Ahmet E. und Hakan C. stehen vor der Jugendkammer des Strafgerichts Moabit

Die drei Angeklagten Murat E., Ahmet E. und Hakan C. stehen vor der Jugendkammer des Strafgerichts Moabit

Foto: Sebastian Schachel / dpa

Berlin.  Es gab nicht den geringsten Anlass für diese Gewalttätigkeiten. Es war vermutlich nur Langeweile. Und das stark angetrunkene Opfer konnte sich gegen die drei Angreifer ja auch kaum wehren. Seit Freitag müssen sich die drei jungen Männer wegen versuchten Mordes, Raubes, Körperverletzung und sexueller Nötigung verantworten. Verhandelt wird vor einer Moabiter Jugendkammer. Sie waren zur Tatzeit 17, 18 und 20 Jahre alt.

Ihr Opfer, der 24-jährige Mirko F., konnte sich vor Gericht nur noch an „einen Gong gegen den Kopf“ erinnern. Und dass er in den frühen Morgenstunden des 14. September 2015 auf dem Gehweg der Osloer Straße im Ortsteil Wedding gelegen habe und ein großer, kräftiger, bärtiger Mann zu ihm sagte: „Wehr dich nicht!“ Mirko F. hatte sich nicht gewehrt, aber das half ihm auch nicht. Er wurde in einen Hof gezerrt, ausgeraubt und weiter attackiert. „Sie traten und schlugen auf den benommenen und blutenden Zeugen ein“, dabei auch „wiederholt massiv gegen den Körper und den ungeschützten Kopf“, steht im Anklagesatz. Die Täter ließen erst von ihrem Opfer ab, als eine Frau aus dem Fenster rief: „Hört damit auf, sonst rufe ich die Polizei!“

Das Opfer erlitt ein Schädelhirntrauma und mehrere Brüche am Kopf

Mirko F. erlitt ein Schädelhirntrauma und mehrere Frakturen am Kopf. Und er ist nicht das einzige Opfer. Wenig später sollen die drei Angeklagten an der Osloer Straße/Ecke Prinzenallee einen Mann und eine Frau bedroht, mehrfach geschlagen und wiederum ausgeraubt haben. Dabei wurde die Frau auch an der Brust und am Unterleib betatscht.

Das räuberische Trio wurde noch am selben Morgen gefasst. Die drei jungen Männer befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Alle drei kündigten an, sich im Laufe der Beweisaufnahme zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Am ersten Prozesstag gab es zunächst nur kurze, von den Verteidigern verlesene Erklärungen, in denen die Angeklagten ankündigten, sich bei Mirko F. entschuldigen zu wollen.

Einer der Täter ist mehrfach vorbestraft und gilt als Intensivtäter

Der 20-jährige Murat E., der zur Tatzeit stark angetrunken war, konnte sich nur noch „an einen Faustschlag erinnern“. Vermutlich habe er seinen Begleitern imponieren wollen. Das körperlich weit unterlegene Opfer habe er aber nicht schwer verletzten oder gar töten wollen, hieß es in der Erklärung des 1,85 Meter großen und mehr als 100 Kilogramm schweren Angeklagten. Er hoffe auch, dass mit diesem Strafprozess weitere Strafverfahren erledigt sind, die von der Staatsanwaltschaft noch gegen ihn geführt werden.

Auch die beiden anderen Angeklagten gaben zu, bei den Überfällen dabei gewesen zu sein, wollten sich zu ihrer konkreten Tatbeteiligung aber noch nicht äußern. Passive Zuschauer waren sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Der 18-jährige Ahmet E. hat inzwischen schon 3000 Euro Schmerzensgeld an Mirko F. gezahlt.

Gegen den 17-jährigen Hakan C. gibt es noch eine zweite Anklage. Er hatte am 4. September 2015 in der Markt-straße in Reinickendorf Passanten überfallen, geschlagen und ausgeraubt. Darunter auch eine Frau, der er mit der Faust ins Gesicht schlug. Diese Taten gab Hakan C. zu. Er ist mehrfach vorbestraft und gilt als Intensivtäter.

Der Prozess wird am 17. Mai mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.