Morgenpost-Ratgeber

Erbrecht: In welchem Fall ist Erbschaftsteuer fällig?

Manchmal bietet das Gesetz den Vererbenden Möglichkeiten, die Erbschaftsteuer der Erben geschickt zu senken

Manchmal bietet das Gesetz den Vererbenden Möglichkeiten, die Erbschaftsteuer der Erben geschickt zu senken

Foto: Oliver Berg / dpa

ERBRECHT – Meine Ehefrau und ich haben eine gemeinsame Tochter. Wir haben Wohneigentum angeschafft und einige Eigentumswohnungen als Kapitalanlage. Die Freigrenzen der Erbschaftssteuer, die unsere Tochter hat, sind uns bekannt. Da alle Wohnungen noch mit Immobiliendarlehen belegt sind, stellt sich für uns nun die Frage, ob bei der Wertermittlung der Eigentumswohnungen bei einem Erbfall die jeweils noch offene Kreditsumme des Darlehens vom Verkehrswert der Wohnung zum Zeitpunkt des Erbfalles abgezogen wird oder ob die noch auf den Wohnungen befindlichen Lasten gar nicht berücksichtigt werden.

Erbrechtsexperte Max Braeuer: „Es ist anzunehmen, dass Sie nur die eine gemeinsame Tochter haben und dass keiner von Ihnen noch weitere Kinder hat. Dann werden Sie beide nur von dieser Tochter beerbt werden, und es kann passieren, dass Sie ihr mehr hinterlassen, als im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern von der Erbschaftssteuer befreit ist. Sie sprechen den Freibetrag an. Das sind für jeden Erbfall 400.000 Euro. Ihre Tochter kann also von jedem ihrer beiden Eltern 400.000 Euro erben, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Erst Beträge, die darüber hinausgehen, sind mit Erbschaftssteuer belastet.

Die Erbschaftssteuer berechnet sich nach dem Wert des gesamten Nachlasses. Es geht also nicht um den Wert einzelner Gegenstände, sondern um den zusammengerechneten Wert. Ihre Tochter als Erbin muss auch die Bankverbindlichkeiten übernehmen. Deshalb sind die Darlehensschulden mit dem Wert, den sie am Todestag haben, vom Wert der übrigen Nachlassgegenstände abzuziehen. Von dem Betrag, der sich dann ergibt, ist der Freibetrag abzuziehen, und auf den Rest wird die Erbschaftssteuer berechnet.

Wer zweimal von verschiedenen Personen erbt, bekommt zweimal einen Freibetrag

Wie viel Freibetrag Ihrer Tochter bei der Erbschaftssteuer zusteht, können Sie auch durch Ihr Testament beeinflussen. Der Freibetrag von 400.000 Euro steht Ihrer Tochter beim Tod jedes der beiden Elternteile zu. Dafür muss sie aber auch von beiden Eltern erben. Wenn Sie etwa ein Berliner Testament machen, dann erbt der überlebende Ehegatte zunächst alles, und Ihre Tochter erbt bei diesem ersten Erbfall nichts. Der Freibetrag verfällt so. Ihre Tochter wird zwar, wenn auch der andere Elternteil gestorben ist, von diesem alles erben. Sie hat dann aber nur einmal den Freibetrag. Sie können stattdessen durch Testament bestimmen, dass der überlebende Ehegatte von dem anderen nichts erbt. Dann erbt Ihre Tochter beim Tode des ersten Elternteils schon dessen Anteile an den Wohnungen und kann auch hier den vollen Freibetrag geltend machen.

Ihre Tochter kann eventuell auch über den Freibetrag hinaus eine weitere Steuervergünstigung in Anspruch nehmen. Wenn sie nach dem Tode ihrer Eltern selbst in die Wohnung zieht, in der Sie selbst bis dahin gelebt haben, fällt auf diese Wohnung keine Erbschaftssteuer an und ihr Wert ist auch nicht auf den Freibetrag anzurechnen. Allerdings müsste Ihre Tochter die Wohnung mindestens zehn Jahre nach dem Tod ihrer Eltern selbst nutzen. Zieht sie vorher aus, muss sie doch noch Erbschaftssteuer zahlen.“

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