Stadtgeschichte

Ein Berliner Hotel mit einem Fenster in das Mittelalter

Das Hotel am Petriplatz bekommt ein Archäologisches Fenster. Doch das historische Gesamtkonzept lässt weiter auf sich warten.

Die Kubatur des Hotelneubaus am Petriplatz in Berlin-Mitte soll an das alte Rathaus erinnern

Die Kubatur des Hotelneubaus am Petriplatz in Berlin-Mitte soll an das alte Rathaus erinnern

Foto: Ortner+Ortner Architekten/Hochtief Projektentwicklung GmbH / Hochtief Projektentwicklung GmbH

Einst lag hier das Zentrum der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln. Davon ist auf dem großteils abgeräumten Areal zwischen Gertraudenstraße, Breite Straße, der Neumannsgasse und dem Spreekanal so gut wie nichts mehr zu entdecken. Ausgerechnet mit einem Neubau, den die Hochtief Projektentwicklung GmbH an der Ecke Gertrauden- und Breite Straße am neuen Petriplatz errichtet, soll sich das jetzt ändern.

Der Siebengeschosser, für den am Mittwoch Richtfest gefeiert wurde, erlaubt erstmals einen Blick in die Vergangenheit der beiden Städte, die 1709 zur königlichen Hauptstadt Berlin zusammengelegt wurden.

40 Quadratmeter große Glasplatte gibt Blick auf Kellergewölbe frei

In dem Hotelneubau, der auf einem 1500 Quadratmeter großen Areal auf dem nordöstlichen Drittel des historischen Petriplatzes entsteht, werden Gäste und Besucher dann durch eine 40 Quadratmeter große Glasplatte in den Untergrund blicken können. Unter Ihren Füßen befinden sich die Kellerreste alter Bürgerhäuser, die bei Grabungen zwischen 2007 und 2009 entdeckt wurden. Die Denkmalschutzbehörde erklärte die Funde zum geschützten Bodendenkmal. „Deshalb haben wir sie so überbaut, dass sie für die Öffentlichkeit sichtbar bleiben“, sagte Hochtief-Geschäftsführer Gordon Gorski.

Für das Herzstück des Archäologischen Rundgangs fehlt das Geld

Noch allerdings ist von dem archäologischen Fenster nicht viel mehr zu sehen als ein großes, zum Teil mit Sand gefülltes Loch im Betonfundament. Um die historischen Mauerreste während der Bauarbeiten zu schützen, wurden sie zugeschüttet. Erst in den kommenden Wochen soll der Sand wieder weggebuddelt werden. Wenn dann Anfang kommenden Jahres ein Appartement-Hotel mit 144 Zimmern der Marke Capri by Fraser eröffnet, wird das Archäologische Fenster Teil eines Rundgangs zu Ausgrabungsstätten und historischen Baudenkmälern in Berlins historischer Mitte werden, dem allerdings das Herzstück, das Archäologische Zentrum, noch fehlt. Für das Zentrum, in dem Besucher nicht nur Informationen über die Geschichte der Stadt bekommen, sondern den Wissenschaftlern auch bei der Arbeit über die Schulter schauen können, fehlt schlicht das Geld. Für den Bau werden die Kosten mit 15 bis 20 Millionen Euro beziffert.

„Diese Mittel sind noch nicht im Haushalt eingestellt“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Das Abgeordnetenhaus müsse entscheiden, ob es für den kommenden Doppelhaushalt 2018/2019 diese Gelder bewilligen wolle. Um die Zeit zu überbrücken, bis das Zentrum endlich realisiert werden kann, arbeite seine Behörde an einer Interimslösung, so Geisel weiter. Denkbar wäre etwa, das große Zelt, unter dem die Archäologen gleich neben der viel befahrenen Gertraudenstraße die Fundamente der 1730 abgebrannten Lateinschule sowie auch die Überreste des vermutlich ältesten Friedhofs der Stadt mit 1000 Gräbern freigelegt haben, öffentlich zugänglich zu machen. „Wir überlegen noch, wie das organisatorisch umgesetzt werden kann“, so der Senator.

Für das „House of One“ wurde erst eine Million Euro gespendet

Ebenso offen wie die Finanzierung des Archäologischen Zentrums ist auch noch die für das ebenfalls auf dem Petriplatz vorgesehene „House of One“. Für das geplante interreligiöse Gebäude, das eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter seinem Dach vereinigen soll, werden 43,5 Millionen Euro veranschlagt. Das Geld soll aus Spendenmitteln zusammenkommen. Bislang ist jedoch erst rund eine Million gespendet worden.