Statistik

Homosexuelle werden in Berlin häufiger angegriffen

Ein Beratungsprojekt zählt im vergangenen Jahr 259 Übergriffe. Die meisten Fälle ereigneten sich in Schöneberg.

Die Zahl der gemeldeten und angezeigten Übergriffe gegen Homosexuelle in Berlin ist wieder gestiegen. Das Beratungsprojekt Maneo zählte im vergangenen Jahr 259 Fälle, wie am Dienstag mitgeteilt wurde. Meist wurden schwule Männer angegriffen oder beleidigt (207 Fälle). Im vergangenen Jahr waren es 225 Taten, im Vorjahr 259.

Wie hoch die tatsächliche Zahl der Angriffe, Raubüberfälle und Beleidigungen von Schwulen, Transsexuellen und Lesben ist, weiß niemand - die Dunkelziffer liegt nach der Einschätzung von Fachleuten weit über den bekannten Zahlen.

Taten vor allem in Schöneberg und Kreuzberg

Laut Maneo ging es meist um Körperverletzung (29 Prozent), Beleidigungen (23 Prozent), Bedrohungen (22 Prozent) und Raubtaten (15 Prozent). Am häufigsten geschahen die Taten in Schöneberg (31 Prozent), Kreuzberg (10 Prozent) und Tiergarten (9 Prozent), also Stadtteilen, in denen die schwul-lesbische Szene stark vertreten ist.

Maneo berichtete auch von schwulen Flüchtlingen, die in den Heimen, wo meist viele muslimische Menschen leben, Diskriminierungen und Angriffe durch andere Flüchtlinge erlebten. Die Organisation veröffentlicht jedes Jahr kurz vor dem Tag gegen Homophobie am 17. Mai einen Bericht mit aktuellen Zahlen.

Polizei registriert 105 Fälle

Laut dem Sender RBB registrierte auch die Berliner Polizei einen Anstieg: von 80 Delikten im Jahr 2014 auf 105 Fälle im vergangenen Jahr. Die niedrigeren Zahlen deuten daraufhin, dass manche angegriffenen Menschen sich nicht bei der Polizei, aber bei der Beratungsstelle melden.