Berlin

Großbaustelle Klinikum

In das Neuköllner Vivantes-Krankenhaus sollen in den nächsten Jahren 585 Millionen Euro investiert werden

Das Vivantes-Klinikum Neukölln ist mit derzeit rund 1200 Betten Berlins größter Krankenhausstandort. Rund 2000 Ärzte, Pfleger und Therapeuten arbeiten in dem Krankenhaus-Komplex an der Rudower Straße. Groß ist allerdings auch der Sanierungs- und Erweiterungsbedarf. Den beziffern die Geschäftsführung des landeseigenen Krankenhauskonzerns und Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) auf insgesamt 585 Millionen Euro.

Das ist ein Programm für mindestens zehn, möglicherweise sogar 15 Jahre. In einem ersten Bauabschnitt soll zunächst ein Erweiterungstrakt an das 30 Jahre alte Hauptgebäude gesetzt werden. Er soll eine neue Rettungsstelle, Operationssäle, die Intensivmedizin aber auch Stationen mit rund 200 Betten aufnehmen. Dieser Erweiterungsbau wird voraussichtlich 150 Millionen Euro kosten. Vivantes hofft, mit den Arbeiten im Frühjahr 2018 beginnen zu können, die Bauzeit wird auf drei bis vier Jahre geschätzt.

Die Rettungsstelle ist das größte Sorgenkind im Klinikum Neukölln. Sie wurde einst für 25.000 Patienten konzipiert, inzwischen werden dort 77.000 Patienten pro Jahr behandelt. Die Rettungsstelle wurde zwar in den vergangenen Jahren erweitert, dennoch reicht der Platz bei weitem nicht aus. Zudem ist sie die erste Rettungsstelle für den künftigen Großflughafen BER. Im Neubau sind deshalb 2400 statt 1500 Quadratmeter vorgesehen. Zudem soll sie im Erdgeschoss untergebracht werden. Die jetzige Lage in der ersten Etage hat sich als ungünstig erwiesen. Im ersten Obergeschoss sind ein kleinerer OP-Bereich und Intensivstationen vorgesehen. Der zentrale OP-Bereich kommt in die zweite Etage, die bettenführenden Stationen in die Stockwerke darüber. Auf dem Dach ist dann der Hubschrauberlandeplatz geplant.

Alleinversorger für den Bezirk Neukölln

Bei der Notfallversorgung ist das Klinikum nahezu der Alleinversorger für Neukölln und deckt ein Einzugsgebiet ab, das weit in den Süden von Tempelhof-Schöneberg und nach Treptow-Köpenick reicht. Im Jahr 2014 wurde das Krankenhaus 23.000 mal von Feuerwehr und Rettungsdiensten angesteuert, damit liegt es in der Stadt einsam an der Spitze. Danach folgten das Vivantes-Klinikum am Friedrichshain und das Virchow-Klinikum der Charité mit jeweils ungefähr 19.000 Anfahrten. Insgesamt gab es in jenem Jahr rund 275.000 Krankenhausanfahrten in Berlin, aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Aber auch das Mutter-Kind-Zen­trum, Psychiatrie, Onkologie, Lungenchirurgie und Gefäßmedizin sind wichtige Versorgungsschwerpunkte – und vielfach die einzigen im Süden Berlins.

Deshalb müssen alle Bauarbeiten bei laufendem Betrieb stattfinden. „Berlin kann es sich nicht leisten, dass das Klinikum Neukölln auch nur einen Tag geschlossen bleibt“, sagte Gesundheitssenator Czaja auf einer Pressekonferenz am Montag. Und auch Vivantes will angesichts einer Auslastung von 90 Prozent keine Kapazitäten verlieren. Die im Erweiterungstrakt geplanten Stationen dienen dann als Ausweichquartier für die Bereiche, die saniert werden und sorgen für Baufreiheit. Zunächst wird, Zug um Zug, das Hauptgebäude generalüberholt, das nach 30 Jahren Betriebszeit doch erhebliche Schäden aufweist. So musste bereits das Dach im Bereich der Rettungsstelle saniert werden. Die Kosten dafür, 3,1 Millionen Euro, stemmte Vivantes aus eigenen Mitteln.

Auf unserem Luftbild ist deutlich zu erkennen, dass das Hauptgebäude aus fünf Blöcken besteht. Saniert werden müsse jeweils ein kompletter Block, erläuterte Christian Dreißigacker, geschäftsführender Direktor des Klinikums Neukölln. Wegen der Konstruktion und der Technik sei es nicht möglich, in kleineren Einheiten, etwa etagenweise, zu arbeiten. Wenn das Haupthaus saniert ist, kommen die Altbaupavillons dran, die zuletzt in den 90er-Jahren instandgesetzt wurden. Dreißigacker betonte auch, dass die Sanierung des Hauptgebäudes letztlich preiswerter sei als ein Neubau – für den aber auf dem Gelände ohnehin kein Platz vorhanden wäre.

Krankenhauskonzern verkauft Grundstücke

Die für den Erweiterungstrakt notwendigen 150 Millionen Euro wollen Vivantes und das Land Berlin gemeinsam zusammenbekommen. Vivantes kann die 17 Millionen Euro einbringen, die aus einer Rückzahlung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) stammen. Außerdem will der Krankenhauskonzern Grundstücke verkaufen, die er nicht mehr benötigt und die dann etwa von landeseigenen Gesellschaften für den Bau neuer Wohnungen genutzt werden können – zum Beispiel in Prenzlauer Berg. Wieviel der Verkauf der Grundstücke einbringt, ist noch nicht geklärt.

Den Rest, vermutlich rund 70 bis 80 Millionen Euro, wolle dann das Land Berlin als Einzelförderung übernehmen, sagte Czaja am Montag. Es sei klar, dass eine so umfangreiche Maßnahme nicht über die Investitionspauschale finanziert werden könne, die jede Klinik erhält. Für den Zuschlag sei keine Obergrenze festgelegt, sagte der Gesundheitssenator. In der Senatsfinanzverwaltung verwies man indes darauf, dass in diesem Zusammenhang noch offene Fragen zu klären seien. Insofern sei der Zuschlag noch nicht verbindlich beschlossen. Grundsätzlich will Czaja aber die insgesamt benötigten 585 Millionen Euro für den nächsten Berliner Doppelhaushalt anmelden.