Jubiläum

Riesensonnenblumen zu Ehren des Gründers

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Katrin Lange
Die Wasserspiele im Körnerpark im Neukölln sind beliebt bei den Besuchern, vor allem aber im Sommer bei den Kindern

Die Wasserspiele im Körnerpark im Neukölln sind beliebt bei den Besuchern, vor allem aber im Sommer bei den Kindern

Foto: Steffen Pletl

Der Körnerpark wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Der Geburtstag wird 100 Tage lang gefeiert. Das Programm haben Anwohner mitgestaltet

Mehr Kontrast geht nicht: Nur fünf Minuten Fußweg von der Karl-Marx-Straße entfernt, die erfüllt ist vom Stimmengewirr der Händler und Caféhausbesitzer, von Autohupen und S-Bahn-Kreischen, gibt es eine andere Welt. Dort schießen weiße Fontänen vor saftig grünen Bäumen in die Höhe, dort werden Geräusche wie das Läuten der Kirchenglocken, Vogelgezwitscher und das Knirschen von Kies unter den Füßen der Jogger als laut empfunden. Der Körnerpark an der Schierker Straße ist ein besonderer Ruhepol in der Großstadt. Umrahmt wird er von nüchternen Mietshäusern. Aber mit seinen Kanälen, Wasserkaskaden, monumentalen Treppenanlagen und dem Orangerie-Gebäude heißt er zurecht auch „Sanssouci von Neukölln“. Im Jahre 1916 wurde er eröffnet. Das soll natürlich gefeiert werden – und zwar 100 Tage lang.

Vom 4. Juni bis 10. September ist ein umfangreiches Festprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Tanzveranstaltungen und Gesprächsrunden geplant. Zwei Jahre lang haben Anwohner und Schüler mit Akteuren aus der Kultur bei regelmäßigen Treffen Ideen gesammelt. Herausgekommen ist dabei auch ein informativer Programmkalender mit Terminen und Geschichten rund um den Park, der für fünf Euro in der Galerie im Körnerpark oder im Rathaus Neukölln zu erhalten ist.

Ein Kalender zum Fest

In dem Kalender ist zum Beispiel nachzulesen, dass der Körnerpark einst eine Kiesgrube war, die dem Kaufmann Franz Körner gehörte. Nachdem die Kiesgrube ausgebeutet war, ließ er von 1912 bis 1916 den Schmuckpark sechs Meter unter dem Niveau der umgebenden Straßen anlegen. Unter der Bedingung, dass der Park seinen Namen tragen werde, überließ er ihn der Stadt. Körner war ein begeisterter Archäologe. Bekannt wurde er mit diesem Hobby als er bei Parkarbeiten 1912 ein germanisches Reitergrab aus der Zeit der Völkerwanderung im 5. und 6. Jahrhundert auf dem Gelände fand. In der Wissenschaft wurde der Fund als Beweis gefeiert, dass die Mark Brandenburg vor mehr als 1000 Jahren keineswegs ausschließlich slawisch besiedelt war.

Bezirk stellt 90.000 Euro für das Fest bereit

Doch auch die Gärtnerei hatte es dem Kaufmann angetan. Er züchtete eine Riesensonnenblume, die eine Höhe von drei Metern erreichen kann. Zum Jubiläum soll diese Sonnenblume wieder erblühen. Am 8. Juni können Anwohner, Kinder und Jugendliche 100 Exemplare pflanzen und anschließend die Patenschaft übernehmen. Im Herbst ist dann zu sehen, wer seine Patenschaft besonders ernst genommen hat.

Für Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ist der Körnerpark „einer der schönsten Fleckchen im Bezirk“. „Wir erleben immer wieder, dass Menschen erstmals den Park besuchen und ganz überrascht sind, weil sie nicht wussten, dass es so etwas auch in Neukölln gibt“, sagt Giffey bei der Vorstellung des Festprogramms am Montag. 90.000 Euro an Sondermitteln hat der Bezirk für die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Parks zur Verfügung gestellt. Die sollen nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft ermöglichen.

Atmosphäre wie vor 100 Jahren

Zum Eröffnungsfest am 4. Juni wird die Atmosphäre von damals heraufbeschworen. Die Besucher sind aufgerufen, in historischen Kostümen zu kommen. Eine Band spielt Polka, Walzer, Galopp und Foxtrott. Anders zum Abschluss am 10. September: Das Fest gehört der Zukunft. Kinder und Jugendliche werden ihre Visionen und Sehnsüchte präsentieren. Wie wird der Park in 100 Jahren aussehen? Dazu gab es Workshops an Grundschulen.

Der Körnerpark ist eines von drei Gartendenkmalen in Neukölln, neben dem Park am Schloss Britz und dem Schulenburg-Park. Jeden Tag werde er gepflegt, sagt Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Franz Körner wäre zufrieden, würde er heute den Park besuchen.

Das vollständige Programm unter www.kultur-neukoelln.de/100-jahre-koernerpark-programm.php