Berliner Feuerwehr

Verbesserter Katastrophenschutz mit neuer App

Die Berliner Feuerwehr testet eine neue Smartphone-App. Damit sollen Helfer bei Krisen besser eingesetzt werden.

Die Feuerwehr will via App künftig Helfer besser koordinieren

Die Feuerwehr will via App künftig Helfer besser koordinieren

Foto: imago/Eibner

Mit einer neu entwickelten Smartphone-Applikation (App) sollen freiwillige Helfer bei Krisen und in Katastrophenfällen besser koordiniert werden können. Nach knapp drei Jahren Forschung beginnt damit im kommenden Sommer ein Großfeldversuch. Einer der Hauptakteure dabei ist die Berliner Feuerwehr.

„Mit dieser kostenlosen App, die ab dem Sommer heruntergeladen werden kann, wollen wir ungebundene Helfer besser erreichen können“, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling. „Wir erhoffen uns mit dem Einsatz dieser App beispielsweise in der Flüchtlingsthematik eine große Hilfe und Unterstützung von freiwilligen Helfern.“

Gräfling berichtet über die Suche nach Freiwilligen für den Aufbau von Zelten und Betten. In der jüngsten Vergangenheit nutzte die Feuerwehr dafür die Presse und die Sozialen Medien wie Twitter und Facebook. „Irgendwann hatten wir keinen Überblick mehr, wie viele Helfer kommen würden, und wo wir sie dann auch einsetzen konnten.“ Mit dem Herunterladen der App auf das Smartphone habe man einen ersten Überblick, wie viele Menschen sich grundsätzlich bereit erklärt haben, ehrenamtlich und spontan zu helfen. „Wenn wir dann einen Aufruf starten, haben die Helfer die Chance, beziehungsweise die Möglichkeit, ja oder nein zu sagen. Dann wissen unsere Einsatzkräfte, wie viel Unterstützung sie erwarten können.“

Die App soll aber auch dazu dienen, dass eine ausreichende Zahl an freiwilligen Helfern sichergestellt und die Bevölkerung stärker in den Katastrophenschutz einbezogen werden kann.

Bundesweiter Einsatz nacherfolgreicher Erprobung

Das Verbundprojekt Ensure wird seit August 2013 hauptsächlich in Berlin entwickelt, soll nach erfolgreicher Erprobung aber auch bundesweit zum Einsatz kommen. Maßgeblich an der Erforschung beteiligt ist das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS). Als Entwickler des Bevölkerungswarnsystems Katwarn stellt das Institut den Zugriff auf den Vorläufer künftiger Warninfrastrukturen für die Bevölkerung in Deutschland sicher. Bei Ensure mit eingebunden sind auch die Freie Universität, die Technische Universität, das Deutsche Rote Kreuz und die Berliner Feuerwehr als Experten für Brand- und Katastrophenschutz.

Ensure ist die Abkürzung von Enablement of Urban Citizen Support for Crisis Response – Verbesserte Krisenbewältigung im urbanen Raum durch situationsbezogene Helferkonzepte und Warnsysteme. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit insgesamt 2,3 Millionen Euro.

„Wir kennen die Situation, dass viele Menschen in Katastrophenfällen helfen wollen, bei Hochwasser oder Erdbeben beispielsweise. Diese freiwillige Bereitschaft wird aber nur dann zur tatsächlichen Hilfe, wenn eine Koordinierung der einzelnen Fähigkeiten gelingt“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) der Berliner Morgenpost. Die freiwilligen Helfer müssten dafür wissen, wo und wie sie anpacken können und die Rettungskräfte wiederum, was die Helfer können. Eine gelernte Krankenschwester könne sich anders einbringen als ein Forstarbeiter, so die Bundesministerin. „Unser Forschungsprojekt macht diese zielgerichtete Hilfestellung möglich und ich hoffe, dass viele Menschen die neue App nutzen werden. Das würde letztlich auch die Rettungskräfte entlasten.“

„Ensure ist ein Forschungsthema mit viel Potenzial und es ist ganz dicht dran an den jungen Menschen“, sagte Sabina Kaczmarek, Leiterin Forschungsprojekte bei der Berliner Feuerwehr. Es gehe darum, Helfer bei Großereignissen sinnvoll in die Hilfsmaßnahmen einzugliedern. „Beteiligen kann sich jeder, der freiwillig helfen möchte“, sagte die Forschungsleiterin. „Gesucht werden aber auch qualifizierte Helfer, wie beispielsweise Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen, Schulhausmeister oder Veterinäre.“ Hausmeister könnten bei Großeinsätzen mit ihrer Ortskunde sehr hilfreich bei Einsätzen sein. „Veterinärmediziner gehören nicht zum Portfolio der Feuerwehr. Mit der App könnten sie gezielt angefordert werden.“ Bei Schadensgroßereignissen werden App-Nutzer mit verschiedenen Aufgaben alarmiert. Anhand der Rückmeldungen schätzt die Feuerwehr ein, mit welcher Unterstützung durch die Bevölkerung gerechnet werden kann.

Nach Angaben Sabina Kaczmareks wird es im Mai und Juni einen mehrwöchigen Test mit einer geschlossenen Nutzergruppe geben. „Etwa 50 Personen werden sich die App auf ihr Smartphone herunterladen. „Anschließend werden wir mehrere Alarmrufe absetzen, auf die die Nutzer reagieren sollen. Das werden wir dann auswerten.“ Es werden ein bis zwei Probealarme versendet werden, bei denen die Nutzer der App aufgefordert werden, zu einem Ereignis zu einem bestimmten Ort zu kommen. Auch das werde dann hinsichtlich der Zu- und Absagen beziehungsweise dem Erscheinen analysiert. „Für diesen Test können sich Interessierte unter ensure@berliner-feuerwehr.de anmelden“, sagte die Forschungsleiterin. „Ein paar Plätze sind noch frei.“ Anschließend soll die App für IOS und Android kostenlos erhältlich sein. „Anfang Juli werden wir dann einen Großfeldversuch machen.“