Pixelhelper

Erdogan mit Hitlerbart: Kunstaktion an türkischer Botschaft

Aktionskünstler protestieren mit einer Lichtprojektion gegen Verurteilung regierungskritischer Journalisten in Istanbul.

Foto: Facebook/Pixelhelper

Präsident Erdogan mit roter-weißer Armbinde und Hitlerbart – und das an der Fassade der türkischen Botschaft in Berlin. In der Nacht zum Sonntag projizierten Aktivisten der Künstlergruppe Pixelhelper die Photoshop-Karikatur des türkischen Präsidenten an die Vertretung am Tiergarten. Titel der Aktion: „Er ist wieder da. O geri döndü“.

Laut den Aktionskünstlern reagiere man mit der Lichtprojektion auf die Gefängnisstrafen für die regierungskritischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül. Die wurden am Freitag in Istanbul zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Beobachter werten das als weiteres Zeichen für die Unterdrückung der Pressefreiheit in der Türkei.

„Eine Lichtprojektion mit der Gegenüberstellung von Adolf Hitler und Erdogan steht symbolisch für die schlimmen Verbrechen gegen die Menschlichkeit die Erdogans Politik ausmachen“, schreiben die Aktionskünstler auf ihrem Facebook-Profil. Neben einem weiteren Porträt Erdogans, Seite an Seite mit einem Hitler-Porträt, strahlten die Künstler auch das Schmähkritik-Gedicht des Satirikers Jan Böhmermann auf die Botschaft. Die reagierte bislang nicht auf die Aktion.

Auf Facebook erntet Pixelhelper bislang vor allem Kritik. „Das aus dem Zusammenhang gerissene Gedicht an die türkische Botschaft zu projizieren ist keineswegs politischer Protest, es ist einfach nur beleidigend und unverschämt“, schreibt Jonas B. Andere User sehen in der Aktion eine Verharmlosung des Holocaust. Das passt in das Kunstverständnis der Pixelhelper: „Kunst muss einen Schmerz auslösen, provozieren und rebellieren“, heißt es in einem Video der Guerilla-Künstler. Mit symbolischer Selbstjustiz wolle man Möglichkeiten für eine nachhaltige Veränderung innerhalb der Gesellschaft anregen. Mit der Hitler-Projektion auf die türkische Botschaft wolle man, so heißt es in einer Erklärung auf Facebook, gegen eine neue Diktatur im Nahen Osten protestieren.

Für Aufsehen sorgte Pixelhelper schon des Öfteren: Im vergangenen Sommer hatte Oliver Bienkowski, Gründer der Pixelhelper, den Schriftzug „Außer Betrieb“ an die Wand des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Berlin geworfen – als Protest gegen die „menschenunwürdige Unterbringung“ von Flüchtlingen in deutschen Notunterkünften. Kurz nachdem die Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 publik geworden war, strahlte Bienkowski die US-Botschaftsgebäude in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt mit dem Slogan „United Stasi of America“ an.