Oldtimer

Was Autos mit Schuhen gemeinsam haben

Der Meisterbetrieb um die Ecke vom Kudamm ist anders als anderen Kfz-Werkstätten – natürlich wird auch dort repariert und geschraubt. Aber eben nicht nur.

Paradies für Autofans: Daniel Lehmann von „Car Berlin“ mit seinem Team in seiner Tiefgarage in der Charlottenburger  Dahlmannstraße

Paradies für Autofans: Daniel Lehmann von „Car Berlin“ mit seinem Team in seiner Tiefgarage in der Charlottenburger Dahlmannstraße

Foto: Reto Klar

Das mit ihm und den Autos, das sei ein wenig so wie bei den Frauen und ihren Schuhen. Zum einen: Man kann gar nicht genug davon haben. Zum anderen: Man hat nicht nur den einen Liebling – sondern immer mal wieder einen neuen. „Ich kann mich einfach nicht auf ein Auto konzentrieren“, sagt Daniel Lehmann.

Der 44-jährige gebürtige Israeli ist der Inhaber von „Car Berlin“ an der Charlottenburger Dahlmann­straße. Der Meisterbetrieb um die Ecke vom Kudamm ist anders als andere Kfz-Werkstätten – natürlich wird auch dort repariert und geschraubt. Aber die nicht enden wollende Tiefgarage, die zu dem Betrieb dazu gehört, ist ein Paradies für Young- und Oldtimerfans.

Im Ganzen und auseinandergeschraubt

Sie stehen dort im Ganzen, auseinandergeschraubt, verstaubt oder schon wieder auf Hochglanz poliert. Der Mercedes 107 SLC. Der Chevrolet Malibu und Pick-up 54. Oder der Alfa Giulia. Um nur ein paar der Schätze zu nennen. Viele von ihnen gehören Daniel Lehmann („so um die 30 oder 35“). Die anderen gehören Berliner Bankern, reichen Söhnen und beschenkten Ehefrauen, Studenten oder Promis. Doch ganz gleich, welches Auto Daniel Lehmann mit seinen sieben Angestellten auf der Hebebühne hat oder wem es gehört: „Für mich sind alle Menschen gleich. Und jedes Auto hat vier Räder und einen Motor.“

Ein Kult-Auto steht im Hinterhof

Zwischendurch, immer wieder, diese Melodie: „The Unknown Stuntman“, der Titelsong der Kultserie „Ein Colt für alle Fälle“ aus den 80er-Jahren mit Lee Majors als Colt Seavers in der Hauptrolle. Es ist der Klingelton von Daniel Lehmanns Handy. Und irgendwie ist fast schon klar, dass er nach dem fünften Telefonat aufsteht, in den Hinterhof zeigt und sagt: „Das Auto aus der Serie steht übrigens da hinten!“ Natürlich.

Seit 22 Jahren ist Daniel Lehmann „schon da“. Und meint damit Berlin. Geboren in Haifa, geht er nach der Schule zum israelischen Militär. In der zehnten bis zwölften Klasse hatte er sich – wie in Israel üblich – bereits auf ein Berufsfeld spezialisiert: Kfz-Mechaniker. Sein Vater war zu der Zeit schon in Berlin und betrieb den „Käfer-Shop M. Lehmann“ – auch um die Ecke vom Kudamm. „Bei uns in der Familie hatten irgendwie schon immer alle etwas mit Autos zu tun“, sagt Daniel Lehmann. „Mein Opa war der erste Tüv-Prüfer in Israel.“

Das Büro ist gleichzeitig auch Ausstellungsraum

Nun, der Käfershop seines Vaters ging „den Bach runter“, und Daniel Lehmann baute die Werkstatt mit zwei Freunden unter dem gleichen und doch neuen Namen „Käfer-Shop Lehmann“ wieder auf. Das ging eine Zeit lang gut. Aber eben nur eine Zeit lang. Dann gab es einen Bruch in Daniel Lehmanns Leben, einen traurigen, der ihn bis heute sehr bewegt. Darüber reden mag er nur kurz, hier darüber etwas lesen mag er nicht.

Er schaffte den Neustart. Der sehr bescheiden war: „Ich hatte eine kleine Garage für ein Auto, links und rechts passte ein bisschen Werkzeug hin.“ Doch dann: Der Laden lief! Mehrere Umzüge, immer mehr Platz wurde nötig, seit acht Jahren nun ist Daniel Lehmann in der Dahlmannstraße. Mehr Platz könnte er natürlich auch jetzt schon wieder vertragen. In seinem Büro, das gleichzeitig auch Ausstellungsraum ist – oder andersherum –, stehen ferngelenkte Autos, ein Kettcar und eine kleine Werkbank. Das gehört alles seinem Sohn, der gerade zehn geworden ist. Für Daniel Lehmann gab es, was den Beruf angeht, „keine Alternative“. Sein Sohn „kann natürlich machen, was er möchte, aber ...“

Das erste Auto mit 17 restauriert

Aber irgendwie scheint auch er das Familien-Autogen geerbt zu haben. Gerade hat der Sohnemann von seinem Vater einen Chevrolet Malibu Coupé Baujahr 1965 geschenkt bekommen. Kein Matchbox-Auto. „Mein erstes Auto war ein Jeep Station Wagon, den habe ich, als ich 14 oder 15 Jahre alt war, komplett aufgebaut. Allein meine Großmutter gab mir Geld dazu. Als ich 17 war, hatte ich ihn komplett restauriert“, erzählt Daniel Lehmann und zeigt auf ein Foto an der Wand. Auf dem Bild steht ein stolzer junger Mann an ein Auto gelehnt. „Das ist er.“

Zwischendurch kommt immer wieder einer seiner Mitarbeiter, schnell wird geklärt, was bei welchem Wagen wann und wie zu erledigen ist. Hier arbeitet ein echtes Team miteinander, das merkt man sofort. „Geht nicht, gibt’s nicht, das ist unser Motto“, sagt Daniel Lehmann, und aus seinem Mund klingt dieser Satz nicht wie ein Werbeslogan, sondern wie ein echtes Versprechen. Wer ungewöhnliche Wünsche für sein Auto hat, auch der soll sich sicher sein, dass Daniel Lehmann eine Lösung hat. Das ist seine Philosophie.

Seine Spezialität ist es, Autos auf Elektro umzubauen

Klassische Limousine mit moderner Technik? Kein Problem! „Wir machen alle Umbauten, egal an welchem Auto. Ich sage immer: Wir runden die Ecken! Immer mit Eintragung, immer legal, sicher und verkehrstauglich“, sagt Daniel Lehmann. Irgendwas halblegal Getuntes – nicht bei ihm. Weil sich das natürlich längst herumgesprochen hat, erleben Daniel Lehmann und sein Team immer wieder schöne und ungewöhnliche Geschichten und hören von den verrücktesten Autowünschen. „Wir importieren von überall her“, sagt er dazu.

Für einen Kunden hat er mal einen Mustang behindertengerecht umgebaut. „Das mit den Pedalen ging nicht mehr – aber den Spaß am Autofahren wollte sich der Mann auch nicht nehmen lassen, also haben wir ihm geholfen“, sagt Daniel Lehmann und lacht. Eine seiner Spezialitäten ist es, Autos auf Elektro umzubauen – egal welches. Wie gesagt: Bei ihm sind alle Autos gleich – alle haben einen Motor und vier Räder. Nur zwei Typen Autos, die fasst Daniel Lehmann nicht an: „Die erste Käferserie, das sind für mich Naziautos. Und Leichenwagen, die baue ich auch nicht um.“ Aber Frauen kaufen schließlich auch nicht jeden Schuh.

Infos im Netz: www.carberlin.com