Höxter

Frau aus Berlin wurde drei Monate im Horror-Haus gequält

Erste Aussagen des Berliner Opfers liegen vor. Demnach wurde die Frau von dem Paar aus Höxter über einen längeren Zeitraum misshandelt.

Das Haus der Beschuldigten

Das Haus der Beschuldigten

Foto: Alexander Koerner / Getty Images

Zu dem Berliner Opfer im Fall Höxter gibt es nun erste Details: Die 51-Jährige aus dem Großraum Berlin ist nach eigenen Angaben mehr als drei Monate lang in dem Haus in Nordrhein-Westfalen misshandelt worden. Das hat sie laut Polizei inzwischen ausgesagt, wie es am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß.

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Die Frau war demnach von Ende 2011 bis März 2012 in dem Haus im Ortsteil Bosseborn festgehalten worden. Sie habe keine Möglichkeit zur Flucht gehabt. Nach einer „erheblichen körperlichen Auseinandersetzung“ sei sie von den Beschuldigten zu einem Bahnhof gebracht und in einen Zug nach Hause gesetzt worden.

Aus Angst vor angedrohter Gewalt habe sie die Polizei nicht eingeschaltet, bis nun die Misshandlungsfälle von Höxter ans Tageslicht gekommen waren.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass das verdächtige Paar aus Höxter nicht nur eine weitere Frau umgebracht, sondern auch weitere Frauen misshandelt hat - darunter die Frau aus Berlin. Sie habe sich bei den Ermittlern gemeldet, weil sie das als "Horror-Haus" bezeichnete Gehöft in den Medien wiedererkannt hatte.

Kennengelernt hatte sie den Beschuldigten, weil sie ihm auf eine Kontaktanzeige geantwortet hatte. Nach einigen Telefonaten reiste sie bereits im August 2011 erstmals ins Weserbergland. Bei diesem dreiwöchigen Besuch sei es jedoch zu keinen Übergriffen gekommen. Sie hielt Telefonkontakt und entschloss sich schließlich zu dem zweiten Aufenthalt.

Schon 1995 eine Frau gequält

Die grausigen Geschehnisse von Höxter gelangten Ende April ans Licht der Öffentlichkeit. Ein 46 Jahre alter Mann aus Höxter in Nordrhein-Westfalen und seine 47-jährige Ex-Frau sollen unter anderem eine 41-Jährige körperlich misshandelt haben, bis diese ihren Verletzungen erlag. Außerdem sollen sie eine zweite Frau umgebracht, ihre Leiche zerstückelt und im Kamin des Gehöfts verbrannt haben.

Zudem gibt es Hinweise auf mehrere weitere misshandelte Frauen, die die Bekanntschaft mit dem Paar verletzt überlebt haben. Die "Neue Westfälische" berichtet, der Tatverdächtige habe bereits 1995 in Paderborn eine Frau gequält und sei dafür wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe vobn zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Der damals 25-Jährige habe seine Frau, die er über eine Annonce in der Zeitung kennengelernt haben soll, erst allein und später zusammen mit seiner damaligen Geliebten bestialisch gequält. So soll er ihr mit einem heißen Bügeleisen Arme und Beine verbrannt haben. Die Frau sei zudem aus nichtigstem Anlass brutal geschlagen und an die Heizung gefesselt worden.

Verdächtige sitzen in U-Haft

Sämtliche Erkenntnisse stützen sich im Wesentlichen auf Aussagen der beschuldigten 47-Jährigen. Sie habe ein Geständnis abgelegt und umfassende Angaben zum Tatgeschehen gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. Dem beschuldigten Paar ging es bei der Misshandlung nach Überzeugung der Ermittler nicht um sexuelle Motive, sondern darum, "Macht auszuüben", so Meyer.

Das verdächtige Paar sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen in dem kleinen Ort mit wenig mehr als 500 Einwohnern laufen laut Polizei auf Hochtouren. Am Mittwochvormittag sei das Wohnhaus mit Kräften einer Einsatzhundertschaft ausgeräumt worden, um weitere Spuren zu sichern. Auch Hinweisen aus der Bevölkerung geht die Polizei nach. Allerdings gebe es bislang keine neuen Hinweise auf weitere Opfer.

Suche nach weiteren Opfern im sogenannten Horror-Haus von Höxter