Familien in Berlin

Neuer Service für Eltern: Kita-Erzieherin kommt nach Hause

| Lesedauer: 2 Minuten
Joachim Fahrun
Erzieherin mit Kindern

Erzieherin mit Kindern

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Damit Eltern und vor allem Alleinerziehende flexibler arbeiten können, soll der Dienst der Kindertagesstätten ausgeweitet werden.

Berlin.  Für berufstätige Eltern soll es ab dem Sommer in Berlin eine neue Dienstleistung geben. Wer nachts, spätabends oder am frühen Morgen außerhalb der regulären Kita-Öffnungszeiten arbeiten muss und niemanden hat, der auf die Kinder aufpasst, kann künftig mit seinem Kita-Gutschein auch Betreuungskräfte nach Hause bestellen.

Die Senatsjugendverwaltung hat die Leistung einer Servicestelle ausgeschrieben, die das Angebot koordinieren und Kontakte zwischen Firmen, Eltern und Betreuern vermitteln soll. Gedacht ist die Hilfe vor allem für Alleinerziehende. Aber auch berufstätige Paare können grundsätzlich den Dienst in Anspruch nehmen, der ebenso gratis ist wie die Berliner Kita. Bisher sind solche raren Services entweder teuer, nachts nicht verfügbar oder die Kinder müssen zur Tagesmutter.

„Wir benötigen flexible Angebote außerhalb der Zeit bis 18 Uhr“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag, als sie nach der Senatssitzung ein Konzept zur besseren Unterstützung Alleinerziehender vorstellte. Um das neue Angebot aufzubauen, hat der Senat die bereits im Haushalt eingestellten 381.000 Euro noch einmal um 300.000 Euro pro Jahr aufgestockt. Es soll die Versuche mit 24-Stunden-Kitas ersetzen, die in Berlin nach Einschätzung der Jugendverwaltung nicht erfolgreich sind.

Das Modellprojekt solle kein „Nanny-Dienst“ werden, der einspringt, wenn Mutter mal ins Kino gehen will, hieß es aus der Senatsjugendverwaltung. Eltern müssten nachweisen, dass sie tatsächlich arbeiten müssen, und diesen Bedarf auch mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf anmelden.

Die Ausbildung von künftigen Mitarbeiterinnen habe begonnen, wobei vor allem für nachts nicht unbedingt ausgebildete Erzieherinnen gebraucht würden. Senatorin Scheeres sagte, sie werde mit der Wirtschaft über eine finanzielle Unterstützung sprechen. Viele Firmen würden gerne alleinerziehende Mütter und Väter als Fachkräfte beschäftigen, das scheitere aber häufig an den Bedürfnissen der Kinderbetreuung. Arbeitslosigkeit und Armut sind unter den 100.000 Alleinerziehenden in Berlin besonders verbreitet. Um ihnen zu helfen, bringt Berlin eine Initiative in den Bundesrat ein. Alle Alleinerziehenden, die weniger als 1500 Euro im Monat haben, sollen eine Direktzahlung von 50 Euro bekommen. Damit möchte Scheeres eine „Gerechtigkeitslücke“ schließen. Die kürzlich beschlossenen Steuererleichterungen für diese Gruppe kämen Geringverdienern und Hartz-IV-Beziehern nicht zugute. Die Pläne würden den Bund 890 Millionen Euro kosten. Seite 2