Zu wenige Schüler

Berlins Sport-Eliteschulen leiden unter Bewerbermangel

An den drei Berliner Schulen stehen maximal 280 Plätze zur Verfügung, eingeschult werden im Sommer aber nur 225 Kinder.

An der Poelchau-Schule im Charlottenburger Olympiapark gab es nur 37 Anmeldungen auf die 60 freien Plätze in der siebten Klasse

An der Poelchau-Schule im Charlottenburger Olympiapark gab es nur 37 Anmeldungen auf die 60 freien Plätze in der siebten Klasse

Foto: Christian Kielmann

Die Eliteschulen des Sports können in diesem Jahr nicht alle Plätze besetzen. An den drei Berliner Schulen stehen maximal 280 Plätze zur Verfügung, eingeschult werden nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung im Sommer aber nur 225 Kinder. In diesem Schuljahr sind es 273 Kinder. An der Poelchau-Schule im Charlottenburger Olympiapark gab es nur 37 Anmeldungen auf die 60 freien Plätze in der siebten Klasse, von den 13 Plätzen in der fünften Klasse bleiben lediglich zwei unbesetzt. An der Flatow-Oberschule in Treptow-Köpenick können von 54 Plätzen nur 39 besetzt werden, am Schul- und Leistungssportzentrum in Hohenschönhausen bleiben rund zehn Plätze frei.

Welches Kind auf eine dieser Eliteschulen gehen darf, entscheidet der Landessportbund (LSB). Dort sieht man, wie auch in der Bildungsverwaltung, den Rückgang der Anmeldungen nicht als Trend, sondern zunächst als einmaliges Phänomen. Dennoch will der LSB die Situation mit den betroffenen Sportverbänden eingehend analysieren. Dazu werde es in wenigen Tagen ein Gespräch mit allen Landestrainern und den drei Schulleitern geben, sagte Frank Schlizio, Abteilungsleiter Leistungssport, der Berliner Morgenpost.

Für den Rückgang sei eine Vielzahl von Gründen verantwortlich, erklärte Schlizio. Das Bild differiere zudem von Sportart zu Sportart. In einigen Disziplinen gebe es zu wenige Talente. Teilweise seien aber auch die Eltern nicht überzeugt, dass eine Sport-Eliteschule das Richtige für ihr Kind ist.

Spitzensport erfährt wenig gesellschaftliche Anerkennung

Andere Experten führen zudem ins Feld, dass der Spitzensport inzwischen wenig gesellschaftliche Anerkennung erfährt, in vielen Disziplinen den Athleten keine wirtschaftliche Zukunftsperspektive biete und zudem durch Themen wie Doping und Korruption in internationalen Verbänden ins Gerede gekommen sei. Etliche Eltern würde auch abschrecken, dass Schüler, die die Leistungskriterien irgendwann nicht mehr erfüllen, die Eliteschule wieder verlassen und auf eine andere Oberschule wechseln müssen.

Der Schulleiter der Poelchau-Schule, Matthias Rösner, sagte der Berliner Morgenpost, dass es an seiner Schule insbesondere für die Sportarten Rudern, Leichtathletik und Wasserball zu wenige Bewerber gebe. Für Fußball dagegen hätten sich 120 Schüler beworben, 15 seien genommen worden. „Einige Plätze lassen wir für talentierte Quereinsteiger frei“, so Rösner.

Die Berliner FDP hat nun angesichts der freien Plätze an der Poelchau-Oberschule vorgeschlagen, dort eine Willkommensklasse für Flüchtlingskinder einzurichten. Auch die Eliteschulen des Sports müssten ihren Beitrag zur Inte­gration der Flüchtlinge leisten, sagte Mieke Senftleben, langjährige Bildungsexpertin der Berliner Liberalen.

Schulleiter Rösner schloss eine Willkommensklasse ebenso wenig aus wie die Bildungsverwaltung. „Wir haben uns schließlich auch damit arrangiert, dass die Rudolf-Harbig-Halle an der Glockenturmstraße seit Monaten nicht mehr für das Leichtathletiktraining zur Verfügung steht, weil dort Flüchtlinge untergebracht sind“, sagte Rösner. Für die Kinder, die in dieser Notunterkunft leben, habe seine Schule auch regelmäßige Sportangebote bereitgestellt. „Wenn die gesellschaftliche Notwendigkeit besteht, eine Willkommensklasse aufzumachen, werden wir das tun“, sagte Rösner. Auch an der Flatow-Schule gibt es eine solche Klasse.

Flüchtlingskinder nicht quer durch die Stadt schicken

Die Bildungsverwaltung sagte allerdings, es könne sich nur um eine „normale“ Willkommensklasse handeln, es sei nicht möglich, dort Schüler zusammenzuführen, die sportaffin sind und möglicherweise Leistungssportler werden könnten. Das hatte die FDP angeregt. LSB-Leistungssport-Abteilungsleiter Frank Schlizio findet diesen Vorstoß der FDP zwar grundsätzlich sympathisch, sieht aber ein praktisches Problem. Es wäre Flüchtlingsfamilien nicht zuzumuten, ihre Kinder zehn oder 15 Kilometer quer durch die Stadt zu schicken. Geeignete Kinder aus der Umgebung könnten aber gern aufgenommen werden.