Nahverkehr

Schöner reisen mit Rad und Bahn

Das Rad im Regionalzug mit zum Ausflug ins Umland oder an die Ostsee nehmen? Das soll einfacher werden. Der VBB plant zahlreiche Verbesserungen.

Foto: Massimo Rodari

Mit Bahn und Rad an die Ostsee oder in die Uckermark – immer mehr Berliner und Brandenburger nutzen diese umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel für ihre Freizeit-Ausflüge. Doch gerade an schönen Sommerwochenenden ist dies nicht immer eine gute Kombination. Viele haben dann die gleiche Idee, und es wird eng in den Zügen. Im Extremfall bleiben Radwanderer frus­triert auf dem Bahnsteig zurück.

Künftig soll die Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen einfacher werden. Dazu werden die dafür vorgesehenen Zugabteile mit großen Rad-Symbolen besser gekennzeichnet. Im Wageninneren wird zudem mehr Platz für Räder geschaffen. Außerdem können sich Radfahrer bereits vor Reiseantritt per App, im Internet oder anhand von Aushängen auf dem Bahnsteig über die Einstiegsmöglichkeiten oder auch über Ausleihmöglichkeiten informieren.

Pilotversuch auf vier Regionalexpress-Linien

All diese Maßnahmen sind Teil des Pilotprojekts „Rad im Regio – Fahrradmitnahme leicht gemacht“, das der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am Dienstag in Berlin und Eberswalde gestartet hat. Für den Testlauf haben die VBB-Experten vier Regionalexpresslinien ausgesucht, die besonders vom Ausflugsverkehr betroffen sind. Dazu gehören die Odeg-Linien RE2 (Wismar–Berlin–Cottbus) und RE4 (Stendal–Berlin–Jüterbog) sowie der RE3 (Stralsund–Berlin–Lutherstadt Wittenberg) und der RE5 (Rostock/Stralsund–Berlin–Wünsdorf Waldstadt) von DB Regio Nordost. Insgesamt soll es künftig 35 fahrradfreundliche Züge geben, die durch die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern fahren.

„Wir wollen es den Leuten ein bisschen einfacher machen, sich zu orientieren“, sagte die VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel. Außerdem solle der „stressige Ein- und Ausstieg“ erleichtert werden. An dem vom Verkehrsverbund initiierten Pilotprojekt beteiligen sich die Deutsche Bahn mit ihren Töchtern DB Regio Nordost und DB Station&Service sowie die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg).

Markierungen auf dem Bahnsteig

Etliche Ideen der Aktion „Rad im Regio“ konnten bereits umgesetzt werden. So sind etwa auf den Bahnsteigen am Bahnhof Gesundbrunnen und in Lübbenau spezielle Markierungen aufgebracht, die es Radfahrern erleichtern sollen, schneller den Einstieg zu den Fahrradabteilen in den Regionalzügen zu finden. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit die Situation gegeben, dass Radfahrer sich nur vor einer Tür versammelten. Was nicht nur dafür sorgte, dass der Zug zum Ein- und Aussteigen länger als geplant halten musste. Auch war das Mitnahmeabteil für Räder rasch überfüllt.

Nicht selten kommt es in solchen Fällen auch zu lautstarken Auseinandersetzungen. Eskaliert der Streit um die Plätze, haben die Verkehrsunternehmen auch schon Züge von der Bundespolizei räumen lassen. „Die Beförderungsbestimmungen sind da eindeutig: Menschen gehen vor Sachen. Wenn der Platz nicht reicht, müssen Räder draußen bleiben“, begründete Odeg-Chef Arnulf Schuchmann das Vorgehen.

Fahrradbereich neu gestaltet

Seine aus vier Wagen bestehenden Triebwagenzüge haben regulär Platz zur Mitnahme von 36 Fahrrädern. Werden es mehr, müssen die Zugbegleiter regulierend eingreifen. Nicht selten sind die längs angeordneten Klappsitze im Fahrradabteil aber bereits von Reisenden besetzt, die ohne Rad unterwegs sind. Formal sitzen sie „falsch“, doch eine rechtliche Handhabe, die Fahrgäste von dort zu vertreiben, haben die Zugbegleiter nicht. Um diesen Konflikt zu entschärfen, lässt Schuchmann jeweils auf einer Abteilseite die Klappsitze abbauen. Dadurch fallen zwar neun Sitze pro Wagen weg, doch das Abstellen der Räder wird einfacher. Neue Aufkleber mit dem Fahrrad-Symbol und der Aufschrift „Priority“ sollen zudem signalisieren, für wen der Platz vorrangig gedacht ist. Bis Juni sollen alle 16 Odeg-Züge entsprechend umgerüstet sein.

In den aus je fünf Wagen bestehenden Zügen von DB Regio für die RE-Linien 3 und 5 hat sich die Zahl der Fahrradplätze gar auf 78 pro Zug erhöht. Möglich wird dies durch Einsatz eines speziellen Fahrradwagens, der sich in der Regel an der Zugspitze befindet.

Fahrgäste werden bis Oktober zum neuen Konzept befragt

Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) begrüßte die VBB-Aktion, die von den Ländern mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt wird. Sie sei „ein großer Schritt zu mehr Fahrradfreundlichkeit in Berlin“. Auch ADFC-Geschäftsführerin Lea Hartung zeigte sich über das neue Angebot erfreut. „Wir wünschen uns aber auch mehr Abstellmöglichkeiten für Räder an den Bahnhöfen selbst“, sagte sie. Für Florian Müller vom Fahrgastverband Igeb ist dies „ein Schritt in die richtige Richtung“. Wichtig sei aber, dass Sitzplätze in den Zügen nicht dauerhaft wegfallen.

Der Pilotversuch ist zunächst bis Oktober geplant. In dieser Zeit soll es Zählungen und Fahrgastbefragungen geben. Zum Jahresende soll es eine Auswertung geben, welche Maßnahmen sich bewährt haben und welche nicht.

Mehr Waggons- weiter Fehlanzeige

Die Hoffnung vieler Fahrgäste auf zusätzliche Waggons an Spitzentagen wird sich vorerst nicht erfüllen. Den beteiligten Eisenbahnen mangelt es einerseits dafür an Fahrzeugen, anderseits würden dies Parameter, wie die Länge vieler Bahnsteige, nicht zulassen.