Neue Liegenschaftspolitik

Berlin nutzt Immobilien und Grundstücke für neuen Wohnraum

Landeseigene Immobilien und Grundstücke werden seltener veräußert. Berlin will dem Wachstum gerecht werden und Wohnungen schaffen.

Berlin von oben: Die Stadt wächst und braucht neuen Wohnraum

Berlin von oben: Die Stadt wächst und braucht neuen Wohnraum

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Berlin hat 2015 nicht mehr so viele landeseigene Grundstücke und Immobilien verkauft wie in den Vorjahren. Insgesamt waren es 214, davon 196 außerhalb des S-Bahn-Rings. Das Land nahm dadurch 58,7 Millionen Euro ein. 2014 waren es noch 102 Millionen Euro, zog die Geschäftsführerin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), Birgit Möhring, am Dienstag Bilanz. Das sei Ausdruck der neuen Liegenschaftspolitik Berlins, Grundstücke und Immobilien nicht mehr zum Höchstpreis zu verkaufen und auf gemeinwohlorientierte Nutzung der Liegenschaften zu achten, ergänzte Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof. „Die Stadt wächst, wir brauchen vor allem neue Wohnungen“, betonte sie.

Es war die erste Jahresbilanz, die BIM und der Liegenschaftsfonds gemeinsam zogen. Beide Einrichtungen waren 2015 zusammengelegt worden, um die Immobilien Berlins besser zu verwalten, zu bewirtschaften und zu vermarkten. Dabei handele es sich um 4300 Grundstücke, von denen sehr viele Ein- und Zweifamilienhäuser-Größe haben, sagte Möhring. Berlin sei in der glücklichen Lage, dass fast die Hälfte der Flächen des Landes Berlin gehörten, sagte Sudhof. Das umfasse aber auch viel Straßen-, Wald- und Grünland.

52 Grundstücke per Vertrag an Wohnungsbaugesellschaften

Die neuen Wohnungen würden für die vielen Zuziehenden, aber auch für die Zehntausende Flüchtlinge gebraucht. Die BIM, die zur Finanzverwaltung gehört, unterstütze seit August 2015 die Sozialverwaltung und das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bei der Unterbringung der Flüchtlinge, sagte Sudhof.

2015 habe die BIM 52 Grundstücke per Vertrag an eine der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften abgegeben, um dort preisgünstige Wohnungen zu errichten. Für 39 musste kein Kaufpreis gezahlt werden. Im Portfolia habe die BIM noch 43 weitere geeignete Grundstücke. Dazu kämen 1700 weitere Grundstücke, die allein zu klein oder zu schmal für den Wohnungsbau seien, aber in Nähe bereits bestehender Gebäude Ergänzungen möglich machten, sagte Möhring.

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Für Flüchtlinge schuf die BIM seit August 2015 18.000 neue Plätze, das Lageso selbst noch einmal 29.000. Darunter seien aber auch sehr viele Notunterkünfte wie die Turn- und die Messehalle oder die vier Hangars auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Um den Flüchtlingen künftig eine bessere Unterbringung zu bieten - anerkannte Asylbewerber haben auch Anspruch auf Wohnungen - baut das Land nun an 30 Standorten Wohncontainer, jetzt Tempohomes genannt, die auf drei Jahre befristet sind. Dazu kommen an 60 Standorten Gemeinschaftsunterkünfte und Wohnungen in Fertigbauweise - sogenannte Modulare Unterbringung für Flüchtlinge (MUF).

Die ersten zwei Containerstandorte sollen Ende Juni und bis Oktober alle errichtet sein. Die modularen Unterkünfte würden voraussichtlich erst 2017 fertig. Sie sind als Dauerwohnung angelegt und können später auch für Obdachlose, Studenten oder als bezahlbarer Wohnraum genutzt werden.