Mord in Höxter

Frau aus Berlin überlebt Horror-Haus von Höxter

Die Ermittler haben am Dienstag neue grausame Details bekannt gegeben. Eines der Opfer hatte seinen Peiniger sogar geheiratet.

Eine Frau von der Spurensicherung steht in der Eingangstür zum Haus des beschuldigten Ehepaares

Eine Frau von der Spurensicherung steht in der Eingangstür zum Haus des beschuldigten Ehepaares

Foto: Caroline Seidel / dpa

Das verdächtigte Paar aus Höxter hat nach Angaben der Ermittler eine zweite Frau umgebracht, ihre Leiche zerstückelt und im Kamin des Gehöfts verbrannt. Die 33-Jährige aus Niedersachsen sei bereits 2014 umgebracht worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag in Bielefeld mit. Ihr Leichnam sei zunächst tiefgefroren worden. Leichenteile seien dann nach und nach verbrannt worden.

Zudem gebe es Hinweise auf mehrere weitere misshandelte Frauen, die die Bekanntschaft mit dem Paar verletzt überlebt haben. So werde derzeit eine Frau im Großraum Berlin vernommen, sagte der Leiter der Mordkommission „Bosseborn“, Ralf Östermann.

Sie sei zwar schwer verletzt gewesen, aber nicht so schlimm, dass es Außenstehenden sofort aufgefallen wäre, sagten die Ermittler. Die verletzte Frau sei von ihren Peinigern nach Braunschweig zum Bahnhof gebracht und dort in einen Zug nach Hause gesetzt worden.

Den Opfern seien büschelweise Haare ausgerissen worden, sagten die Ermittler. Das sei wohl der Grund, weshalb die gequälte Frau kahlgeschoren worden sei. Die Frau aus Berlin habe sich gemeldet, weil sie das als „Horror-Haus“ bezeichnete Gehöft in den Medien wiedererkannt hatte.

Opfer heiratete seinen Peiniger

Wie Ende April bekannt geworden war, sollen ein 46 Jahre alter Mann aus Höxter in Nordrhein-Westfalen und seine 47-jährige Ex-Frau eine 41-Jährige körperlich misshandelt haben, bis diese ihren Verletzungen erlag. Die Frau habe in einem ungeheizten Raum auf dem Fußboden schlafen müssen. Als sich ihr Zustand bedrohlich verschlechterte, hatte das Paar versucht, sie an ihren ursprünglichen Wohnort zurückzubringen. Auf dem Weg aber hatten die beiden eine Autopanne. Zuerst überlegten sie, ein Taxi zu rufen, hieß es - sie entschieden sich dann aber in einer „großen Drucksituation“ für einen Rettungswagen. Die 41-Jährige kam in ein Krankenhaus, wo sie ihren Verletzungen erlag. Die Ärzte entdeckten am Körper der Frau Spuren von Misshandlungen und schalteten die Polizei ein.

Suche nach weiteren Opfern im sogenannten Horror-Haus von Höxter
Suche nach weiteren Opfern im sogenannten Horror-Haus von Höxter

Sämtliche Erkenntnisse stützen sich im Wesentlichen auf Aussagen der beschuldigten 47-Jährigen. Sie habe ein Geständnis abgelegt und umfassende Angaben zum Tatgeschehen gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Meyer.

Das Opfer von 2014, die 33-jährige aus Niedersachsen, habe noch mehrmals SMS verschickt und sei nicht als vermisst gemeldet worden. Woher die Frau ursprünglich kam, wollten die Ermittler nicht sagen. „Es gibt eine Mutter, die bis vorgestern im Glauben war, dass ihre Tochter noch lebt“, sagte der Leiter der Mordkommission dazu.

Im Sommer 2013 soll die 33-jährige Frau den Mann aus Höxter über eine Kontaktanzeige kennengelernt und ihn im Herbst desselben Jahres geheiratet haben, sagte Oberstaatsanwalt Meyer weiter. Danach sei es immer wieder zu schwersten körperlichen Misshandlungen gekommen - „wie beispielsweise Schläge gegen den ganzen Körper, Anketten an Heizungen, Fesselungen“. Im Sommer 2014 sei die Frau gestorben.

Dem beschuldigten Paar ging es bei der Misshandlung nach Überzeugung der Ermittler nicht um sexuelle Motive, sondern darum, „Macht auszuüben“, so Oberstaatsanwalt Meyer. Der beschuldigte Tatverdächtige sei Hartz-IV-Empfänger, sagte Östermann. Er habe die Taten abgestritten und alles auf seine Ex-Frau geschoben. Der beschuldigte 46-jährige Mann habe auch seine Ex-Frau und Komplizin „massiv misshandelt“, sagten die Ermittler. Die 47-Jährige sei ihm „hörig“ gewesen.

Frauen waren mit Beschuldigten in Höxter unterwegs

Die Ermittler haben noch keine konkreten Hinweise, dass noch eine dritte Frau in dem Haus in Höxter gestorben ist, schließen ein drittes Opfer aber auch nicht aus. Die Hinweise auf weitere misshandelte Frauen würden ausgewertet. Das gesamte Haus werde nun„quadratzentimeterweise“ abgesucht, „um zu schauen, ob man Spuren anderer Frauen findet", betonte Mordkommissions-Leiter Östermann.

Anhaltspunkte für eine verminderte Intelligenz bei den beiden Beschuldigten haben die Ermittler nach eigenen Angaben nicht. Die beiden seien im Gegenteil recht planvoll vorgegangen. Die Befragungen der Verdächtigen hätten auch erfahrene Mitglieder der Mordkommission „ziemlich mitgenommen“, sagte Östermann. „Das waren Abgründe, die sich da auftaten.“

Spurensicherung kann mehrere Wochen dauern

Nach den Geschehnissen im ostwestfälischen Höxter stellen sich die Ermittler auf eine längere Spurensuche ein. Um das Gehöft wurden Sichtschutzwände aufgestellt, „damit in Ruhe gearbeitet werden kann“, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag sagte.

Die Spurensicherung könne bis zu 15 Tage oder länger dauern. Das 41 Jahre alte Opfer aus Niedersachsen soll fast zwei Monate lang in dem Gehöft im Vorort Bosseborn festgehalten und misshandelt worden sein. Die Frau starb an Kopfverletzungen. Das verdächtige Paar sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft.