Ernährung

Zahl der Veganer ist stark gestiegen

Worauf Jugendliche achten müssen, wenn sie auf Fleisch und andere Tierprodukte verzichten

Vegan zu essen macht Spaß, findet die Studentin Lina Bartel (19)

Vegan zu essen macht Spaß, findet die Studentin Lina Bartel (19)

Foto: privat / BM

Die Zahl der Menschen, die sich vegan ernähren, steigt in Deutschland – schon seit ein paar Jahren. Schätzungen zufolge gibt es hier rund eine Million Veganer. Nicht nur auf Fleisch, sondern insgesamt auf tierische Produkte zu verzichten, liegt im Trend. In den Supermärkten sieht man immer häufiger Produkte, die das Kennzeichen „vegan“ tragen, und es gibt auch immer mehr vegane Restaurants.

Beim Veganismus unterscheidet man vorrangig zwischen der veganen Lebensweise und der veganen Ernährung. Bei der veganen Lebensweise verzichtet man auf alle Produkte, die tierische Bestandteile enthalten oder die mithilfe von Tierversuchen entstanden sind. Bei der veganen Ernährung nimmt man keine Lebensmittel tierischer Herkunft zu sich, beispielsweise konsumiert man keine Milchprodukte und Fleisch. Dadurch wird vielen Tieren das Leben gerettet. Pro Woche essen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren durchschnittlich 963 Gramm an Wurst und Fleisch, wie das gerade erschienen Buch „Iss was?! Tiere, Fleisch & ich“ der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt.

Eltern reagieren schnell besorgt, wenn Kinder fleischlos essen

Lina Bartel ist 19 Jahre alt, lebt als Studentin in Berlin und ernährt sich seit einem Jahr vegan. Wie viele vegan lebende Menschen ist sie aus ethischen sowie gesundheitlichen Gründen vegan geworden. Tierleiden, die zum Beispiel durch Massentierhaltung, Nutztierzucht, schlechte Lebensumstände und Schlachtung verursacht werden, möchte sie als Veganerin nicht unterstützen. „Durch meinen MSA-Vortrag in der zehnten Klasse über Tierversuche fing ich an, zu dem Thema im Internet zu recherchieren und stieß auf Videos, in denen zu sehen war, wie Tiere unnötig leiden mussten. Daraufhin begann ich, mich vegetarisch zu ernähren. Später traf ich die Entscheidung, vegan zu leben“, so Lina Bartel.

Wie sie uns erzählte, waren ihre Eltern anfangs besorgt, dass sie nicht mehr alle notwendige Nährstoffe zu sich nehmen würde. Diese Sorge ist nicht ganz unberechtigt. Veganern fehlt es oft an den Vitaminen und Mineralien wie B2, B12, D, Jod, Kalzium und Zink. Lina berichtete uns, dass sie, seitdem sie einen Bluttest durchführen ließ, regelmäßig B12-Tabletten zu sich nimmt, die helfen, diesen Mangel auszugleichen. Ansonsten waren ihre Blutwerte in Ordnung.

Ärztin empfiehlt regelmäßige Untersuchungen

Auch Ernährungswissenschaftler empfehlen bei einer veganen Ernährung, mindestens zweimal im Jahr Bluttests machen zu lassen. Schließlich muss eine ausgewogene Nährstoffaufnahme garantiert sein. Die von uns interviewte Ärztin Gisela H. meint ebenfalls, dass es vor allem wichtig sei, sich abwechslungsreich zu ernähren, damit man keine Mangelerscheinungen zeigt. Ihrer Meinung nach ist es aber gesünder, wenigstens ab und zu noch Fisch oder Milchprodukte zu sich zu nehmen. Ohne die benötigten Zusatzstoffe sei diese Ernährungsweise vor allem bei Müttern in der Schwangerschaft und Kindern problematisch. Bei Kindern sollten sich die Eltern schon gut mit der veganen Ernährung auskennen und das Kind oft auf eventuelle Mangelerscheinungen untersuchen lassen, so die Ärztin.

Vegane Ernährung kann aber auch andere Auswirkungen, wie Gewichtsverlust oder Zunahme, je nach Ausgangsgewicht, mit sich bringen. „Seit ich mich vegan ernähre, bin ich seltener krank, voller Energie und habe drei bis vier Kilo abgenommen“, sagt die 19-jährige Berlinerin Lina. Diese Ernährungsweise verringert laut American Dietetic Association auch die Wahrscheinlichkeit, Herz-Kreislauferkrankungen zu bekommen und an Diabetes, Alzheimer oder aber Magen-Darmirritationen zu erkranken.

Ersatzprodukte aus Soja nicht ganz ungefährlich

Für viele Veganer, die nicht auf den Geschmack von Wurst oder Käse verzichten möchten, gibt es Ersatzprodukte wie veganen Käse. Dieser besteht größtenteils aus Wasser, Kokosöl, modifizierter Stärke, natürlichem Aroma und Farbstoffen. Vegane Salami enthält Wasser, Sojaproteine, Weizeneiweiß, Aroma, Verdickungsmittel und modifizierte Stärke. Sie sollten aber nicht als Hauptnahrungsmittel verwendet werden: Der Nährwert ist zu gering. Auch Tofu ist ein beliebtes Ersatzprodukt, es wird aus Sojabohnen gewonnen. Isst man zu viele Sojaprodukte, kann das aber gesundheitliche Folgen haben: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Auswirkungen auf die weibliche Periode. Lina sagt, sie sei den Ersatzprodukten nicht abgeneigt, da sie die Menschen zum Vegansein anregen, aber sie selbst esse sie so gut wie gar nicht.

Kann eine vegane Ernährung auch abwechslungsreich genug sein? Als wir Lina diese Frage stellten, bejahte sie diese: „Seit ich vegan lebe, habe ich das Kochen für mich entdeckt, und mittlerweile ist es eines meiner liebsten Hobbys geworden, weshalb es mir Spaß macht, immer neue Gerichte auszuprobieren und zu verbessern.“

Familie setzt sich kritischer mit Inhaltstoffen von Lebensmitteln auseinander

Außerdem meint sie, sie kaufe selber ein und lese für zusätzliche Inspiration Bücher und Blogs im Internet. Im letzten Jahr habe sie viel über eine gesunde vegane Ernährung erfahren: „Vegane Ernährung ist nicht gleich gesund: Wenn man nicht darauf achtet, dass man alle Nährstoffe zu sich nimmt, könnte es zu Nachteilen im Bezug auf die Gesundheit kommen. Ich kann es jedem weiterempfehlen. Auch wenn eine vegane Ernährung anfangs schwer fällt, gewöhnt man sich schnell daran und lernt dazu. Vegan zu werden, war bis jetzt die beste Entscheidung meines Lebens“, so Lina. Seit der Umstellung kauft auch ihre Familie bewusster ein und achtet genauer auf Inhaltsstoffe. Alle setzen sich kritischer mit dem eigenen Konsum von Lebensmitteln und dem Gebrauch tierischer Produkte auseinander.

Unser Fazit daraus ist, dass vegane Ernährung viele Vorteile hat, etwa die geringere Wahrscheinlichkeit, verschiedene Krankheiten zu bekommen. Wenn man sich abwechslungsreich ernährt, die benötigten Nährstoffe zu sich nimmt und regelmäßig Bluttests durchführen lässt, ist vegane Ernährung unserer Meinung nach gesund und für jegliches Alter empfehlenswert.

, Klasse 8.3, Lilienthal-Gymnasium, Steglitz-Zehlendorf