Kulturpolitik

Vorstoß für ein Haus des Films in Berlin bekommt Applaus

Der Chef der Senatskanzlei betont die Rolle des Bundes bei der Finanzierung. Die Grünen regen eine Alternative an.

Der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz ist ein Publikumsmagnet

Der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz ist ein Publikumsmagnet

Foto: Reto Klar

Björn Böhning (SPD), der Chef der Senatskanzlei, hat sich aufgeschlossen für die Idee der CDU gezeigt, in Berlin ein eigenes Haus des Films zu schaffen. Böhning ist in der Landesregierung zuständig für Film und Filmförderung. In einem solchen Haus könnten Institutionen und Akteure konzentriert werden, so Böhning. Er gab aber zu bedenken, dass für das Projekt derzeit weder ein Grundstück noch eine Finanzierung vorhanden seien. Der Vorstoß wird von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlinale-Chef Dieter Kosslick unterstützt.

Ärger über hohe Mietzahlungen für Gebäude am Potsdamer Platz

Wie berichtet, hatten mehrere CDU-Abgeordnete vorgeschlagen, wichtigen Film-Einrichtungen an einem neuen Standort eine dauerhafte Heimat zu bieten: der Deutschen Kinemathek mit Archiven und Museum, den „Arsenal“-Kinos, der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb), einer Hauptstadtrepräsentanz des Medienboards sowie dem Verband der Programmkinobetreiber.

Die Unionspolitiker stören sich an den hohen Mietzahlungen für das heutige Filmhaus an der Potsdamer Straße – pro Jahr seien 4,6 Millionen Euro fällig, von denen der Bund rund 3,5 Millionen Euro trägt. Zudem laufe der Mietvertrag im Jahr 2025 aus. Und schließlich sei das Gebäude, in dem Kinemathek, Arsenal und dffb untergebracht sind, für den Museums- und Ausstellungsbetrieb wenig geeignet.

Auch Björn Böhning hält die Räumlichkeiten an der Straßenfront des Sony-Centers für „nicht ideal“. Den größten Mietanteil am Filmhaus trage aber der Bund. Und der sei bei der Finanzierung neuer Liegenschaften sehr zurückhaltend. Der Chef der Senatskanzlei sagte der Berliner Morgenpost, bei dem Projekt handele es sich um „Zukunftsmusik“.

Eigentümer des Berlinale-Palasts hat gewechselt

Wesentlich früher muss eine Lösung für die ebenfalls am Potsdamer Platz ansässige Berlinale gefunden werden. Für den Berlinale-Palast und die Büros der rund 400 Mitarbeiter der Filmfestspiele läuft der Rahmenmietvertrag bereits 2018 aus, der Eigentümer hat kürzlich gewechselt. Die CDU-Abgeordneten wollen das künftige Filmhaus nicht zum Festspielhaus machen. Dieter Kosslick sagt aber, die Filmfestspiele würden gern am Potsdamer Platz bleiben, jedoch „nicht um jeden Preis“. Er könne sich vorstellen, seine Mitarbeiter ebenfalls am Campus des neuen Filmhauses unterzubringen, falls man sich mit dem Eigentümer der jetzigen Räume nicht einigen kann.

Björn Böhning warnte hingegen davor, die Berlinale vom Potsdamer Platz abzulösen. Sie habe sich dort etabliert, es gebe in der Umgebung ausreichend viele Kinosäle und Räume für den Filmmarkt. Diese gute Verzahnung sei an anderer Stelle nicht leicht zu finden. Zum anderen sei es aus Berliner Sicht nicht optimal, den Potsdamer Platz „zu entvölkern“.

Stefan Gelbhaar, Filmexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, sagte, die Miethöhe und der 2025 auslaufende Vertrag für das Filmhaus am Potsdamer Platz legten es nahe, über Alternativen nachzudenken. Gelbhaar hat auch einen Vorschlag, wo man ein neues Filmhaus etablieren könnte: an der Berliner Straße in Pankow, dort wo einst das Kino Tivoli war. Die Adresse ist die Wiege des Kinos, denn an diesem Ort, damals noch der Ballsaal des Ausfluglokals „Feldschlößchen“, führten im Juli 1895 die Pankower Brüder Skladanowsky ihre ersten Filme vor. Heute steht dort die Filiale eines Lebensmitteldiscounters.

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