Kulturpolitik

Berlin soll ein eigenes Filmhaus bekommen

Die CDU möchte ein neues Filmhaus für Berlin. Kulturstaatsministerin Grütters und Berlinale-Chef Kosslick unterstützen den Vorstoß.

Der Vorstoß zu einem eigenen Filmhaus in Berlin kommt aus der Unionsfraktion im Abgeordnetenhaus und wird von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlinale-Chef Dieter Kosslick unterstützt. Das Konzept sieht vor, mehreren wichtigen Einrichtungen an einem neuen Standort eine dauerhafte Heimat zu bieten: der Deutschen Kinemathek mit Archiven und Museum, dem „Arsenal“ mit seinem Institut für Film- und Videokunst und seinen beiden Kinosälen, der Deutschen Film- und Fernsehakademie, einer Hauptstadtrepräsentanz des Medienboards Berlin-Brandenburg sowie dem Verband der Programmkinobetreiber.

Hintergrund der Initiative ist zum einen, dass nach CDU-Angaben für den jetzigen Sitz des Filmhauses an der Potsdamer Straße eine jährliche Miete von 4,6 Millionen Euro anfällt, von denen der Bund rund 3,5 Millionen Euro trägt. Der Mietvertrag läuft im Jahr 2025 aus. Zum anderen sei die Lage der deutschen Kinemathek an der Straßenfront des Sony-Centers zwar zentral, aber für den Museumsbetrieb ungünstig, sagte Stefan Evers, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, der Berliner Morgenpost. Das Haus werde nicht gut angenommen, Erweiterungsmöglichkeiten seien dort ebenfalls nicht vorhanden.

„Neuer Standort bietet finanzielle Sicherheit“

Ein neuer Standort böte nicht nur mehr finanzielle Sicherheit, dort könnten auch Potenziale und Akteure konzentriert werden. Im künftigen Filmhaus müssten ausreichende Büroflächen sowie umfangreiche Archiv- und Ausstellungsräume und die beiden Kinosäle untergebracht werden, sagen die Unionsabgeordneten. Insbesondere Stefan Evers, Christian Goiny, Gottfried Ludewig und Tim-Christopher Zeelen haben die Idee entwickelt. Sie sagen auch, dass ein neues, in der Stadt sichtbares Domizil den Film- und Filmwirtschaftsstandort Berlin stärken und deutlich als Nummer eins in Deutschland positionieren würde.

Einen bestimmten Standort hat die CDU noch nicht ins Auge gefasst, hält etwa einen Neubau auf dem Dragoner-Areal in Kreuzberg oder am Kulturquartier „silent green“ in Wedding für möglich. Für geeignet erachten die vier Abgeordneten zudem das jetzige Gebäude der Zentral- und Landesbibliothek an der Breiten Straße in Mitte. Die Bibliothek soll mittelfristig umziehen. Auf jeden Fall müsse das Haus zentral und für Besucher, insbesondere für Touristen, attraktiv liegen, sagen sie. Und das Medienboard solle an diesem Standort seine angemessene Hauptstadtrepräsentanz erhalten.

Sicher sind die Politiker indes, dass ein eigenes Filmhaus finanzierbar wäre und sich schnell amortisieren würde. „Der Zeitpunkt, über eine dauerhafte Alternative zu den kostenintensiven Mietverhältnissen am Potsdamer Platz nachzudenken, ist jetzt“, schreiben sie in einem Entwurf. Der Senat müsse eine Machbarkeitsstudie erstellen, nach der politischen Debatte zu diesem Denkanstoß sollten Bund und Berlin gemeinsam entscheiden.

Unsichere Situation für die Berlinale

Der CDU-Vorstoß hängt auch mit der ebenfalls am Potsdamer Platz ansässigen Berlinale zusammen. Die Zukunft des Berlinale-Palastes und der Büroräume ist schon 2018 ungewiss. Dann läuft dort der Rahmenmietvertrag aus, der Eigentümer hat, wie berichtet, kürzlich gewechselt. Auch vor diesem Hintergrund begrüßt Kulturstaatsministerin Grütters die Idee für ein eigenes Filmhaus. „Berlin lebt vom Film, und der Film hatte schon immer seinen ganz großen Auftritt in Berlin. Diese Tradition, dieses produktive Miteinander braucht beste Rahmenbedingungen“, sagte Grütters der Morgenpost.

„Angesichts absehbarer Schwierigkeiten mit den Liegenschaften am Potsdamer Platz“ sei es an der Zeit, über neue gute Standorte für Film und Kino nachzudenken, so Grütters. „Mit dem Land Berlin und der Branche als Partner sollten wir gemeinsam Perspektiven für eine starke Filmlocation in Berlin ausloten.“

„Nicht um jeden Preis am Potsdamer Platz bleiben“

„Ich freue mich über die Initiative“, sagte auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Die Filmfestspiele würden gern am Potsdamer Platz bleiben, „aber nicht um jeden Preis“. Kosslick könnte sich vorstellen, die Büros für seine 400 Mitarbeiter ebenfalls am Campus des neuen Filmhauses unterzubringen, falls man sich mit dem neuen Eigentümer der jetzigen Räume nicht einigen kann.

Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) zeigte sich am Donnerstag aufgeschlossen gegenüber der Idee. Ein Filmhaus könne man „größer denken“, als es sich jetzt an der Potsdamer Straße präsentiert. Renner schlug dem Bund vor, in dieser Sache auf den Senat zuzukommen.

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