Medizin

Kunstherzen aus Berlin in alle Welt

Das Unternehmen Berlin Heart stellt Kunstherzen her und war ursprünglich eine Ausgründung des Herzzentrums.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) hat von Anfang an die Entwicklung von Herzunterstützungspumpen („Kunstherzen“) vorangetrieben. Diese sichern das Überleben von Patienten mit Herzversagen, bis ein Spenderorgan gefunden ist. Das eigene Herz bleibt dabei im Brustkorb, wird aber durch die technische Pumpe stark entlastet. Aus diesen Forschungsarbeiten entstand im Jahr 1996 eine Ausgründung, die Mediport Kardiotechnik GmbH, mit Sitz in Berlin-Steglitz.

Die Firma kooperiert heute noch mit dem DHZB bei der Weiterentwicklung der Systeme, wurde aber 2006 von einem Privatinvestor gekauft und heißt nun „Berlin Heart“. Nach eigenen Angaben ist Berlin Heart in diesem Markt der einzige Anbieter in Europa und weltweit die Nummer drei. Das Unternehmen beschäftigt an seinen Standorten in Berlin und Texas 230 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro.

Die Unterstützungspumpen arbeiten wie eine Turbine

Das Hauptprodukt der Firma, Excor Adult, wurde rund 2200 Mal implantiert. Excor Pediatric ist das weltweit einzige zugelassene Herzunterstützungssystem für Kleinkinder und Säuglinge und kommt auf etwa 1700 Implantationen. Der jüngste Patient war gerade einmal zwölf Tage alt.

Eine Weiterentwicklung der Systeme ist Incor, bei dem die Blutpumpe magnetisch frei schwebend gelagert ist. Das bedeutet: Das Kunstherz arbeitet weitgehend reibungs- und verschleißfrei und ist somit sehr viel länger ohne Ersatzoperation nutzbar. Incor wurde bislang 675 Mal eingesetzt.

Alle diese Systeme pumpen das Blut nicht stoßweise wie ein natürliches Herz, sondern kontinuierlich mithilfe einer Turbine – ähnlich einer Schiffsschraube beziehungsweise einer Schneckenpumpe („Archimedische Pumpe“). Deshalb ist beim Träger des Kunstherzens kein Puls fühlbar.

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