Kein Platz mehr

Love-Parade-Gründer Dr. Motte verkauft Schallplatten

Der international gefragte Musiker muss sich von einem Teil seiner Sammlung trennen. Die Vinylscheiben gibt es im Internet.

Der international gefragte DJ Dr. Motte hat begonnen, seine Vinylscheiben zu verkaufen

Der international gefragte DJ Dr. Motte hat begonnen, seine Vinylscheiben zu verkaufen

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Er ist der Mann, aus dessen Händen man gern eine Schallplatte erhält. Dr. Motte, alias Matthias Roeingh, gründete 1989 die Berliner Love Parade, startete den Partyumzug mit 150 getreuen Technojüngern unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“.

Jetzt hat der international gefragte DJ begonnen, seine Vinylscheiben zu verkaufen. Auf der Verkaufsplattform Discogs für private Tonträgerangebote aus zweiter Hand sind seine Platten zu finden. Noch sind es erst rund 600 Stück. „Insgesamt werde ich 2000 Platten anbieten“, sagt der 55 Jahre alte gebürtige Berliner.

„Es sind gute Stücke. Aber ich habe einfach keinen Platz mehr für Sachen, die ich nicht spiele.“ Wozu die Sammelwut führt, habe er bei einem Umzug gelernt. „Ich hatte 60 Kartons, nur mit Platten“, sagt Motte empört. „Das muss man sich mal vorstellen! Am Ende musste ich mir studentische Hilfskräfte von den Heinzelmännchen bestellen, die das für mich getragen haben.“

An Sound von Vinyl kommt kein digitales Format

Üblicherweise legt Roeingh bei seinen Auftritten zwei Stunden lang auf. „Das sind etwa 26 Stücke. Sagen wir also, ich habe da 50 Platten dabei. Dann wird klar, dass ich auf manche Platten inzwischen verzichten kann.“

Neben der Arbeit mit Vinyl gibt es auch Motte-Shows, bei denen er die Musik von der Computerfestplatte abspielt. „Ich benutze aber nur unkomprimierte wav-Dateien. Die haben noch den besten Sound.“ An den Sound von Vinyl komme eben kein digitales Format. „Es geht um den Bass: Der ist auf Vinyl einfach harmonischer“, sagt er. Und Motte weiß, wovon er spricht. Der DJ und Label-Macher kauft seit seinem zwölften Lebensjahr Schallplatten. „Die erste hatte ich aus dem Geschäft 'Musicland' in Spandau.“

15.000 Platten bleiben ihm ja noch

Wenn er jetzt Dance-Platten zum Preis zwischen einem und 30 Euro verkauft, ahnt er, dass das für manchen Sammler etwas ganz Besonderes ist. „Wenn man die Platte von mir bekommt, hat das für diesen oder jenen bestimmt seinen Reiz“, sagt er bescheiden.

Bei Roeingh daheim wird aber auch nach dem Verkauf der Scheiben keinesfalls die Musik verstummen. „Es bleiben ja noch 15.000 Platten übrig“, sagt der DJ. Sonderlich wachsen wird die Sammlung nicht mehr. Inzwischen kauft Dr. Motte monatlich nur noch zehn neue Schallplatten. „Das reicht“, sagt er.