Volksverhetzung

Zwei Jahre und acht Monate Haft für Neonazi aus S-Bahn

Christoph S. beleidigte in der S-Bahn eine Migrantenfamilie. Dass er auf die Kinder urinierte, konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Neonazis in Springerstiefeln

Neonazis in Springerstiefeln

Foto: imago stock&people / imago/Jochen Tack

Nach fremdenfeindlichen Vorfällen in der Berliner S-Bahn im August 2015 ist der vorbestrafte Rechtsextremist Christoph S. zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden.

Der 33-Jährige habe rechte Parolen gebrüllt, mehrfach den Hitlergruß gezeigt und sich bei einem Vorfall entblößt, befand ein Amtsgericht am Dienstag. Der Angeklagte sei der Volksverhetzung sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen schuldig.

Ob er sich entblößte, um eine bestimmte Familie herabzuwürdigen, sei ungeklärt. Der Vorfall im August 2015 hatte für Empörung gesorgt: Es bestand der Verdacht, der Mann habe auf Kinder uriniert. Dies hatte sich jedoch nicht beweisen lassen und war nicht Bestandteil der Anklage.

Aus Angst nicht eingemischt

Eine 35 Jahre alte Zeugin erzählte vor Gericht, wie Christoph S. und Kumpane an jenem 28. August gegen 21.45 Uhr laut "NSDAP" grölend am Bahnhof Landsberger Allee in die S-Bahn gestiegen seien. Der offenkundig stark angetrunkene Christoph S. - habe "wer von euch steht jetzt auf", gebrüllt, worauf sich eine Frau tatsächlich verängstigt von ihrem Platz erhoben habe.

Ein 28 Jahre alter Student gibt zu Protokoll, wie "geschockt" er von dem Auftritt der "gewalttätig und aggressiv auftretenden" Männer gewesen sei und dass er Angst gehabt und sich deswegen nicht eingemischt habe.

Am genauesten hatte ein Sozialarbeiter die Situation in Erinnerung: Der Angeklagte Christoph S. sei geradewegs auf "die dunkelhaarige junge Mutter und ihre beiden Kinder zugegangen und habe die Hose heruntergelassen", sagte der 26-Jährige. Der Begleiter des Angeklagten habe gesagt: Du kannst die doch jetzt nicht anpissen. "Da habe ich noch gedacht, na wenigstens der ist halbwegs vernünftig", sagte der Sozialarbeiter. Ein Irrtum, sei doch anschließend der Satz gefallen: "Das ist nur dreckiges Asylantenpack, das ist doch nicht einmal deine Pisse wert."

Angeklagter ist vorbestraft

Der aus Thüringen stammende Angeklagte, der keinen Beruf erlernt hat, wird seit Jahren der rechtsextremen Szene zugeordnet. Er ist den Angaben zufolge unter anderem wegen Volksverhetzung, Körperverletzung und Nötigung vorbestraft. Nach der jüngsten Entlassung aus der Haft im Februar 2015 war er Angaben zufolge nach Berlin gezogen. Sein Verteidiger will Rechtsmittel gegen das jetzt verkündete Urteil prüfen.

Gegen den Begleiter von Christoph S., 38-jährigen Robert Sch., wird gesondert ermittelt. Er wird derzeit noch begutachtet. Auch ihn erwartet ein Strafverfahren.