Internet-Aktionen

Verbot von Pferdekutschen in Berlin? Stimmen Sie ab

Touristen-Attraktion oder Tierquälerei? Pferdekutschen in der City sehen viele kritisch. Jetzt gibt es neue Vorstöße für ein Verbot.


Pferdekutschen stehen vor allem im Sommer in Berlin auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor, das von zahlreichen Touristen besichtigt wird

Pferdekutschen stehen vor allem im Sommer in Berlin auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor, das von zahlreichen Touristen besichtigt wird

Foto: Jens Kalaene / dpa

In zwei Internet-Aktionen fordern derzeit rund 90.000 Menschen das Verbot von Pferdekutschen in Berlin.

So hat eine Petition auf der Plattform Change.org innerhalb weniger Tage mehr als 51.000 Unterstützer (Stand: 26. April 2016, 14 Uhr) gefunden. Die Münchnerin Julia Maier startete die Aktion am vergangenen Sonnabend. Ihre Petition richtet sich an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Nach Angaben der Tierrechtsorganisation Peta lassen in der Hauptstadt 10 bis 15 Anbieter von Pferdekutschen mehr als 100 Tiere für sich arbeiten.

Sie wolle auf das „große Leid der Pferde hinweisen, die auf Berlins Straßen Pferdekutschen ziehen müssen“, heißt es in Maiers Begründung. Pferde seien Fluchttiere, die in einer Großstadt wie Berlin nichts verloren hätten. Bei Unfällen, an denen Pferdekutschen beteiligt waren, seien in der Vergangenheit sowohl Menschen als auch Pferde schwer verletzt und sogar getötet worden.


Sie engagiere sich "seit Jahren ehrenamtlich bei unterschiedlichen Organisationen im Tierschutz Raum München", schreibt Julia Maier weiter. Als ehemalige Reiterin sehe sie es als ihre Pflicht an, sich „für diese höchst sensiblen Tiere ganz besonders einzusetzen“.

Bei ihren häufigen Berlin-Besuchen sehe sie die „unsagbaren, stillen Qualen, die diese Tiere für Berlins Touristen erleiden müssen“: wundgescheuerte Bäuche und Köpfe, schlecht sitzendes Zaumzeug und Geschirr, schmerzverzerrte Gesichter, die vom Laien nicht wahrgenommen würden, wunde Fesseln, vom Durchfall verätzte Schweife.

Auch Peta fordert ein Verbot

Die Aktion von Julia Maier ist derzeit jedoch nicht die einzige Initiative für ein Verbot von Pferdekutschen in Berlin. Auch die Tierrechtsorganisation Peta startete im März eine Unterschriftensammlung und hat bislang rund 36.000 Unterstützer gefunden. Die Tierschützer appellieren ebenfalls an den Regierenden Bürgermeister Müller, „eine tierfreundliche Entscheidung herbeizuführen und das Leid der Pferde zu beenden“. Es folgt die Bitte, „umgehend“ ein Pferdekutschenverbot zu erlassen.

In den vergangenen Jahren hatte es in der Berliner Politik immer wieder Vorstöße für ein Verbot gegeben. Anlass waren zumeist Zwischenfälle, bei den Tiere gescheut und zusammengebrochen waren oder Menschen verletzt wurden. Im Jahr 2009 hatte der Senat Leitlinien für Betreiber von Pferdefuhrwerken erlassen. Danach dürfen nur gesunde und gepflegte Tiere ab einem Alter von fünf Jahren eingesetzt werden. Die Geschirre sollen technisch einwandfrei sein, jedes Pferd müsse einen rutschfesten Hufbeschlag haben, heißt es. Die Gesamt-Einsatzzeit darf neun Stunden nicht überschreiten. Geregelt werden auch Pausen, Schattenplätze bei Hitze, Futter sowie Wasser und Tränkeimer.

Sechs Ordnungswidrigkeitsverfahren in 2015

In Mitte waren 2015 nach Angaben des Bezirksamtes drei Unternehmen mit unterschiedlichen Droschkenzahlen unterwegs. Das Veterinäramt führt regelmäßig (ca. einmal/Monat) Kontrollen durch. Zu Feiertagen, Urlaubszeiten und bei großer Hitze gebe es zusätzliche Überprüfungen, heißt es in der Antwort des zuständigen Bezirksstadtrats Carsten Spallek (CDU) auf eine Anfrage der SPD-Fraktion vom Dezember 2015. Im vergangenen Jahr seien sechs Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und drei Bußgeldbescheide erlassen worden, weil gegen die Leitlinien für Pferdefuhrwerke verstoßen wurde.

Die "zahlreichen Verstöße in den vergangenen Jahren" seien geeignet, so Spallek, "eine politische Entscheidung herbeizuführen, die zum Beispiel ein regional begrenztes Kutschverbot, also keine Kutschpferde im innerstädtischen Bereich (Unter den Linden, Gendarmenmarkt etc.) vorschreiben könnte". Stattdessen könnte es Möglichkeit geben, den großen Tiergarten und Straße des 17. Juni zu befahren. Der Stadtrat dann weiter: "Der Bezirk Mitte hat hier jedoch keine alleinige Zuständigkeit."