Tarifkonflikt

Verdi-Warnstreik - In Berlin fallen rund 80 Flüge aus

Auch am Dienstag wurde an Berliner Klinken die Arbeit niedergelegt. Am Mittwoch folgen weitere Unternehmen.

Ein Langstreckenflug der Lufthansa startet vom Flughafen Frankfurt aus Richtung Miami, während eine McDonnell Douglas MD-11 der Lufthansa Cargo auf dem Rollweg wartet

Ein Langstreckenflug der Lufthansa startet vom Flughafen Frankfurt aus Richtung Miami, während eine McDonnell Douglas MD-11 der Lufthansa Cargo auf dem Rollweg wartet

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes wird am Mittwoch an verschiedenen deutschen Flughäfen gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hat das Flughafenpersonal in Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover-Langenhagen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Bestreikt werden etwa Luftsicherheitskontrollen sowie Bodenverkehrsdienste wie Vorfeld, Fracht, Gepäck und Verwaltung.

An den Berliner Airports Schönefeld und Tegel sind nach Angaben der Flughafengesellschaft zwar keine Aktionen geplant, doch auch hier fallen Flüge aus. Rund 80 Verbindungen von Eurowings, der Lufthansa und Air Berlin sind betroffen, sagte ein Flughafen-Sprecher am Dienstagnachmittag. Es handelt sich zum Beispiel um Flüge nach Frankfurt, München und Köln/Bonn.

Es wird deshalb empfohlen, sich "regelmäßig" bei der jeweiligen Airline über den Status des Fluges zu informieren. Für Nachfragen stehe die Fluggastinfo der Flughafengesellschaft unter der Rufnummer (030) 6091 1150 oder auf Twitter (@berlinairport) rund um die Uhr zur Verfügung.

So ist zum Beispiel die Lufthansa (LH) an dem Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes nicht beteiligt, trotzdem aber in besonderem Maße davon betroffen. Es werde am Mittwoch vor allem an den Heimat-Drehkreuzen in Frankfurt und München zu massiven Flugausfällen kommen, heißt es in einer LH-Pressemitteilung.

Nur 40 Prozent des regulären Flugprogramms

Von und nach München, wo ganztägig gestreikt wird, musste die Lufthansa nach eigenen Angaben insgesamt 545 Flüge streichen. Das betrifft rund 54.000 Passagiere. Von und nach Frankfurt, wo laut Ankündigung bis 15 Uhr gestreikt werden wird, entfallen 350 LH-Flüge mit rund 33.000 Gästen. Insgesamt könne die Airline an diesem Mittwoch lediglich 40 Prozent ihres regulären Flugprogramms durchführen. Auch an den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Dortmund und Hannover-Langenhagen wird es zu Flugstreichungen infolge des Verdi-Streiks kommen.

Auch Air Berlin und Eurowings informieren ihre Fluggäste.

Ausstand an den Berliner Kliniken fortgesetzt

In Berlin sind am Dienstagmorgen an den Kliniken von Charité und Vivantes Warnstreiks fortgesetzt worden. Dies sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Kalle Kunkel. Bereits am Montag hatten nach Gewerkschaftsangaben mehrere Hundert Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Dazu gehört unter anderem das Vivantes-Klinikum in Neukölln. Dort zogen Streikende durch das Ausbildungszentrum, in dem 800 Jugendliche auf ihren künftigen Beruf vorbereitet werden.

Für Dienstagnachmittag war ein Demonstrationszug von der Charité in Mitte zum Brandenburger Tor geplant. Dort sollte es eine Kundgebung von Verdi (16 Uhr) geben.

Notfälle seien in beiden Kliniken von den Aktionen nicht betroffen gewesen, erklärten sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber. Die Ambulanzen seien besetzt gewesen. Laut Vivantes war es gelungen, ein Großteil der geplanten Operationen abzusagen. Trotz fehlender Notdienstvereinbarung sprachen beide Seiten von einer erfolgreichen Koordinierung der Patientenversorgung.

In der Charité handelt es sich bei den Warnstreiks um einen Partizipationsstreik. Die Angestellten sind von den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes nicht direkt betroffen, weil Charité und Verdi einen eigenen Haustarifvertrag haben. Da dieser aber an öffentliche Tarifverträge gekoppelt ist, dürfen sich die Mitarbeiter der Charité an den Warnstreiks beteiligen.

Informationen für Kunden von BSR und Bäderbetrieben

An diesem Mittwoch sollen dann in Berlin Warnstreiks bei der Stadtreinigung, den Wasserbetrieben und den Bäderbetrieben folgen. Die BSR bittet ihre Kunden, sich am Mittwochvormittag auf Einschränkungen bei ihren Dienstleistungen einzustellen. Bei Müllabfuhr, Sperrmüll-Abholservice und Straßenreinigung werde es zu Verspätungen kommen, teilte das Unternehmen mit.

Die Recyclinghöfe würden an diesem Tag erst gegen 11 Uhr öffnen, heißt es weiter. Auch das Müllheizkraftwerk Ruhleben und die Mechanischen Behandlungsanlagen Gradestraße würden wahrscheinlich betroffen sein, sodass dort zwischen 8 und 11 Uhr keine Abfälle angeliefert werden könnten. Bei den Bäderbetrieben heißt es, es könne "zu kurzfristigen Schließungen von Bädern" kommen. Detaillierte Informationen lägen "leider erst sehr kurzfristig" vor.

In Berlin sind rund 50.000 Beschäftigte von den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes betroffen. Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber hatten zuletzt drei Prozent in zwei Jahren angeboten. Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 28./29. April 2016 in Potsdam geplant.