Bergmannkiez in Kreuzberg

Bockbrauerei-Areal: Ist das Kiez-Kultur oder kann das weg?

Bauwert will in der ehemaligen Bockbrauerei Wohnungen bauen und dafür Gebäude abreißen. Die Zukunft der jetzigen Mieter ist ungewiss.

Kiezfest in der Bergmannstraße

Kiezfest in der Bergmannstraße

Foto: Eventpress Mueller Stauffenberg / pa

Die Zukunft für das Gewerbeareal auf dem Standort der ehemaligen Bockbrauerei an der Fidicinstraße in Kreuzberg ist nach wie vor offen. Das bislang von etwa 30 mittleren und kleineren Unternehmen als Gewerbegebiet sowie von Kultureinrichtungen genutzte Areal befindet sich seit Anfang dieses Jahres im Besitz der Bauwert Investment Group. Sie will dort in der Nähe des beliebten Bergmannkiezes neue Wohnbauten errichten.

Das Bezirksamt hingegen hat unterdessen bereits im März einem Feststellungsbeschluss zugestimmt, der am Mittwoch in der Bezirksverordnetenversammlung zum Beschluss vorgelegt wird. Danach soll das Areal in seiner bisherigen Funktion als Gewerbegebiet gesichert werden.

Das ist auch das Ansinnen der Stadtteilinitiative „Wem gehört Kreuzberg“, die gegen die Pläne der Bauwert Investment Group protestiert und eine „weitere Zerstörung der sozialen Vielfalt im Kiez“ sowie unter anderem auch den Verlust von Arbeitsplätzen befürchtet. Kerngeschäft des neuen Grundstückseigners seien, so die Initiative auf einem Flugblatt, „exklusive Immobilien zum Wohnen“.

Historisches Backsteingebäude soll erhalten werden

Wie der Sprecher der Bauwert der Berliner Morgenpost am Montag bestätigte, „wollen wir dort unter Erhalt des einzigen schönen historischen Backsteingebäudes neuen Wohnraum schaffen“. Dafür sollen sechs weitere Gebäude auf dem 12.840 Quadratmeter großen Gewerbegrundstück abgebrochen werden. Betroffen vom Abbruch seien dann laut Angaben der Bauwert die Hälfte, und nicht wie vom Bezirk falsch behauptet werde Zweidrittel der oberirdischen Geschossfläche, so Bauwert-Sprecher Henning Hausmann.

„Wir sind der Meinung das kann weg, denn wir glauben, dass das Schaffen von Wohnraum wichtiger ist, als der Erhalt von Lagerhallen“, so Hausmann gegenüber dieser Zeitung. Wie der Sprecher auf Nachfrage betonte, seien „keine Luxus-, sondern vielmehr ganz normale Wohnungen“ geplant. Die Wirtschaftsförderung des Bezirks lehnt den geplanten Wohnungsneubau der Bauwert Investment Group hingegen ab.

Auf die Frage, wo die jetzigen Mieter und Kleinunternehmer bei Realisierung der Neubauten eine Bleibe finden sollen, heißt es bei der Bauwert Gruppe, dass man gemeinnützigen Mietern, wie dem Theater Thikwa, das einen Backsteinbau für seine Werkstatt nutze, ein entsprechendes Angebot machen werde, damit sie bleiben können. Konkreter könne man es derzeit nicht sagen. Nur so viel, „wir halten uns natürlich an die Mietverträge und werden niemand kündigen“.

Theater Thikwa: Wir hoffen, dass wir bleiben können

Bei den Mietern stoßen die Pläne der Bauwert-Gruppe auf unterschiedliche Reaktionen. Während sich viele nicht äußern wollten, sagte Conelius Gellert, der mit seinem Unternehmen für Außenwerbung „Furore“ seit 2004 etwa 1100 Quadratmeter Fläche auf dem Gewerbegebiet nutzt, „dass diese Entwicklung spätestens absehbar war, seit es in der Schwiebusser Straße mit den ganzen teuren Neubauprojekten losging“. Dieser Kiez sei auf dem Immoboliensektor einfach angesagt, so Gellert. Er habe deshalb für seinen Betrieb bereits vor drei Jahren ein Ausweichareal in Steglitz gekauft, so Gellert.

Andere Mieter wie das „Theater Thikwa“ hoffen, so ein Sprecher „dass wir hier wirklich bleiben können“. Der Vorbesitzer und bisherige Vermieter der einzelnen Flächen, Dirk Kasten, wollte sich am Montag zu dem Projekt nicht äußern. Von den Vertretern der Stadtteilinitiative war am Montag niemand zu einer Stellungnahme zu erreichen.

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