Prozess

Falscher Aida-Arzt muss in Berlin vor Gericht

Denny H. hat sich als Arzt ausgegeben und Hunderte Passagiere auf einem Kreuzfahrtschiff behandelt. In Berlin steht er nun vor Gericht.

Mit Spannung erwartet: Ende April geht die "Aida Prima" an den Start - rund ein Jahr später als geplant.

Mit Spannung erwartet: Ende April geht die "Aida Prima" an den Start - rund ein Jahr später als geplant.

Foto: dpa

Betrug, Urkundenfälschung, gefährliche Körperverletzung und mehr - die Liste der Staatsanwaltschaft ist lang. Auch das unbefugte Führen eines akademischen Grades wirft sie Denny H. vor. Der 40-Jährige war im Dezember 2015 am Berliner Flughafen Tegel festgenommen worden, als er mit einer Maschine aus Miami in Deutschland landete. Damals kam er gerade von einer Dienstreise auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Vita.

Nun muss Denny H. in Berlin vor Gericht. Das bestätigte am Dienstag die Staatsanwaltschaft. Geklärt werden muss, wie es dem gelernten Krankenpfleger gelang, mit gefälschten Papieren in der Charité Vorträge zu halten, auf einem Kreuzfahrtschiff anzuheuern und als vermeintlicher Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin bei der Stiftung Organtransplantation zu arbeiten. Dem 40-Jährigen werden allein 63 Fälle von Körperverletzung vorgeworfen, wie Gerichtssprecherin Lisa Jani am Dienstag mitteilte. Insgesamt seien 81 Taten angeklagt.

Er soll sich mindestens fünf Jahre lang als Arzt ausgegeben haben. Als falscher Schiffsarzt soll er von Juni 2014 bis November 2015 unterwegs gewesen sein und ein Monatsgehalt von 7500 Euro von einer Reederei bezogen haben.

Laut "Berliner Zeitung" wuchs Denny H. in Stendal auf. Er machte eine Ausbildung zum Krankenpfleger und arbeitete in einer Klinik. 2010 dann der Wechsel nach Berlin, wo er in Friedrichshain und Kreuzberg gewohnt haben soll.

Aufgeflogen war der Betrug, als er bei der Berliner Ärztekammer einen neuen Arztausweis beantragte. Dokumente, die H. vorlegte, sorgten offenbar für Verwirrung. Es folgte eine Anzeige wegen des Führens eines falschen Titels.

Bei Aida wurde man nach Bekanntwerden der Ermittlungen schnell tätig. „Aida Cruises hat den vermeintlichen Arzt unmittelbar nach Information durch die Staatsanwaltschaft und die Ärztekammer vom Dienst suspendiert und die Ermittlungsbehörden von Anfang an nach Kräften unterstützt", sagte Hansjörg Kunze, Pressesprecher von AidaCruises, der Berliner Morgenpost im Dezember. "Wir wurden von dem Mann umfassend getäuscht. Die Berliner Behörden haben die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen, die wir selbstverständlich auch weiterhin vollumfänglich unterstützen. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zum laufenden Ermittlungsverfahren derzeit nicht weiter äußern können.“

Aida gehört zum britisch-amerikanischen Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation. Momentan umfasst die Flotte von Aida Cruises zehn Schiffe mit zusammen 18.636 Betten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 7000 Mitarbeiter aus 40 Ländern. Davon sind 6000 an Bord der Kreuzfahrtschiffe tätig, 1000 an Land.