Schadstoffe

Kommission soll Affäre um Schießstände aufklären

Schadstoffbelastete Luft in Übungsständen soll Berliner Polizisten krank gemacht haben. Nun kündigt Innensenator Henkel Hilfe an.

Polizeischüler trainieren auf einem Schießstand der Landespolizeischule in Berlin

Polizeischüler trainieren auf einem Schießstand der Landespolizeischule in Berlin

Foto: picture alliance / dpa / Rainer Jensen

In der Affäre um schadstoffbelastete Schießstände der Berliner Polizei will Innensenator Frank Henkel (CDU) eine Kommission einsetzen. „Ich möchte nicht, dass sich Betroffene durch alle Instanzen klagen müssen“, sagte Henkel am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Das Gremium solle die Anerkennung von Gesundheitsschäden, den Umgang mit den Folgen und Entschädigungen klären.

„Das ist kein Schuldeingeständnis“, betonte der Senator. „Die Verantwortung für diese Missstände fällt nicht in meine Amtszeit.“ Die Kommission mit internen und externen Fachleuten solle noch in dieser Legislatur - also bis zum September - eingesetzt werden.

Zuletzt hatte Polizeipräsident Klaus Kandt vor zwei Wochen in dem Ausschuss angekündigt, dass in zwei Phasen 1532 Beschäftigte medizinisch überprüft werden sollen, die viel in den Schießständen waren - also Schießtrainer und Mitglieder von Spezialeinheiten.

Zur Einsetzung der Kommission heißt es bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP): "Wir begrüßen es, dass der Innensenator eine Kommission ins Leben rufen möchte, die zur umfassenden Aufklärung beitragen und den Betroffenen endlich Antworten geben soll. Wir werden sehen, wie genau sie sich zusammensetzt und was sie zu leisten imstande ist", sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro der Berliner Morgenpost. Fragen müsse man sich aber, warum Henkel "erst jetzt damit um die Ecke kommt", obwohl die Medien seit einem halben Jahr über die Problematik an den Schießständen berichten.

Krebserregende Mineralfasern in Baustoffen

In vielen Anlagen wurden in den vergangenen Jahren Schadstoffe gemessen. Bei einigen waren krebserregende Mineralfasern in Baustoffen enthalten. Bei anderen war die Belüftung so schlecht, dass sich Schadstoffe wie zum Beispiel Blei, die beim Schießen entstehen, in der Luft sammelten. Etliche Stände mussten geschlossen werden.

Der Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux verwies darauf, dass die Beamten, die zuerst auf die Missstände aufmerksam gemacht hätten, mundtot gemacht und versetzt worden seien. Sie müssten rehabilitiert werden, forderte Lux. Viele Kollegen würden sich zudem selbst um eine medizinische Untersuchung kümmern müssen, da Angebote der Polizei fehlten.

Nach früheren Angaben von Henkel stehen von ursprünglich 73 Schießbahnen weiterhin 40 uneingeschränkt und 10 weitere eingeschränkt zur Verfügung.