Leserforum

Anwohner und Gäste auf dem Weg zum friedlichen Miteinander

„Wie viel Tourismus verträgt Berlin?“: Am Dienstag findet das Leserforum der Berliner Morgenpost statt. So können Sie dabei sein.

In der Simon-Dach-Straße reiht sich Restaurant an Restaurant. Besonders abends sind die Plätze sehr begehrt

In der Simon-Dach-Straße reiht sich Restaurant an Restaurant. Besonders abends sind die Plätze sehr begehrt

Foto: imago/Hohlfeld

Tourismus bringt Menschen zusammen – manchmal auch auf andere Weise als ursprünglich gedacht. In Friedrichshain-Kreuzberg haben sich in mehreren Kiezen Anwohner zusammengeschlossen, weil ihnen die Auswirkungen der großen Beliebtheit ihres Bezirks bei jungen Menschen aus aller Welt über den Kopf wachsen. Eine dieser Initiativen heißt "Die Anrainer". Die Mitglieder repräsentieren rund 120 Haushalte aus dem Partykiez zwischen Frankfurter Allee und Spree. Sie sagen über sich: "Wir organisieren uns, um den negativen Auswirkungen der ,Nachtökonomie' wie nächtliche Ruhestörung, gestiegene Kriminalität, vermehrter Drogenhandel, Verwahrlosung und Vermüllung in unserem Kiez zu begegnen." Sie setzen sich dafür ein, dass "die Auswirkungen der Konzentration von Gastronomie und Hotellerie in unserem Kiez auf ein für alle erträgliches Maß zurückgeschraubt werden."

Die "Anrainer" sind keine Scharfmacher und keine Verweigerer, sie sind Alteingesessene und Hinzugezogene zwischen 20 und 80, Studenten und Rentner, Angestellte und Unternehmer, Mieter und Eigentümer von Wohnungen. Ganz normale Leute also, die keine "Friedhofsruhe" erwarten, sondern einen stadtverträglichen Tourismus. Darüber sprechen inzwischen viele Berliner – in Mitte wie in Charlottenburg, in Pankow wie in Schöneberg.

Die Teilnehmer im Publikum können mitdiskutieren

Auch das nächste Leser­forum der Berliner Morgenpost in der Reihe "Morgenpost vor Ort" widmet sich dem Thema. Es findet am morgigen Dienstag, 26. April 2016, um 19 Uhr, in der Urania, An der Urania 17, in Schöneberg statt und trägt den Titel "Wie viel Tourismus verträgt Berlin?". Auf dem Podium diskutieren: Burkhard Kieker, Chef von "Visit Berlin" und damit Berlins oberster Tourismuswerber; Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg (Grüne); Tina Brack, geschäftsführende Direktorin des Ellington-Hotels in Schöneberg; Heba Choukri, Anwohnerin und Galeristin in Kreuzberg und Joachim Fahrun, Chefreporter der Berliner Morgenpost. Moderiert wird die Veranstaltung von Hajo Schumacher, Publizist und Kolumnist unserer Zeitung.

Nach der etwa einstündigen Gesprächsrunde können die Teilnehmer im Publikum Fragen stellen und mitdiskutieren. Die Teilnahme ist kostenlos. Sie müssen sich allerdings zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, lesen sie im Info-Text oben rechts. Wir möchten darüber sprechen, wie wichtig der Tourismus für Berlin ist. Wir wollen aber auch Schwierigkeiten und Herausforderungen, Ärgernisse und Kritikpunkte erörtern.

Karola Vogel und Florian Stinner wohnen im Simon-Dach-Kiez und gehören zu den "Anrainern". Sie kritisieren die Monokultur der Gastronomie in ihrem Viertel. Vor allem ärgert sie, dass es zwar Lärmschutzauflagen gibt, die aber nicht eingehalten werden. Nur wenige Gastronomen würden zu den vorgeschriebenen Zeiten ihre Schankveranden schließen. Ordnungsamt und Polizei kontrollierten abends und nachts kaum, weil ihnen dafür das Personal fehle. Dieses "Verwaltungsproblem" müsse der Senat angehen, sagen Karola Vogel und Florian Stinner. Deshalb, und weil ja nicht nur ihr Kiez betroffen sei, wollen die Veranstaltungsorganisatorin und der Student es auch stadtweit diskutieren, dabei mehr Gehör finden und zu einem Interessenausgleich kommen.

Kieze sollen nicht zum "Disneyland" werden

Die beiden "Anrainer" verkennen nicht, dass auch viele Berliner abends und nachts in ihrem Kiez unterwegs sind. Aber wegen der Hostel- und Ferienwohnungsdichte sehen sie in erster Linie den Tourismus als Verursacher. Unter der Monokultur leide die Ortsbindung und die Identifikation der Anwohner mit ihrem Viertel. Das ist auch nicht im Sinne von "Visit Berlin". Den Tourismuswerbern ist wichtig, dass Berlin authentisch bleibt, Kieze nicht zum "Disneyland" werden und die Gäste der Stadt bei den Berlinern willkommen sind. Deshalb hat auch "Visit Berlin" Projekte zum stadtverträglichen Tourismus aufgelegt oder beteiligt sich daran. Dazu gehört etwa "Service in the City", das auch für mehr Sauberkeit sorgen soll.

Im Rahmen der Initiative "Hier in Berlin" sammelt die Tourismus-Gesellschaft Anregungen, wie Tourismus "für alle besser werden kann" und bringt Menschen zusammen, die sich für das Thema interessieren. Eine erste Kreativwerkstatt fand im November 2014 statt. Derzeit werde ein Konzept erarbeitet, wie das Partizipationsprojekt, etwa mit Workshops und Diskussionsrunden, fortgesetzt werden kann, sagte "Visit Berlin"-Sprecher Christian Tänzler der Berliner Morgenpost. Zudem stehe man im regelmäßigen Austausch mit den Bezirken. Auch die App "Going Local" soll dazu beitragen, sehr gefragte Kieze zu entlasten, indem Berlin-Besuchern die Sehenswürdigkeiten und Vorzüge anderer Ecken der Stadt empfohlen werden.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann fordert einen "nachhaltigen Tourismus". Um die Partymeilen in Friedrichshain-Kreuzberg zu entlasten würden in Kürze zusätzliche kostenlose Toiletten aufgestellt. Mehr Müllbehälter gebe es schon, viele Straßen würden nun öfter gereinigt. Herrmann fordert, dass die Gebühren für die verstärkte Reinigung der Senat zahlt und diese nicht auf die Anwohner umgelegt werden. Die Kritik der "Anrainer" an den mangelhaften Kontrollen teile sie, sagte sie der Morgenpost. "Da sind wir nicht stringent genug." Ordnungsamt und Polizei müssten besser kooperieren.

So können Sie teilnehmen

Ort und Zeit: Das Leserforum "Morgenpost vor Ort" zum Thema "Wie viel Tourismus verträgt Berlin?" beginnt am Dienstag, 26. April 2016, um 19 Uhr im Saal Voltaire der Urania, An der Urania 17 in Schöneberg. Es dauert etwa zwei Stunden. Die Teilnahme ist für unsere Leser kostenlos.

Anmeldung: Voraussetzung zur Teilnahme ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort "Morgenpost vor Ort": per E-Mail an aktionen@morgenpost.de oder per Fax an die Nummer 030/8872 77967. Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Anmeldungen müssen bis Montagabend, 25. April 2016, um 20 Uhr in der Redaktion vorliegen.

Anfahrt: Die Urania liegt unweit der U-Bahnhöfe Wittenbergplatz (U1, U2, U3) und Nollendorfplatz (U3, U4). Die Buslinien M19 und ­M29 halten am Gebäude. Die Urania verfügt über einen Parkplatz (Zufahrt über Kleiststraße 13).

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