Yorckstraße

Toilettenanlage in Kreuzberg wird Galerie mit Bar

Ein Veranstaltungstechniker will an der Yorckstraße Straßenkunst ausstellen und Konzerte veranstalten - in einer ehemaligen Toilette.

Die – nicht eben schöne – Yorckstraße bekommt einen neuen Veranstaltungsort

Die – nicht eben schöne – Yorckstraße bekommt einen neuen Veranstaltungsort

Foto: Reto Klar / ZGB

In Kreuzberg entsteht ein ungewöhnlicher Veranstaltungsort. Aus der maroden unterirdischen Toilettenanlage an der Kreuzung Yorckstraße/Mehringdamm wird eine Galerie mit Bar. Betreiber und Pächter des skurrilen Ortes ist Flint Neiber, 23 Jahre alt und Sohn des Berliner Klub- und Restaurantchefs Sascha Disselkamp. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den Bauantrag für die Räume im Untergrund genehmigt und im März einen Pachtvertrag mit Flint Neiber abgeschlossen. Der junge Mann hatte mit seinem Konzept 2014 den Wettbewerb des Bezirksamtes gewonnen. Er habe sich nicht vom ungewöhnlich hohen Sanierungsaufwand abschrecken lassen, sagte er auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Flint Neiber ist von Beruf Veranstaltungstechniker. Sein Unternehmen Tief Ton Technik stattet Musikfestivals und Räume mit Klang- und Lichtsystemen aus. Für das Kreuzberger Projekt hat er die Mittelinsel Galerie Unternehmensgesellschaft gegründet. „Unser Konzept ist, daraus eine Streetart-Galerie zu machen“, sagte er. „Wir stellen Künstlern die Räume zur Verfügung. Sie können dort ausstellen.“ Auch Lichtinstallationen, Konzerte und DJ-Darbietungen sind vorgesehen.

Graffitis an den Wänden bleiben und sollen Authentizität verleihen

Die Sanierungskosten sollen durch einen Barbetrieb refinanziert werden. Drei Jahre habe er gekämpft, um mit dem Konzept beim Bezirksamt durchzukommen, erzählt Neiber. „Zunächst wollen wir den Betrieb auf die Wochenenden konzentrieren und testen, wie es ankommt.“

Doch zuerst stehen Bauarbeiten an. Anschlüsse für Wasser, Gas und Strom fehlen. Der Brandschutz muss gewährleistet werden. Möglichst viele Arbeiten wollen Neiber und seine Mitstreiter selbst ausführen. Die Räume faszinieren ihn. „Man sieht die alten Graffitis und die Überbleibsel von Kunstaktionen.“ Vieles davon soll bleiben und den Ort authentisch machen. Weiße Wände und ein steriles Klima seien nicht angemessen, meint Neiber.

Sechs Monate sollen die Bauarbeiten dauern

110 Quadratmeter groß ist die Anlage. 80 Quadratmeter groß wird die Ausstellungsfläche. Der Ort ist für 75 Menschen zugelassen. Laut Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) beträgt die jährliche Pacht 1062 Euro. Die Veranstaltungen sollen von 18 bis 1 Uhr dauern.

Vor dem Umbau wird die Anlage trockengelegt. „Sie war 20 Jahre lang ungenutzt. Mehr als ein Meter Wasser stand in den Räumen, weil Regen durch die undichten Oberlichter und über die Stufen geflossen ist.“ Deshalb habe man zuerst ein Dach über die Treppen gebaut. Sechs Monate lang sollen die Bauarbeiten dauern. „Wir gehen es in Ruhe an“, sagt Neiber. Man müsse im Einzelnen sehen, wie der Zustand der Anlage sei.

Klubchef Sascha Disselkamp ist angetan vom Projekt seines Sohnes. „Die Stadt braucht solche kleinen kreativen Orte“, sagt er. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg war ursprünglich anderer Meinung. Die Behörde hätte das marode Bauwerk lieber zugeschüttet. Doch eine Mehrheit der Bezirksverordneten beschloss im November 2012, dass die Räume für eine Nutzung ausgeschrieben werden sollten.

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